Chile

Mapuche-Aktivisten: frei nach 300 Tagen U-Haft


Von Vanessa Vargas Rojas, El Ciudadano

Felipe Durán ist wieder frei.

Die Angeklagten nach ihrem Freispruch. Foto: Prensa Opal/Agenciadenoticias

(Santiago, 5. August 2016, agenciadenoticias).- Vier Tage lang hatte Gericht von Temuco in der südchilenischen Provinz Araucanía verhandelt, ob sich der Fotojournalist Felipe Durán und der Mapuche-Aktivist Cristián Levinao des Mitführens von Waffen und Sprengstoff schuldig gemacht hatten. Am Morgen des 5. August erging schließlich das Urteil: Freispuch aus Mangel an Beweisen. Obwohl beide über 300 Tage in Untersuchungshaft auf ihre Verhandlung warten mussten, sprach sie das Gericht einstimmig von allen Vorwürfen frei.

Der Prozess hatte eine Woche zuvor begonnen. Levinao und Durán war das Mitführen von Waffen und Sprengstoff, der Handel mit geringen Mengen von Cannabis und Verschleierung der Identität vorgeworfen worden. Die Staatsanwaltschaft hatte für jeden der Angeklagten bis zu elf Jahren Haft gefordert.

Im ersten Teil der Verhandlung hatte die Staatsanwaltschaft die vermeintlichen Beweise präsentiert, die im Haus des Journalisten gefunden worden sein sollen: elektronische und mechanische Zeitzünder, Teile einer Zündschnur sowie eine selbstgebaute Schnellfeuerwaffe. Die Verteidigung von Levinao und Durán zog hingegen die polizeilichen Ermittlungen in Zweifel, die zur Entdeckung der beiden führten und bestritt, dass Waffen und Sprengstoff den Angeklagten gehörten. Die Verteidigung bewertete die Polizeiaktion als Montage.

Bereits vor dem Urteilsspruch hatten sich die Anwälte Rodrigo Román und Nelson Miranda in einem Interview mit der Zeitung El Ciudadano zuversichtlich gezeigt, einen Freispruch für die Angeklagten zu erzielen.

 

banner 2016

CC BY-SA 4.0 Mapuche-Aktivisten: frei nach 300 Tagen U-Haft von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

„Wir brauchen mehr Terroristen wie Felipe Durán“ von Desinformemonos (Berlin, 30. September 2015, Desinformemonos/Agencia de Noticias/poonal).- Der Fotograf Felipe Durán, der seit Langem mit seiner Kamera das "Wallmapu" genannte Land der Mapuche im Süden des amerikanischen Kontinents porträtiert hat, ist am 27. September inhaftiert worden. Gemeinsam mit dem Aktivisten Cristián Levinao wird ihm der Besitz von Waffen und Sprengstoff vorgeworfen. Seine einzige Waffe jedoch, davon ist man in Wallmapu überzeugt, ist seine Fo...
Junger Anarchist nach viereinhalb Jahren freigelassen Foto: Desinformémonos (Mexiko-Stadt, 12. Juni 2018, desinformémonos/poonal).- Der junge Anarchist Fernando Bárcenas aus Mexiko-Stadt wurde am 12. Juni nach viereinhalb Jahren Haft aus dem Gefängnis entlassen. Er war am 13. Dezember 2013 im Zusammenhang mit Protesten gegen die Preiserhöhung der Metro in Mexiko-Stadt festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, einen von Coca-Cola gesponserten Weihnachtsbaum angezündet zu haben. Dazu wurde er zu fünf Jahren und neun Monaten ...
Durch Ignorieren werden die Länder der OAS zu Mittätern der Gräueltaten in Nicaragua: Amnesty Die Zahl der bei den Protesten seit dem 18. April Getöteten soll mittlerweile auf über 110 Menschen angestiegen sein. Foto: Desinformémonos (Mexiko-Stadt, 5. Juni 2018, desinformémonos).- „Die Regierung von Präsident Ortega hat nicht die kleinste Bereitschaft gezeigt, ihrer Politik der systematischen und gewaltsamen Unterdrückung ein Ende zu setzen, die in weniger als zwei Monaten mehr als 100 Menschenleben gefordert hat - eine Zahl, die mit jedem Tag steigt. Wenn die Län...
Repression gegen die Proteste in Nicaragua geht weiter Bei den Protestierenden in Nicaragua ist die schwarz-rote Flagge der Sandinist*innen nicht so angesagt. Stattdessen wird lieber die Nationalflagge geschwenkt. Foto: Ihu-unisinos (Montevideo, 2. Juni 2018, la diaria/poonal).- Wie geht es weiter mit den Machtverhältnissen in Nicaragua? Seit dem 18. April reagiert die Regierung von Daniel Ortega und seiner Ehefrau Rosario Murillo mit scharfen Waffen auf die weiter anschwellende Protestwelle. Diese wird von Student*innen und ...
15 Tote nach Großdemo gegen Ortega "Nicaragua trauert" steht auf dem Banner auf der Großdemo in Managua. Foto: Democracy Now (Washington, 1. Juni 2018, democracy now).- Am Mittwoch, 30. Mai haben zehntausende Menschen in der nicaraguanischen Hauptstadt Managua gegen die Regierung demonstriert. Daraufhin haben Anhänger des Präsidenten Daniel Ortega das Feuer auf die Demonstrant*innen eröffnet und mindestens elf Menschen getötet und 80 verletzt. Auch in anderen Landesteilen gab es Demonstrationen; dabei star...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.