Uruguay

Soziale Missstände – Reaktionen auf HIV/Aids


von Amanda Muñoz

(Quito, 02. Dezember 2011, la diaria).- In Uruguay wurden in den letzten 20 Jahren mehr HIV-Fälle gemeldet. Jedoch treffen auch mehr Bürger*innen eine Vorsorge und lassen sich rechtzeitig behandeln. In den Jahren von 1991 bis 2010 sind die Fälle von Aids zwar angestiegen, aber in den letzten Jahren stabil geblieben.

Das Ministerium für Öffentliche Gesundheit MSP (Ministerio de Salud Pública) präsentierte Anfang Dezember 2011 eine Kampagne gegen die Diskriminierung von Menschen, die mit HIV leben. Zu dieser Gelegenheit erklärten Sprecher*innen von Gesundheitsbehörden und sozialer Organisationen, dass ein HIV-infizierter Mensch eine Lebenserwartung wie jeder andere haben könnte, wenn es rechtzeitig diagnostiziert und behandelt würde. Gegen das größte Problem gäbe es hingegen immer noch kein Heilmittel: die gesellschaftliche Diskriminierung.

Der Uruguayische Arbeitskreis für Publizistik (Círculo Uruguayo de la Publicidad) rief die Kampagne kostenlos ins Leben. Sie kombiniert das Bild einer Frau, eines Mannes und eines Mädchens mit Slogans wie „HIV tut nicht weh, deine Diskriminierung schon.“

Schwerer Zugang zur Behandlung

Die Basis der Kampagne bildete eine Studie, die mit der Unterstützung der Vereinten Nationen für die Nationale Aidskommission ausgearbeitet wurde. _Im Jahr 2010 registrierten vier soziale Organisationen registrierten 65 Anzeigen wegen Verletzung der Persönlichkeitsrechte, wie die Beratungsstelle der Soziologin Ana Sosa mitteilte: die Vereinigung Sexueller Minderheiten in Uruguay Amiseu (Asociación de Minorías Sexuales del Uruguay), die Vereinigung Asepo (Asociación de Ayuda al Sero Positivo), das Netzwerk von Menschen die mit HIV leben und der Gesundheits- und Arbeitsbereich der Gewerkschaft PIT-CNT.

Juan José Meré, Referent des Programms der Vereinigten Nationen zu HIV/Aids, stellte die Daten vor und erklärte, 72 Prozent der Anzeigen bezögen sich auf den Gesundheitsbereich. Hier gebe es „Schwierigkeiten im Zugang zu Behandlung und Pflege“ und „Mangel an Vertraulichkeit“, was die gesundliche Behandlung behindere. 18 Prozent der Reklamationen hingen mit Problemen im Arbeitsbereich zusammen, infolge von Entlassungen, Veränderung der Arbeitsbedingungen oder der Forderung eines HIV-Tests, was eigentlich verboten ist. Acht Prozent bezögen sich auf mangelndes Vertrauen in Lehrer*innen und Zentralbehörden oder Angst vor Restriktionen. Zwei Prozent der Anzeigen entfallen auf den juristischen Bereich. Ungefähr 80 Prozent der Anzeigen aus dem Gesundheits- und Bildungsbereich bezögen sich auf Fälle, die in öffentlichen Institutionen aufgetreten seien.

Angst vor Stigmatisierung

Der Repräsentant von Amiseu, Pablo Nalerio, referierte über das Stigma, mit dem die Menschen mit HIV leben müssen. Er forderte verbesserte Informationskampagnen, damit „die Verantwortlichen die Art und Weise überarbeiten, in der sie Menschen mit HIV Behinderungsrenten gewähren“, da diese sich verleugnen ließen. Zudem forderte er, deren Rechte anzuerkennen und zu respektieren.

Die Erzieherin María José Hernández sprach im Namen von Asepo und betonte, dass auf sozialer Ebene „ein Unterschied zwischen Diskurs und dem wissenschaftlichen Fortschritt“ bestehe sowie dem kollektiven Verständnis, das seit 30 Jahren vorherrsche. Sie erklärte, dass HIV-infizierte Menschen ihr Geheimnis nicht preisgeben würden, da sie sich stigmatisiert und diskriminiert fühlten. Das hielte sie davon ab, sich zu organisieren und ihre Rechte einzufordern. Aus demselben Grund würden andere erst gar keinen Test machen, was ihnen letztlich schaden würde. Hernández forderte die „Bereitstellung neuer Medikamente mit weniger Toxizität und weniger Nebenwirkungen“. Das MSP solle dafür sorgen, dass diese an privaten Institutionen verfügbar seien.

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