Bolivien

Terror in Bolivien


von Malte Daniljuk

(Darmstadt, 16. April 2009, amerika21.de).- Am 16. April wurden in Bolivien bei einer Polizeioperation mehrere Personen getötet, die für einen Anschlag auf das Wohnhaus des Kardinals Julio Terrazas verantwortlich sein sollen. Bei der Aktion seien außerdem mindestens zwei Männer verhaftet worden, berichten lokale Medien. Die Bundesregierung erklärte, die Attentäter hätten weitere Aktionen geplant, unter anderem Mordanschläge auf Evo Morales, den bolivianischen Vize-Präsidenten Álvaro García und auf Oppositionspolitiker. Präsident Evo Morales befindet sich gegenwärtig in der venezolanischen Stadt Cumana und nimmt dort am langfristig geplanten Gipfeltreffen der Alba-Staaten teil. Gastgeber Hugo Chávez hatte erst letzte Woche öffentlich vor Versuchen gewarnt, die linke Regierung von Evo Morales zu stürzen.

Die bolivianische Regierung bezeichnete die Attentäter heute als eine „Gruppe internationaler Terroristen und Söldner“. Tatsächlich scheint es sich bei den Toten und Verhafteten nach ersten Medienberichten hauptsächlich um Ausländer zu handeln. Allerdings sind die Angaben über deren Nationalität widersprüchlich: Während die BBC von einem Ungarn und einem Rumänen berichtete, gaben andere Medien Kroatien und Irland als Herkunftsländer an. Unter den Verhafteten soll sich auch ein Bolivianer befinden. Unklar ist bisher, welche Verbindung zwischen der genannten Gruppe und dem gestrigen Bombenanschlag besteht. Am Donnerstagmorgen (16.4.) stürmte die Polizei ein Hotel in Santa Cruz. Dabei kam es zu einer längeren Schießerei. Anschließend durchsuchten Polizeieinheiten ein lokales Telefongeschäft, wo sie Schusswaffen, Sprengstoff und Papiere beschlagnahmten.

Aus den beschlagnahmten Unterlagen gehe hervor, dass die Gruppe Anschläge auf den Präsidenten und ihn selber geplant habe, berichtete Vizepräsident Álvaro García heute auf einer Pressekonferenz im Regierungspalast. Mitglieder der Terrorgruppe hätten öffentliche Veranstaltungen des Präsidenten besucht und seine Fahrtrouten verfolgt. Der Vertreter der bolivianischen Regierung geht davon aus, dass sich weitere Terrorzellen in Bolivien aufhalten. Möglicherweise existiere ein langfristiger Plan zur Destabilsierung des Landes. Man werde jetzt alles daran setzen die Auftraggeber der Gruppe zu identifizieren. Die beschlagnahmte Ausrüstung weise darauf hin, dass die Gruppe einen finanzkräftigen Auftraggeber haben müsse, ergänzte der bolivianische Ministerpräsident Alfredo Rada.

Unterdessen sprach ein Vertreter der rechten Opposition, der Gouverneur der Provinz Santa Cruz, Rubén Costas, mit Blick auf die Polizeioperation von einer „Show, um den vorherigen Erklärungen des Präsidenten Glaubwürdigkeit zu verleihen.“ Evo Morales hatte in der Vergangenheit die Anwesenheit von paramilitärischen Gruppen im Bundesstaat Santa Cruz angeprangert, wo die Opposition gegen die sozialistische Bundesregierung besonders radikal auftritt. Die Einschätzung von Rubén Costas ist auch deshalb ungewöhnlich, weil er selber nach Angaben der Regierung auf der Liste der möglichen Anschlagsziele steht. Kardinal Julio Terraza, dessen Haus gestern Ziel eines Bombenanschlags wurde, ist ebenfalls der Opposition zuzurechnen. Der Kardinal befand sich allerdings zum Zeitpunkt der Explosion nicht in dem Gebäude.

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