Kolumbien

Streik von 12.000 Arbeiter*innen in der Zuckerrohrindustrie


(Fortaleza, 16. September 2008, adital).- Rund 12.000 Arbeiter*innen der Zuckerrohrindustrie in den Departaments Valle del Cauca und Cauca haben in den Zuckerfabriken Pichichí, Providencia, Manuelita, Central Tumaco, Incauca, María Luisa, Mayagüez und Central Castilla ihre Arbeit niedergelegt. Weitere 7.000 Arbeiter*innen der Fabriken San Carlos, Rio Paila und Carmelita im Norden des Departamentos Valle del Cauca entscheiden derzeit in Versammlungen über ihre Teilnahme an den Arbeitsniederlegungen.

Die Arbeiter*innen prangern an, dass sie an einer Tonne geschnittenem Zuckerrohr lediglich 5.000 Pesos (weniger als 3 US-Dollar) verdienen. In der Gegend wird Zuckerrohr hauptsächlich zu von der Regierung subventioniertem Biotreibstoff weiterverarbeitet. Des Weiteren fehlen würdige Arbeitsbedingungen, Sozialversicherung und andere Leistungen, auf die die Arbeiter*innen ein Recht haben.

Die Arbeiter*innen haben beschlossen, sich vor den Fabriken zu versammeln und die Arbeit auf unbestimmte Zeit niederzulegen. Beobachter*innen geben an, dass laut Informationen lokaler Behörden und des Militärs der kolumbianische Präsident Álvaro Uribe Velez Polizei und Militär ausdrücklich und über lokale Instanzen hinweg angewiesen hat, die betroffenen Fabriken zu besetzen.

In neun Gemeinden des Valle del Cauca und Cauca ist es aufgrund dieser Maßnahme zu Zwischenfällen gekommen, in Guacarí, Cerrito, Palmira, Pradera, Florida, Candelaria, Miranda, Corinto und Puerto Tejada. Beamte der Antiterrorpolizei ESMAD (Escuadrón Móvil Antidisturbios) haben Arbeiter*innen gewalttätig angegriffen. Bis Mittwoch, den 17. September, wurden ca. 25 Verletzte gezählt. Die Anordnung des Präsidenten und die Polizeiübergriffe wurden vor dem Hohen Kommissariat der Vereinten Nationen und der staatlichen Menschenrechtsbeauftragten angezeigt. Es wird noch eine Erklärung beider Institutionen erwartet.

Die ArbeiterInnenkomitees erwarten von der Arbeitgebervereinigung ASOCAÑA (Asociación de cultivadores de caña de azúcar) ein Einlenken und die Bereitschaft, über die von den Arbeiter*innen im Juli dieses Jahres vorgelegten Angebote zu verhandeln.

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