Kolumbien

Massive Proteste der Indigenen in Kolumbien


Minga

Mitglieder der Minga auf einer der Demonstrationen am 31. Oktober. Foto: Prensa Latina

(Bogotá, 31. Oktober 2017, prensa latina).- Über 100.000 Indigene in 15 Departments von Kolumbien sind auf die Straße gegangen, um die Umsetzung des Ethnischen Kapitels im Friedensvertrag einzufordern und um gegen die Ermordung ihrer Anführer*innen zu protestieren.

Aufgerufen von dem Regionalen Indigenen Rat im Cauca CRIC (Consejo Regional Indígena del Cauca) und der Nationalen Indigenen Organisation in Kolumbien ONIC (Organización Indígena Nacional de Colombia), demonstrierten die Indigenen außerdem gegen die Nicht-Einhaltung der Vereinbarungen mit der Regierung in Bezug auf Gesundheit, Bildung und Landwirtschaft.

Seit den frühen Morgenstunden des 31. Oktobers fanden Aufmärsche in 30 Landkreisen in den Departments Cauca, Chocó, Nariño, Norte de Santander, La Guajira und Tolima und weiteren statt.

Innenminister zeigt sich dialogbereit

In Bezug auf die Forderungen der Indigenen bestätigte der Innenminister Guillermo Rivera, dass er am darauffolgenden Tag mit einer hochkarätig besetzten Delegation nach Caldono im südlichen Department Cauca reisen wolle, um in den Dialog mit den indigenen Vertreter*innen dieser Zone zu treten, die als das Epizentrum der überregionalen Vernetzung „Minga Nacional Indígena“ gilt. Die Regierung Kolumbiens zeige sich wiederholt bereit zum ständigen Dialog mit den indigenen Völkern, so Rivera. An diesen Verhandlungen sollen auch Minister*innen und Vizeminister*innen teilnehmen, zum von den indigenen Vertreter*innen geforderten Zeitpunkt und Ort. Der Innenminister rief dazu auf, keine Autobahnen und Landstraßen zu blockieren und die Proteste auf friedliche Weise fortzuführen.

In dem südamerikanischen Land leben über eine 1,3 Millionen Indigene, die zu 86 ethnischen Gruppen gehören und 65 verschiedene Sprachen sprechen. Laut einer Untersuchung der Nationalen Indigenen Organisation Kolumbiens sind in Kolumbien seit 2016 und im ersten Halbjahr von 2017 insgesamt 25 indigene Anführer*innen ermordet worden sowie 24 Mitglieder der lokalen Ortsvertretungen (Juntas de Acción Comunal).

CC BY-SA 4.0 Massive Proteste der Indigenen in Kolumbien von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Indigener Forscher: Der Brand im Nationalmuseum von Rio ist ein kultureller Ethnozid
165
(Mexiko-Stadt, 8. September 2018, desinformémonos/servindi).- Mit über 20 Millionen Objekten und der angeschlossenen Bibliothek mit mehr als 530 Millionen Titeln galt das Museu Nacional da Universidade Federal do Rio de Janeiro als das wichtigste Museum für Naturkunde und anthropologische Geschichte. Am Sonntag den 2. September wurde es durch einen Brand zerstört. Der Brand bedeute einen “unwiederbringlichen Verlust für die indigenen Kulturen, vergleichbar mit dem Einfall ...
Angriff auf TeleSUR-Reporterin
24
(Berlin, 28. August 2018, npl).- Die indigene Reporterin Rolanda García Hernández wurde am 21. August dieses Jahres von vermeintlichen Angestellten des Wasserkraftwerkes Oxec im guatemaltekischen Departement Alta Verapaz tätlich angegriffen und sexuell bedroht. García Hernández wollte in Begleitung von Angehörigen der indigenen Selbstverwaltung von Santa María Cahabón Berichten über illegalen Holzeinschlag im Bereich des Flusses Cahabón nachgehen. Ziel war es, einen Bericht ü...
onda-info 438
80
Wie klingen freie Radios in Lateinamerika? Diesmal kommt Jorge Collet vom Radio Sayaten aus dem Norden Argentiniens zu Wort. In Kolumbien wird es zwar nie richtig Winter, trotzdem hat es Straßenkünstler*innen aus Bogota in den deutschen Sommer gezogen. Sie nahmen am Farbflut-Festival in Lemwerder bei Bremen teil. Tobias Mönch sprach mit zwei von ihnen über Street-Art in Bogota. Und es gibt neues zum Thema Aufarbeitung der Verbrechen in der Colonia Dignidad. Die Bund...
Alarmstufe Rot auf dem mexikanischen Land
185
(Mexiko-Stadt, 21. April 2018, la jornada).- Das mexikanische Land ist kein beschaulicher Ort mehr, um in Kontakt mit der Natur zu treten. Oder die Lebensform verschiedener Gesellschaften kennenzulernen, die von dem abhängen, was die Erde ihnen gibt. Es ist zu einem gefährlichen Ort geworden, begehrt von verschiedenen Interessen, die sich in die Quere kommen: Energie- und Rohstoffförderunternehmen, „Narcos“ [Mitglieder der Drogenkartelle], Agroindustrie, Grundstücksgesellscha...
Fall Olivia Arévalo schlägt weiter Wellen
283
(Lima, 4. Mai 2018, servindi).- Der Kanadier Sebastian Woodroffe hat die indigene Schamanin Olivia Arévalo ermordet. Das bestätigte Ricardo Jiménez, Vorsitzender der Obersten Staatsanwaltschaft der peruanischen Provinz Uyacali, gegenüber der Nachrichtenagentur AFP. Die 89-jährige Weise der indigenen Shipibo Konibo (nach anderen Medienberichten war sie 81 Jahre alt) wurde am 19. April in der interkulturellen Gemeinde Victoria Gracia in der Amazonasprovinz Uyacali erschossen. ...