Kolumbien

EU verhandelt Assoziationsabkommen nur mit Kolumbien und Peru


(La Paz, 07. Oktober 2008, bolpress).- Noch zu Beginn der Verhandlungen über ein Assoziationsabkommen zwischen der EU und den vier Staaten der Andengemeinschaft CAN (Kolumbien, Peru, Bolivien, Ecuador) im September 2007 hatte die Europäische Union bekräftigt, man werde keine bilateralen Abkommen abschließen, sondern nur ein Abkommen mit allen vier Staaten gemeinsam. Ein Jahr später hat nun der Präsident der EU-Kommission, José Manuel Barroso, für die Verhandlungen eines Abkommens nur mit Kolumbien und Peru grünes Licht gegeben.

„Ich akzeptiere den Vorschlag, die Verhandlungen über wirtschaftliche Belange zwischen der Europäischen Union und den Andenstaaten als Zusatz zum Abkommen des politischen Dialoges und der Zusammenarbeit zwischen der EU und der Andengemeinschaft von 2003 voranzutreiben“, so Barroso laut Internetseite der kolumbianischen Regierung am Montag, den 6. Oktober, gegenüber Kolumbiens Präsident Álvaro Uribe und dem peruanischen Präsidenten Alan García.

Uribe gab an, er habe von Barroso einen Brief erhalten, in dem dieser positiv „auf unser Ansinnen antwortet, nicht mit dem gesamten Andenblock zu verhandeln“. Darum hatten Kolumbien und Peru im September gebeten. Laut kolumbianischer Regierung weist der Präsident der EU-Kommission in seinem Schreiben darauf hin, dass „die Verhandlungen so bald wie möglich in Angriff genommen werden sollten“, damit sie im ersten Halbjahr 2009 abgeschlossen werden könnten.

Barroso bekräftigte, dass die Verhandlungen über Wirtschaftsfragen, deren juristische Modalitäten später zu regeln seien, zu einem ehrgeizigen und umfassenden Ergebnis führen sollten, die im Einklang stehen müssten mit den Bestimmungen der WTO und der regionalen Perspektive. Gleichzeitig sollte es den anderen Andenstaaten offen stehen, sich ebenfalls zu beteiligen.

Auch die peruanische Ministerin für Handel- und Tourismus, Mercedes Aráoz, bekräftigte, dass die EU einverstanden sei mit der Aufnahme von Verhandlungen mit Kolumbien und Peru, die bereit seien, währen man den anderen erlauben werde, sich anzuschließen, sobald auch sie so weit seien.

Der peruanische Aussenminister José Antonio García Belaunde gab bekannt, dass die Unterredungen mit der EU spätestens Ende Oktober mit der Perspektive wieder aufgenommen würden, ein Abkommen im Juni oder Juli nächsten Jahres zu unterzeichnen. Die Verhandlungen über ein Assoziationsabkommen seien bereits sehr fortgeschritten.

Im September 2007 hatten sich die EU und die Andengemeinschaft eine Frist von 24 Monaten gesetzt, um Verhandlungen über ein Assoziationsabkommen abzuschliessen. Im Juni 2008 liess die Europäische Kommission die vierte Verhandlungsrunde, die vom 7. bis 11. Juli stattfinden sollte, wegen angeblichen Differenzen zwischen den vier Andenländern platzen.

Am selben Tag, als Uribe die für ihn frohe Botschaft von Barroso erhielt, gab er bekannt, dass er am Gipfel der Andengemeinschaft am 14. Oktober in Guayaquil, Ecuador, nicht teilnehmen werde. Der Gipfel war vom derzeitigen CAN-Vorsitzenden, Ecuadors Präsident Rafael Correa, anberaumt worden, um das Auftreten der Andengemeinde nach außen zu erörtern, insbesondere die Verhandlungen über ein Assoziationsabkommen mit der EU.

