Mexiko

Veracruz: 125 Frauenmorde in 18 Monaten


(Mexiko-Stadt, 16. Juli 2009, cimac-adital).- Im mexikanischen Bundesstaat Veracruz steigt die Zahl der Gewaltverbrechen an Frauen weiter an. Daran haben auch eine verschärfte Gesetzgebung und Programme für Frauen nichts geändert. Die Justizbehörden schweigen, jedoch haben Nachforschungen der Presse ergeben , dass im Jahr 2008 mindestens 82 Frauen ermordet wurden. In diesem Jahr gab es bisher 43 neue Opfer. Fast alle Fälle sind ungeklärt.

Die Zahl von 125 Morden an Frauen innerhalb von 18 Monaten stammt von Dalia Edith Pérez Castañeda, Mitglied der Gleichstellungskommission des Parlamentes von Veracruz. Die Staatsanwaltschaft Veracruz habe die Zahl der zwischen 2008 und 2009 registrierten Frauenmorde nicht herausgeben wollen, so die Parlamentarierin. Daher habe ein Team von Mitarbeiterinnen die Presseveröffentlichungen im einschlägigen Zeitraum durchrecherchiert und sei so auf diese Menge gekommen. Jedoch sei die Zahl der tatsächlich verübten Morde wahrscheinlich noch viel höher. In den Bergen gebe es beispielsweise Möglichkeiten, Morde selbst vor der Presse geheim zu halten.

Festgehalten wurden Namen und Alter der Opfer, Ort und Besonderheiten des Verbrechens und der jeweilige Ermittlungsstand. Von den 43 in diesem Jahr verübten Mordfällen wurden bisher lediglich 11 aufgeklärt, das macht ganze 25 Prozent. Selbst diese wurden nicht etwa mit Hilfe einer gründlichen Untersuchung aufgeklärt, sondern durch das Geständnis eines Familienmitglieds, des Vaters, Ehemanns bzw. Partners. Acht der ermordeten Frauen waren minderjährig. 75 Prozent wurden vor der Ermordung vergewaltigt, gefoltert und anschließend durch Stichwaffen getötet oder erschlagen. Nur acht von ihnen starben einen sofortigen Tod durch den Gebrauch einer Schusswaffe.

Auch die im Jahr 2008 ermordeten Frauen wurden zum größten Teil gefoltert und vergewaltigt. Von den 82 Opfern waren sieben minderjährig. Auch im vergangenen Jahr gehörte ein großer Teil der Mörder der Familie des Opfers an. Diese töteten ihre Tochter, Ehefrau oder Partnerin ebenfalls überwiegend durch Stichwaffen oder Schläge.

CC BY-SA 4.0 Veracruz: 125 Frauenmorde in 18 Monaten von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Freiheit nach fast drei Jahren Gefängnis wegen Fehlgeburt
65
(Mexiko-Stadt, 15. Februar 2019, cimacnoticias).- Nach 33 Monaten in Haft wurde am Freitag, 15. Februar, Evelyn Hernández aus El Salvador freigelassen. Ein Gericht in der Stadt Cojutepeque hatte geurteilt, dass sie ihren zweiten Prozess in vorläufiger Freiheit abschließen soll. Die junge Frau wurde im Juli 2017 von einer Richterin desselben Gerichts zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. Nery Velásquez Joya befand sie des schweren Mordes für schuldig, nachdem Evelyn im Alter v...
Nach dem Friedenschluss: Menschenrechtslage für Aktivist*innen hat sich verschlechtert
34
Seit dem 24. November 2016 herrscht endlich Frieden in Kolumbien! Zumindest wird das der internationalen Öffentlichkeit so dargestellt, denn die kolumbianische Regierung und die größte kolumbianische Rebellenorganisation FARC haben an jenem Tag einen historischen Friedensvertrag unterschrieben. Tatsächlich ist seitdem die Zahl der bewaffneten Konflikte in dem Land zurückgegangen. Allerdings gilt das nicht für soziale Aktivist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen. Seit...
onda-info 453
79
Hallo und Willkommen zum onda-info 453! Zunächst nach El Salvador: Ihr erhaltet ihr einen kurzen Überblick über die Präsidentschaftswahlen und den zukünftigen, etwas konturlosen Präsidenten Nayib Bukele. „Land, Kultur, Autonomie, die indigene Bewegung im Cauca“ heißt die im Januar 2019 vom Kollektiv Zwischenzeit herausgegebene Broschüre zu Kolumbien. In 22 Artikeln wird die emanzipatorische Bewegung der indigenen Gemeinschaften im Cauca im Südwesten Kolumbiens so eindri...
#NiUnaMenos: Der argentinische Staat bleibt untätig
97
(Buenos Aires, 28. Januar 2019, anred).- Im Jahr 2018 wurden in Argentinien mindestens 259 Morde an Frauen aufgrund deren Geschlecht registriert, so die Beobachtungsstelle gegen Femizide Mulalá (Observatorio de Femicidios de Mujeres de la Matria Latinoamericana). Bedauerlicherweise scheint sich auch im neuen Jahr nichts zu ändern: Nach etwas mehr als 20 Tagen des Jahres 2019 ist die Zahl der Femizide auf bereits 15 gestiegen. Der machistischen Gewalt wird kein Einhalt geboten...
Ley Antiterrorista en Chile – Radio Matraca. Entrevista con la abogada mapuche Natividad LLanquileo
98
Ley Antiterrorista en Chile - Radio Matraca. Entrevista con la abogada mapuche Natividad LLanquileo Invitada a varias charlas en Europa, la abogada y activista Natividad LLanquileo trajo la denuncia de la criminalización, persecución y - especialmente en los últimos meses - del asesinato de referentes políticos mapuches en Chile. En este marco, habla sobre la Ley Antiterrorista y su uso como herramienta legal de represión. Tratando de comprender cómo crear nuevas al...