Brasilien

Verdacht auf Massaker an unkontaktierten Indigenen


Von Roger Tunque

Indigene

Nicht kontaktierte Indigene auf einer Aufnahme aus dem Jahr 2010. Foto: Servindi

(Lima, 12. September 2017, servindi).- Im brasilianischen Bundesstaat Amazonas soll im August ein Massaker an unkontaktierten Indigenen verübt worden sein, dem mindestens ein Dutzend Indigene, darunter Kinder und Frauen, zum Opfer gefallen sein soll. Das brasilianische Bundesinnenministerium der Stadt Tabatinga hat Ermittlungen zu dem mutmaßlichen Massaker aufgenommen, nachdem die Indigenen-Schutzbehörde FUNAI (Fundación Nacional del Indio) auf den Fall aufmerksam gemacht hatte. Demzufolge soll der Angriff auf die unkontaktierten Indigenen im Javari-Tal in der Region des Flusses Jandiatuba stattgefunden haben und von Männern verübt worden sein, die dort illegal Bergbau betreiben. Laut einer Presseerklärung der FUNAI wurde Anzeige gegen einige der illegalen Minenarbeiter erstattet, nachdem sie in der Gemeinde Sao Paulo de Oliveira im Westen der Amazonasprovinz von dem Angriff gesprochen hatten.

Leila Silvia Buerger Sotto-Maior, Koordinatorin der FUNAI für unkontaktiert lebende Indigene, erklärte in einem Interview mit der New York Times, dass vieles auf ein Massaker hindeute, aber erst noch Beweise erbracht werden müssten. Die mittlerweise verhafteten Arbeiter hätten damit geprahlt, die Menschen enthauptet und in den Fluss geworfen zu haben. Außerdem führten sie ein handgemachtes Boot mit sich, das der Stamm gehörte.

Das Gebiet, in dem der mutmaßliche Angriff stattgefunden hat, grenzt an die Zone, in der die meisten nicht kontaktierten Indigenen weltweit leben.

Staatliche Kürzungen mit verantwortlich

Vor diesem Hintergrund wird kritisiert, dass mehrere staatliche Einrichtungen zum Schutz indigener Gebiete in jüngster Zeit massive Kürzungen von Geldern der Regierung zu verzeichnen hatten und schließen mussten. „Die Regierung Temer ist explizit anti-indigen und hat beste Verbindungen zur Fraktion der Großgrundbesitzer; eine gegen die Indigenen gerichtete Lobbygruppe der Landwirtschaft, die sehr viel Macht in Brasilien besitzt“, betont die Organisation Survival.

Erst vor Kurzem hat der brasilianische Präsident ein Gesetz unterzeichnet, das es Minenarbeitern erlaubt, in einem großen Schutzgebiet im Amazonasraum von einer Größe von etwa 47.000 Quadratmetern zu arbeiten. Allerdings hat die Staatsanwaltschaft dieses Dekret angefochten, weil es verfassungswidrig sei und es keine vorhergehende Konsultation gegeben habe.

Zahl der Landkonflikte gestiegen

„Die Maßnahme des Präsidenten Temer verstößt nicht nur gegen die Verfassung, sie bringt auch die Umwelt in Gefahr und kann zu einem Ökozid führen. Zudem bedroht sie die Grundrechte der Bewohner des Amazonasgebietes, vor allem das Recht, im Vornherein befragt zu werden“, erklärte ein Vertreter des brasilianischen Innenministeriums im waldreichen Bundesstaat Amapá.

Die katholische Kommission für Landpastorale CPT  (Comisión Pastoral de la Tierra) stellt in ihrem  jüngsten Bericht fest, dass 2016 die Gewalt in den ländlichen Gebieten auf den schlimmsten Stand seit 13 Jahren gestiegen ist. Demnach sind in 1.536 Landkonflikten 61 Menschen ums Leben gekommen. Von den 61 Getöteten sind 13 Indigene, sechs Frauen, vier sind Nachfahren geflohener Sklav*innen und 16 sind unter 29 Jahre alt.

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