Banana Coast und die Umweltzerstörung in der Bucht von Trujillo

von OFRANEH

alt(Fortaleza, 10. Februar 2011, adital).- Am 7. Februar gab die Tageszeitung „El Heraldo“ den Bau einer Hafenmole bekannt (1), die als Anlegestelle für Postpanamax-Kreuzfahrtschiffe im Stadtteil Rio Negro der Stadt Trujillo dienen soll. Für die Infrastruktur des Bauprojekts plant der kanadische Konzern Life Vision Investitionen in Höhe von 15 Millionen Dollar. Die davon ausgehenden möglichen Umweltschäden versetzen die Garinagu in Alarmbereitschaft, denn davon wird insbesondere das Viertel Cristales betroffen sein, wo ein Großteil der Garífuna-Bevölkerung lebt.

Unter dem Namen „Banana Coast“ war der Kanadier Randy Jorgensen, in seinem Land bekannt als Pornokönig, mit seiner Firma Life Vision nach Honduras und gekommen und kaufte Landstücke entlang der Bucht von Trujillo auf. Davon befindet sich ein Großteil in der Abfederungszone des Schutzgebietes der Capiro- und Calentura-Berge. Ohne auf die Zustimmung der ansässigen Gemeinden zu warten, baute Life Vision in Windeseile Siedlungen in die Berge südlich der Gemeinden Garinagu de Santa Fe und San Antonio. Life Vision plant in Zukunft auch Bauten in den Ausläufern des Berglandes von Guadalupe.

Die charakteristische eisenhaltige Erde des Berglandes Nombre de Dios und die durch den Bau von Siedlungen und Straßen verursachten Erdverlagerungen gefährden die Gemeinden entlang der Küste. Auch die Abholzungen und die Zerschneidung der Landschaft durch das Straßennetz stellen eine Bedrohung dar.

Genehmigungen ohne Mitsprache der Gemeinden

Im Januar 2010 hat der honduranische Staat Umweltgenehmigungen an Life Vision vergeben, jedoch ohne dass die Gemeinden angehört wurden, die sich im Widerstand gegen das Projekt befinden. Insbesondere die Gemeinde Guadalupe prangert schon seit 2009 illegale Verkäufe von ihrem Gemeindeland an, welches eigentlich durch den Gemeindetitel geschützt ist.

In der Ankündigung zum Baubeginn der Mole gab es keinerlei Bekanntmachungen bezüglich der Studie zu den ökologischen Auswirkungen. Aus dieser geht unter anderem hervor, an welchem Ort die Sedimente aus dem Meeresboden abgelagert werden sollen, die durch die immensen Ausbaggerungen aufkommen. Diese sind notwendig, um Postpanamax-Schiffe anlegen lassen zu können. Kein Wort verloren wurde zudem über die Auswirkungen, die das Bauprojekt auf die angrenzenden Strände wie den Strand von Cristales haben wird.

Modellstadt im gescheiterten Staat

Es ist schon verwunderlich, welchen Namen der Pornokönig Jorgensen seinem Projekt gibt; denn ausgerechnet Trujillo ist der Schauplatz der Geschichten des US-amerikanischen Autors O’Henry, der in seinem Werk „Kohlköpfe und Könige“ zum ersten Mal das Konzept der ‚Bananenrepublik‘ verwendet. Über ein Jahrhundert nach der Publikation von “Kohl und Könige” wird Trujillo wiederum zum Schauplatz von Projekten, um innerhalb eines gescheiterten Staates eine „Modellstadt“ aufzubauen.

Es ist nicht unübersehbar, dass es in Honduras einen großen Mangel an Erwerbsmöglichkeiten gibt, insbesondere in der Bucht von Trujillo. Andererseits müssen die ökologischen Konsequenzen der vermeintlichen Entwicklung bedacht werden; ebenso muss man sich ragen, welchen Nutzen die lokale Bevölkerung tatsächlich davon hat. Die Erfahrung auf dem Kontinent zeigt, dass Investitionen in den Tourismus oftmals mit erschreckenden Ungleichverteilungen und Vertreibungen einhergehen. Die Mehrheit bleibt zurück als Schiffbrüchige einer Entwicklung, die eine kleine Minderheit mit Rückenwind vorantreibt.

