Mexiko

Es stinkt zum Himmel und auf Erden


Gerichtsmedizin

Die Gerichtsmediziner haben in Mexiko besonders viel zu tun. In diesem Fall war es jedoch ein Unfall. Foto: Flickr/Luis_Pats (CC BY-NC-SA 2.0)

(Mexiko-Stadt, 15. November 2017, la jornada/poonal).- Ausführliche Kommentierung überflüssig: Am 14. November verließen in Chilpancingo, der Hauptstadt des Bundesstaates Guerrero, mehr als 500 Beschäftigte der staatsanwaltschaftlichen Behörde Guerreros ihre Büros. Der Grund: Anhaltender unerträglicher Geruch aus dem angrenzenden Leichenschauhaus. Diese Einrichtung hat nach dem Bericht des La Jornada-Journalisten Sergio Ocampo eine Kapazität für 200 Kadaver. Tatsächlich stapeln sich dort mindestens 600 Leichen, viele seit 2015. Eine Kühlkammer soll seit zwei Wochen nicht mehr funktionieren. Die Beschäftigten drohten damit, solange nicht an ihre Arbeitsplätze zurückzukehren, bis der Gouverneur und das Gesundheitsministerium einen neuen Standort für die Leichenhalle zusagen.

Es ist nicht anzunehmen, dass die Halle in absehbarer Zeit weniger ausgelastet sein wird. Guerrero, wo vor inzwischen mehr als drei Jahren die 43 Studenten von Ayotzinapa verschwanden, ist einer der gewalttätigsten Bundesstaaten Mexikos. Ganze Regionen sind unter Kontrolle der organisierten Verbrechens und der Drogenkartelle. Immer wieder werden Regierungsbehörden der Komplizenschaft angeklagt. Von Januar bis Oktober 2017 gab es in Guerrero mehr als 1.900 Morde, die in Zusammenhang mit dem organisierten Verbrechen gebracht werden. Vielfach sind die Leichen verstümmelt, was ihre Identifizierung schwierig macht. Ocampo berichtet über Aussagen der bei der Staatsanwaltschaft Beschäftigen, dass die Vorgesetzen die Mitarbeiter*innen zurück an den Arbeitsplatz zwingen wollen. Die höheren Funktionär*innen verfügten jedoch als einzige über Klima-Anlagen in ihren Büros und seien von dem Geruch nicht so betroffen.

CC BY-SA 4.0 Es stinkt zum Himmel und auf Erden von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Neue Erkenntnisse im Fall Ayotzinapa (Mexiko-Stadt, 24. April 2018, amerika21).- Mit zweieinhalbjähriger Verzögerung ist nun die Empfehlung der unter dem Kürzel GIEI bekannten unabhängigen Expertengruppe befolgt worden, die Textnachrichten eines in Chicago agierenden Drogenrings auszuwerten, um Aufklärung in den Fall der verschwundenen Studenten von Ayotzinapa zu bringen. Die GIEI war bei ihren Recherchen auf eine Strafanzeige der US-amerikanischen Drogenbehörde (DEA) aus dem Jahr 2014 gestoßen. In ihrem ersten ...
43 Studenten aus Ayotzinapa seit 43 Monaten verschwunden (Mexiko-Stadt, 26. April 2018, desinformémonos/la jornada/poonal).- “Nichts als Lügen” hätten sie von der Regierung zu hören gekriegt, beklagten die Eltern der 43 Lehramtsstudenten aus Ayotzinapa, die vor 43 Monaten, am 26. September 2014, verschwunden sind. Aus diesem Anlass gab es in diesem Monat die Aktionstage „im Herzen 43 x 43“. Bereits am 23. April fand eine Kundgebung in Mexiko-Stadt vor dem Gebäude der Generalstaatsanwaltschaft PGR statt. Dort forderten die Angehörig...
Bischof trifft Drogenboss in Guerrero (Mexiko-Stadt, 2. April 2018, npl).- Er hat es wieder getan. Der katholische Bischof Salvador Rangel Mendoza traf sich am Karfreitag (30.3.) mit einem „hohen Drogenboss“ und sprach Ostern offen darüber. Rangel Mendoza steht dem Bistum Chilpancingo-Chilapa im Bundesstaat Guerrero vor. Es ist eine der gewalttätigsten Diözesen in ganz Mexiko. Verschiedene Drogenkartelle kämpfen dort um die Vormachtstellung und Transportrouten. Viele arme Gemeinden leben vom Schlafmohn-Anbau. Meh...
Mord statt Tarifverträge – Torex Gold will weiter machen Von Nina Aretz (Berlin, 8. Februar 2018, npl)-. Seit dem 3. November 2017 befinden sich die Minenarbeiter*innen der Mine Media Luna in Cocula, Guerrero im Streik, um gegen die Entlassung von 600 Arbeiter*innen zu protestieren. Diese hatten sich der Bergbaugewerkschaft SNTMMSSRM (Sindicato de Trabajadores Mineros, Metalúrgicos y Similares de la República Mexicana) angeschlossen, da sie sich von dem unternehmerfreundlichen, größten mexikanischen Gewerkschaftsbund CTM (Conf...
Todesopfer bei Repression gegen Staudammwiderstand in Guerrero Von Philipp Gerber (Oaxaca-Stadt, 15. Januar 2018, npl).- Bei einem Polizeieinsatz in Acapulco, Guerrero, gegen Gegner*innen eines Staudammprojekts kamen mehrere Personen ums Leben, 25 Bauern wurden verhaftet. Der Einsatz erfolgte, nachdem in den Morgenstunden des 7. Januars bei einem Fest im Dorf La Concepción eine Schießerei ausbrach. Gemäß dem Sprecher des Staudammwiderstands CECOP, Marco Antonio Suástegui, wurden zwei Elemente der kommunitären Dorfpolizei bei einem...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.