Brasilien

Gerichtsurteil bestätigt Quotenregelung für Zugang zu Universitäten von Rio de Janeiro


(Buenos Aires, 18. November 2009, púlsar).- Der Gerichtshof von Rio de Janeiro hat das System der Quotierung für den Zugang zu den bundesstaatlichen Universitäten für verfassungskonform erklärt und damit dessen Fortbestand gesichert. Diese politische Richtlinie gilt seit 2003. Heutzutage sind 30 Prozent aller Student*innen der Staatlichen Universität von Rio de Janeiro UERJ (Universidade do Estado do Rio de Janeiro) durch die Quotenregelung eingeschrieben. Der Präsident der UERJ, Ricardo Vieiralves, bestätigte, dass die Quotenstudent*innen gleiche oder bessere Leistungen als die anderen zeigen.

Trotz allem wurde das System, dass Schwarze, Indigene, finanziell Schwache, Schüler*innen des öffentlichen Schulsystems, Menschen mit Behinderungen und Kinder von im Dienst verstorbenen Polizisten und Feuerwehrleuten betrifft, von dem Abgeordneten Flávio Bolsonaro (Partido Progressista) hinterfragt.

Nach der juristischen Niederlage will Bolsonaro beim Bundesgerichtshof Revision einlegen. Für ihn ist der Zugang zu einer akademischen Ausbildung eine Frage des Verdienstes. Der „Agentur Brasil“ sagte der Politiker: „Die brasilianische Gesellschaft hat bei diesem Urteil das Nachsehen, weil die Justiz von Rio ganz Brasilien zeigt, dass die Unterscheidung in der Gesellschaft zwischen Weißen und Schwarzen nicht nur verfassungskonform, sondern auch moralisch richtig ist.”

Der Anwalt des Institutes zur Verteidigung der Rassen– und Umweltfragen IARA (Instituto de Advocacia Racial e Ambiental), Ricardo Ferreira, verteidigt die Quoten indem er argumentiert: „Der bestandene Universitätszugangskurs ist nicht notwendigerweise ein Verdienst. Das Gesetz versucht, die Demokratisierung in der akademischen Ausbildung zu fördern, damit sich das Gesicht Brasiliens dort widerspiegelt und mehr Menschen Zugangsmöglichkeiten bekommen.“ Nach Meinung des Anwaltes müssen „affirmative politische Leitinien weiterbestehen.“

CC BY-SA 4.0 Gerichtsurteil bestätigt Quotenregelung für Zugang zu Universitäten von Rio de Janeiro von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Die Milícias von Rio de Janeiro sind zurück Milícias - Einladung zur Diskussion über die öffentliche Sicherheit (Rio de Janeiro, 22. Mai 2018, democraciaAbierta).- Ursprünglich haben die Milícias Gebiete gesichert, für Recht und Ordnung gesorgt und damit eine gewisse Legitimität erlangt. Aber sie haben sich in kriminelle, schonungslose Banden verwandelt, die mit  Drogenhändlern konkurrieren. Mitte Mai 2008 wurden ein Journalist, ein Fotograf und ein Fahrer in Batán, einer Favela im Westen von Rio de Janeiro, entführ...
Polizei bestätigt Mord an LGTBI-Aktivist*in in Río de Janeiro Matheus/a Passareli ist tot. Foto: Telesur/Hugo Mingozzi (Rio de Janeiro, 7. Mai 2018, telesur/poonal).- Vertreter*innen der örtlichen Polizei im brasilianischen Bundesstaat Río de Janeiro bestätigten am 7. Mai die Ermordung der Student*in und LGBTI-Aktivist*in Matheus/a Passareli. Passareli galt seit dem 29. April als vermisst. Nach Ansicht der Abteilung Personenfahndung der Polizei wurde der/die 21-jährige Passareli nach dem Betreten einer Favela im Norden der Stadt ...
Neues im Mordfall Marielle Franco Die ermordete Stadträtin Marielle Franco. Foto: Prensa Latina (Brasilia, 10. Mai 2018, prensa latina).- Die Mordkommission der Polizei von Rio de Janeiro hat für den Abend des 10. Mai eine Rekonstruktion des Mordes an der Abgeordneten Marielle Franco und ihres Fahrers Anderson Gomes angesetzt. Franco saß für die linksgerichtete Partei PSOL (Partido Socialismo y Libertad) im Stadtrat. Beide waren am 14. März in ihrem Auto erschossen worden. Der Mordfall soll im zentralen S...
Consultório de Rua – Straßensprechstunde Mehr als eine Million Menschen rauchen in Brasilien regelmäßig Crack. Die Regierenden begegnen den Konsumierenden mit Repression und Zwangsentzug. Nur selten werden alternative Wege erprobt, so wie in Manguinhos, einem Stadtteil im Norden Rio de Janeiros. Dort kümmert sich sich die Initiative Consultório de Rua (auf Deutsch: Straßensprechstunde) seit mehr als sechs Jahren um die stigmatisierten Bewohner*innen der Crackolândias.
Eiszeit – 10.000 Soldaten und Sicherheitskräfte sollen Rio de Janeiro sicherer machen Befriedend? Soldaten der Militärpolizei bei ihrem Einsatz in der Favela Maré im Norden von Rio / Foto: Tomaz Silva, Agencia Brasil, CC BY-NC-SA 2.0 (Montevideo, 29. Juli 2017, la diaria-poonal).- Präsident Michel Temer hat 8.500 Soldaten sowie 1.500 weitere Sicherheitskräfte nach Rio de Janeiro beordern lassen, um die Sicherheit in diesem Bundesstaat zu erhöhen. Seit dem 28. Juli gibt es zudem Kontrollposten an den Zugangsstraßen zur Stadt Rio de Janeiro und auf wichtigen...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.