Viele scheinen zu vergessen, dass sich die Bucht von Trujillo an dritter Stelle der Orte befindet, die weltweit am anfälligsten für die Folgen des Klimawandels sind. Alle Anzeichen deuten darauf hin, dass eine kollektive Amnesie gegenüber dem Orkansturm Mitch und seiner Auswirkungen besteht. Mit dem Ansteigen der Umweltzerstörungen könnte der nächste Hurrikan noch mehr unerwartete Katastrophen verursachen, dennoch werden nicht die notwendigen Maßnahmen getroffen, um den Klimawandel abzuschwächen und sich besser an seine Folgen anzupassen; im Gegenteil, jeden Tag werden mehr Projekte aufgezogen, die die Auswirkungen des Klimawandels in den Gemeinden noch verschlimmern. Der Pornokönig veröffentlichte im August letzten Jahres in der Tageszeitung „El Heraldo“ einen Leitartikel mit dem Titel „Zum Schutz des Images von Honduras“ (2). Dieser galt als Antwort auf den vom Internationalen Pressedienst veröffentlichten Artikel, „Die honduranische Karibik in Bedrängnis“ (3), in dem auf den Drogenhandel in Honduras, sowie auf die von Life Vision in den Bergen von Capiro und Calentura verursachten Umweltzerstörungen aufmerksam gemacht wird.

Ein Pornokönig in der Bananenrepublik

Jorgensen bezeichnet Honduras in seiner Rechtfertigungsschrift als „unser Land“ und sorgt sich scheinbar um dessen schlechtes Image. Selbstverständlich ist für ihn der Begriff „Banana Coast“ eines der besten Bilder, um Honduras für den Verkauf attraktiv darzustellen; damit bestätigt er das Klischee der Bananenrepublik, die Honduras schon so viel Leid zugefügt hat. Der Leitartikel im „Heraldo“ endet mit den Worten: “Wir müssen in Alarmbereitschaft sein bei den Artikeln, die die Wahrheit opfern, um verdeckte Kampagnen zu verfolgen.” Umgekehrt ist die verdeckte Kampagne der Modellstadt und der „Banana Coast“ für uns als Organisation der Schwarzen Gemeinden Honduras OFRANEH (Organización Fraternal Negra Hondureña) ein Grund zu größter Besorgnis – angesichts der Schamlosigkeit, mit der Honduras wieder zum Wohlergehen fremder Konzerne geopfert werden soll, genauso wie über Hundert Jahre zuvor bei der Invasion von Sam Zemurray.

Die Gemeinde von Cristales und Rio Negro beklagten in einer am 9. Februar herausgegebenen Pressemitteilung die Beleidigungen, die die Garifuna-Gemeinde erleidet, insbesondere von Seiten des Pornokönigs. Außerdem wurde bekannt gegeben, dass sie bereits seit August letzten Jahres von der Staatsanwaltschaft und dem nationalen Agrarinstitut eine Untersuchung über die Rechtsverletzungen und den Hamsterkauf ihrer Ländereien einfordern (4).

Organisation der Schwarzen Gemeinden Honduras

Fußnoten: (1)http://eng.elheraldo.hn/Economía/Ediciones/2010/02/08/Noticias/Canadienses-construiran-un-muelle-de-cruceros-en-Trujillo (2)http://elheraldo.hn/Ediciones/2010/08/04/Opinion/En-defensa-de-la-imagen-de-Honduras (3)http://ipsnews.net/news.asp?idnews=51963 (4)http://www.scribd.com/full/48582192?access_key=key-2ayfat7xkauv5vrd5bz1

(Unwetter über Trujillo. Foto: Flickr/StormyPetrel)

 

CC BY-SA 4.0 Banana Coast und die Umweltzerstörung in der Bucht von Trujillo von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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