Brasilien

Mitte-Links siegt bei Kommunalwahlen in Brasilien


von Moana Skambraks

14. Oktober 2012, amerika21.de).- Die Arbeiterpartei PT (Partido dos Trabalhadores) und die Sozialistische Partei PSB (Partido Socialista Brasileira) sind gestärkt aus den Kommunalwahlen in Brasilien am vergangenen 7. Oktober hervorgegangen. Im Vergleich mit den Kommunalwahlen im Jahr 2008 gewannen sie deutlich an Zustimmung. Mehr als 140 Millionen Brasilianer*innen nahmen an den Wahlen teil. In 5.564 Gemeinden standen die Positionen der Bürgermeister*innen und Stadträt*innen zur Wahl.

Nach Angaben des Obersten Wahlgerichts TSE (Tribunal Superior Eleitoral) gewannen die Kandidat*innen der PT, der Partei von Präsidentin Dilma Rousseff und Ex-Präsident Ignacio “Lula” da Silva, in 626 Gemeinden, gegenüber 550 Gemeinden in den Kommunalwahlen vor vier Jahren. Die PSB hat in 433 Gemeinden gesiegt, was einen Stimmenanstieg von 40 Prozent für die Partei bedeutet.

Stichwahl in São Paulo notwendig

Vor allem die Ergebnisse aus den drei bevölkerungsreichsten Städten Rio de Janeiro, São Paulo und Belo Horizonte stehen für die Regierungspartei in Hinblick auf die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2014 im Mittelpunkt. In São Paulo ist der Kandidat der PT, Fernando Haddad, mit 28,92 Prozent auf dem zweiten Platz nach José Serra gelandet. Der amtierende Bürgermeister der Brasilianischen Sozialdemokraten (PSDB) Serra konnte bei der Wahl 30,88 Prozent der Stimmen erreichen.

Am 28. Oktober wird eine Stichwahl entscheiden, welcher der beiden Kandidaten letztendlich in das Rathaus der Stadt einzieht. Einen großen Erfolg konnte die Sozialistische Partei Brasiliens in Belo Horizonte verbuchen. Dort wurde Márcio Lacerda mit 53,63 Prozent wiedergewählt.

Wiederwahl von Eduardo Paes (PMBD) in Rio de Janeiro

Das Wahlergebnis von Rio de Janeiro war wenig überraschend. Dort wurde der Kandidat der Partei der Demokratischen Bewegung PMBD (Partido do Movimento Democrático Brasileiro), Eduardo Paes, mit 64,38 Prozent der Stimmen wiedergewählt. Er ist seit dem Jahr 2009 im Amt und hat sich die Modernisierung der Stadt zur Aufgabe gemacht, die 2014 Austragungsort der Fußballweltmeisterschaft der Herren und zwei Jahre später der Olympischen Spiele sein wird.

“Ich danke für das Vertrauensvotum, um weiterhin Rio de Janeiro zu regieren”, sagte Paes über seine Wiederwahl. “Was mich am meisten bewegte, war die Unterstützung der Bevölkerung, die noch keine Gewinne erlangt hat. Wir wissen, dass wir in den letzten Jahren schon viel getan haben, aber wir wissen auch, dass noch viel zu tun bleibt.” Paes wurde durch die PT unterstützt, die in Rio keinen eigenen Kandidaten aufgestellt hatte.

Gradmesser für 2014

Am 28. Oktober dieses Jahres finden die Stichwahlen in den fünfzig Städten statt, die mehr als 200.000 Einwohner*innen haben und in denen kein Kandidat oder keine Kandidatin die absolute Mehrheit der Stimmen erhalten hat. Die PT nimmt an diesem Tag in 22 Gemeinden an der Wahl teil, die PMDB und die PSDB in jeweils 16 Gemeinden.

Bei dieser brasilianischen Kommunalwahl handelt es sich um eine obligatorische Wahl für alle alphabetisierten Bürger*innen, die älter als 18 Jahre und jünger als 70 Jahre sind. Für Analyst*innen und Politiker*innen waren die Wahlen am Sonntag eine Möglichkeit, um mit einem Blick auf die Wahlen von 2014 die Unterstützung für die Regierung und den Einfluss und die Stärke der politischen Parteien zu messen.

 

Weiterlesen:

poonal

 

Pragmatismus öffnet Pfingstlern die Türen | von Raul Zibechi | in poonal 1015

CC BY-SA 4.0 Mitte-Links siegt bei Kommunalwahlen in Brasilien von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Kurze Verschnaufpause für Temer Von Andreas Behn Noch-Präsident Michel Temer und sein Kabinettschef Eliseu Padilha (ebenfalls der Korruption verdächtig) luden im Januar 2017 den Vorsitzenden des Obersten Wahlgerichts, Gilmar Mendes (rechts) zu einem Trip nach Portugal ein. Zum Dank darf Temer noch ein bisschen länger Präsident spielen. Foto: Roberto Jayme/redebrasilactual (Rio de Janeiro, 13. Juni 2017, npl).- Nur knapp ist Brasilien an einem zweiten Präsidentschaftswechsel in nur einem Jahr vorbeige...
Neue Enthüllungen in Sachen Korruption treiben Brasiliens Präsidenten in die Enge Von Andreas Behn Freuten sich 2010 noch gemeinsam über gut geschmierte Konten: Brasiliens Präsident Michel Temer, seine Vorgängerin Dilma Rousseff und Vor-Vorgänger Lula da Silva. Foto: Flickr/Acervo Fotográfico da Câmara dos Deputados (Rio de Janeiro, 19. Mai 2017, taz).- Neue Enthüllungen im Korruptionsskandal setzen Brasiliens Präsidenten Michel Temer mächtig unter Druck. Laut einem Zeitungsbericht ist er an der Zahlung von Schweigegeld an den inhaftierten ehemalige...
Indigenenbehörde Funai wird kontinuierlich abgewertet "Vollkommene Missachtung der Anwesenheit von Indigenen" Laut María Augusta Assirati ist die politische Einmischung der Regierung von Dilma Roussef der Hauptgrund für die Blockade der Arbeitsabläufe in der Organisation: „Die Richtlinien besagen, dass die Bearbeitung eines Prozesses zur Errichtung von Schutzzonen – weder die Abgrenzungen, Anmeldungen noch die amtlichen Genehmigungen – zu keiner Zeit ohne die Beurteilung des Justizministeriums und des Kabinettschefs zu erfolgen ...
Rechte Massendemonstrationen setzen Rousseff unter Druck Zu den Protesten riefen zahlreiche rechte Gruppierungen in den sozialen Netzwerken und Oppositionsparteien auf. Sie werfen Rousseff und ihrer Arbeiterpartei PT eine verfehlte Wirtschaftspolitik und Orientierungslosigkeit vor. Zudem kritisierten sie den Korruptionsskandal beim halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras, durch den Millionenbeträge an PolitikerInnen der Regierungskoalition geflossen sein sollen. „Fora Dilma – Weg mit Dilma“ war auf zahlreichen Transparenten zu lesen. V...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.