Brasilien

Lula gibt erstes Interview seit Inhaftierung


Lula da Silva

Lula da Silva in besseren Zeiten (2007). Trotz seiner bereits zwölfmonatigen Haft sehe Lula jedoch „stark“ aus, schreiben die Journalisten. Foto: Ricardo Stuckert/Agência Brasil (CC BY 3.0 br)

(Montevideo, 26. April 2019, la diaria).- Die brasilianische Tageszeitung Folha de São Paulo und die spanische Zeitung El País haben das erste Interview mit dem brasilianischen Expräsidenten Luiz Inácio Lula da Silva geführt, seit er vor etwas mehr als einem Jahr im Polizeihauptquartier in Curitiba in Haft genommen wurde.

In einem Teil des in den sozialen Medien verbreiteten Interviews bekräftigte Lula, er wolle alle diejenigen „demaskieren“, die ihn verurteilt hatten. „Sie können mich für hundert Jahre einsperren, aber ich werde meine Würde nicht für meine Freiheit eintauschen.“ Er fühle keine Wut und keinen Hass, aber er wolle beweisen, dass es sich bei dem Prozess gegen ihn um eine „Farce“ gehandelt habe.

Der 73-jährige Expräsident versicherte, ruhig schlafen zu können, glaubt aber nicht, dass des dem Staatsanwalt Deltan Dellagnol und dem damaligen Richter und jetzigen Justizminister Sergio Moro ebenso gehe. Dellagnol und Moro waren die federführenden Juristen beim Prozess gegen Lula und erreichten, dass er wegen des Korruptionsskandals Lava Jato eingesperrt wurde. Dazu sagte Lula: „Ich weiß sehr gut, welchen Ort die Geschichte für mich bereit hält. Und ich weiß auch, wer auf dem Müllhaufen landen wird.“

„Dieses Land wird von einer Bande von Verrückten regiert“

Mit der aktuellen Regierung von Jair Bolsonaro ging der langjährige Vorsitzende der Arbeiterpartei PT hart ins Gericht: „Es kann nicht sein, das dieses Land von dieser Bande von Verrückten regiert wird. Dieses Land verdient das nicht und vor allem die Bevölkerung verdient das nicht.“

Lula musste weinen, als ihn die Journalisten auf seinen siebenjährigen Neffen Arthur Araújo Lula da Silva ansprachen, der Anfang März an einer Meningitis verstarb: „Manchmal denke ich, alles wäre leichter gewesen, wenn ich gestorben wäre, denn ich habe schon 73 Jahre gelebt. Ich könnte gestorben sein und mein Neffe könnte noch leben.“

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