Der Generalsekretär des Andenparlaments Rubén Vélez erklärte, dass Kolumbien durch seine Nichtteilnahme „der Gemeinschaft die Möglichkeit nimmt, in diesem Rahmen die Risiken und Bedrohungen des Integrationsprozesses zu analysieren und so durch einen Dialog mit Vernunft und politischem Willen den Prozess weiterzubringen.“

Das Andenparlament drängte die Aussenminister der Andengemeinschaft, eine ausserordentliche Versammlung der Organe und Institutionen des Andensystems zur Integration SAI (Sistema Andino de Integración) einzuberufen, um die institutionelle Krise der CAN zu analysieren sowie verschiedene Reformvorschläge seitens subregionaler und anderer Organe der SAI zu diskutieren.

Vélez merkte an, dass durch „die Nichtteilnahme Uribes einige Bestrebungen der CAN nicht weiterverfolgt werden können“. Andere Beobachter*innen meinen, dass die Entscheidung der EU die ohnehin stark zerrütete CAN zum Auseinanderbrechen bringen könnte.

CC BY-SA 4.0 EU verhandelt Assoziationsabkommen nur mit Kolumbien und Peru von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Intag: Fortschritt für wen? von Wolf-Dieter Vogel(Berlin, 29. Januar 2016, npl).- Junín, eine kleine Gemeinde in den nordwestlichen Ausläufern der Anden Ecuadors. Dort betreibt Olga Curtíz mit einer Kooperative ein Gästehaus, das Abenteuerurlauber*innen Unterkunft bietet. Ökotourismus zwischen Bananenstauden, Orangenbäumen und Kaffeesträuchern, inmitten eines subtropischen Regenwaldes, der die Bergregion in ein grünes Paradies verzaubert. Viel Geld verdient die 41jährige alleinstehende Frau nich...
onda-info 350 Hallo und willkommen zum onda-info 350! Zu Mexiko halten wir Euch weiterhin auf dem Laufenden: Mit der Menschenrechtssituation beschäftigen sich nun auch Abgeordnete des Europaparlamentes. Auch literarisch widmen wir uns in diesem Onda-Info  Mexiko: Ihr hört eine Rezension des Buches "Stigma Indio".In Paris soll Ende dieses Jahres ein neues Klimaabkommen beschlossen werden. Skeptisch sind vor allem Menschen in den von Katastrophen am meisten betroffenen Ländern. Beispiel ...
onda-info 321 Hallo und herzlich willkommen zum ersten onda-info in 2014. In der Ausgabe 321 unseres Lateinamerika-Magazon erwarten euch spannende Neuigkeiten. In unseren Beiträgen besuchen wir diesmal Community Radios in Brasilien und in Peru. In Brasilien sind diese überall anzutreffen, auch in den Favelas. In Peru muss man sie etwas suchen, und findet sie manchmal unter dem Deckmantel von Kirchenradios. Dazu gibt Meldungen, diesmal aus dem Cono Sur. Aus Argentinien, Chile und Uruguay gi...
onda-info 301 BOLIVIEN: Legalisierung des Kokaanbaus und der traditionellen Verwendung in Bolivien /// SERIE Communitymedien in Lateinamerika: Bolivien - Antennen in den Anden /// BUCHVORSTELLUNG: Elsa Osorio - Die Capitana /// ZU GAST IM STUDIO: Heike Kammer über Rositas Puppenbühne - Konfliktbearbeitung in Mexiko und Anderswo
Intag – Das Radiojournal aus dem schönsten und grünsten Winkel Ecuadors Dieser Beitrag führt uns in den Nordwesten Ecuadors. Dorthin, wo die Anden zur Küste hin in ein sattes, subtropisches Grün übergehen: In die Intag-Region. Die Bewohner*innen im Intag kämpfen seit Jahrzehnten gegen die Umsetzung geplanter Bergbauprojekte.   Ein kleines Team hat dort vor ein paar Monaten seine Zeitung eingestellt und sich in das Abenteuer gestürzt, wöchentlich ein zweistündiges Radiojournal zu produzieren.    Die Sendungen des Radiojournals k...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *