Honduras

Angriff auf Aktivisten gegen Wasserkraftwerk in Honduras


Von Daniela Dreißig

Martín Fernández, Generalkoordinator der Menschenrechtsorganisation „Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit“ (MADJ) aus Honduras / Foto: privat

(09. August 2017, amerika21).- Am  Freitag, 4. August sind in Honduras Martín Fernández, Generalkoordinator der Menschenrechtsorganisation „Breite Bewegung für Würde und Gerechtigkeit“ MADJ (Movimiento Amplio por la Dignidad y la Justicia) und Oskar Martínez, Mitglied der MADJ, von etwa 20 bewaffneten Männern angegriffen und verletzt worden. Die beiden Aktivisten wollten in der Gemeinde Pajuiles im Department Atlántida die Zerstörung der Protestcamps gegen das Wasserkraftwerk des Unternehmens Hidroeléctrica Centrales El Progreso (Hidrocep) am Fluss Mezapa in Augenschein nehmen.

Protestcamps zerstört 

Am Freitagmorgen hat das MADJ-Anwaltsteam ein öffentliches Schreiben an die Staatsanwaltschaft in der Stadt Tela überreicht, in dem diese aufgefordert wird, Ermittlungen wegen der durch das Kraftwerk verursachten Umweltschäden aufzunehmen. Die Anwälte wurden von Mitgliedern der von dem Wasserkraftwerk betroffenen Gemeinden begleitet. Währenddessen zerstörte Unbekannte die verlassenen Protestcamps der Kraftwerkgegner*innen und brannten sie teilweise nieder.

In einem Kommuniqué beschreibt MADJ, dass die Polizisten, die sich in der Nähe befanden, nicht eingeschritten seien, als die Schlägertruppe Fernández und Martínez angriff. Nach den Attacken wollten die Anwälte des MADJ bei der Polizei in Tela Anzeige erstatten. Gegenüber amerika21 erklärte Victor Fernández, ebenfalls Anwalt der Organisation, dass sich bis 23 Uhr kein Polizist bereit erklärt hatte, die Anzeige aufzunehmen.

Gemeinden: Zugang zu Wasser gefährdet

Seit mehr als 130 Tagen blockieren Kraftwerkgegner*innen die Zufahrtsstraße zur Baustelle von Hidrocep. Die betroffenen Gemeinden stellen Zerstörungen des Bergwaldes fest, sie fürchten um das gesamte Ökosystem, vor allem aber auch um ihren Zugang zu Wasser. Die Trinkwasserversorgung von 20 Gemeinden wurde bereits durch den Abraum der Baumaschinen erheblich beeinträchtigt. Dazu kommt, dass die nationale Gesetzgebung missachtet wird, denn in einer Gemeindeversammlung 2016 sprach sich die überwältigende Mehrheit gegen Hidrocep aus.

Gegenüber Telavision äußerte Martín Fernández, dass es „geheime Absprachen und Komplizenschaft“ zwischen dem privatem Unternehmen, der Gemeindeverwaltung und der Polizei gebe. Hinzu kämen fehlende Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen den Verantwortlichen der Schäden, den Hidrocep-Eigentümer Jason Hawit.

Fernández fordert Revision von Umweltverträglichkeitsstudien durch deutsche Entwicklungszusammenarbeit

Im Zusammenhang mit dem Bau des Wasserkraftwerkes ist im Januar 2017 auf einen Staatsanwalt der Umweltbehörde ein Attentat verübt worden, kurz nachdem dieser am selben Tag die Schäden durch die Bauarbeiten von Hidrocep besichtigt hatte.

Für Martín Fernández hatte die Interamerikanische Menschenrechtskommission bereits 2013 besondere Schutzmaßnahmen angeordnet. Er wurde in der Vergangenheit mehrfach bedroht und musste zeitweise das Land verlassen. Fernández war Ende 2016 in Deutschland und unterrichtete Bundestagsabgeordnete, Mitarbeiter*innen des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und des Auswärtiges Amtes über die prekäre Situation der Umweltaktivist*innen und Anwält*innen in Honduras. Dabei unterstrich er die Bedeutung der Unterstützung bei der Revision sämtlicher Umweltverträglichkeitsstudien von Wasserkraft- und Bergbauprojekten in Honduras durch die deutsche Entwicklungszusammenarbeit.

(Mit Informationen von movimientoamplio/tiempo)

CC BY-SA 4.0 Angriff auf Aktivisten gegen Wasserkraftwerk in Honduras von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Mord an Berta Cáceres – 16 Monate später
86
Von Erika Harzer (Berlin, 25. Juli 2017, npl).- Mitte Juni 2017 verkündete die honduranische Staatsanwaltschaft den baldigen Prozessbeginn gegen vier der acht Untersuchungshäftlinge im Mordfall Berta Cáceres. Die weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannte Feministin, Menschenrechts- und Umweltaktivistin und Anführerin des Rates der indigenen Völker von Honduras COPINH, war am 2. März 2016 in La Esperanza, Intibucá, ermordet worden. Die Betreiberfirma DESA verkündete ...
Kein Geld mehr für Agua Zarca
175
(Berlin, 5. Juni 2017, democracy now/poonal).- Wie honduranische Medien berichten, haben internationale Geldgeber angekündigt, das geplante Kraftwerk Agua Zarca in Honduras nicht mehr zu finanzieren. Gegen das Wasserkraftprojekt hat es seit Jahren Widerstand gegeben; die prominenteste Gegnerin war die Umweltaktivistin Berta Cáceres, die wegen ihres Kampfes gegen das Projekt im März 2016 ermordet wurde. Der britische Guardian schreibt, dass die niederländische Bank FMO und der...
onda-info 463
73
Hallo und Willkommen zum onda-info 463! Kurz vor dem Sommerloch präsentieren wir Euch ein randvolles onda- info, so dass wir Euch mit einigen Beiträge sogar auf in 2 Wochen vertrösten müssen.  Zu Besuch nach Berlin kommt die guatemaltekische HipHopperin Rebeca Lane. Dort wird sie am 4. Juli ein Konzert geben. Dazu interviewte sie Matraconda. Am 28 Juni war der 10. Jahrestag nach dem Putsch 2009 in Honduras. Anlässlich dessen hat onda Menschen aus der Opposition und sozialen ...
Die Klimakrise fordert Ihren Tribut
62
(Berlin, 18. Juni 2019, npl).- Die ersten Opfer der Klimakrise in Mexiko sind die Bewohner*innen Cachimbos. Das Fischerdorf liegt auf einer schmalen Landzunge am Istmo de Tehuantepec im südmexikanischen Bundesstaat Oaxaca. Bereits 2013 wurde der Ort durch den Hurricane Barbara zu großen Teilen zerstört. Bei Rückkehr der Bewohner*innen wurde davor gewarnt, dass sich die Lage in Zukunft verschlimmern wird. Seitdem fliehen die Menschen jedes Jahr während der Hurricane-Saison ...
Bienen in Gefahr
77
(Mexiko-Stadt, 20. Mai 2019, desinformémonos).- In Mexiko sind in den vergangenen vier Jahren schätzungsweise 1,6 Milliarden Bienen verschwunden. Dies hat nicht nur Folgen für die Honigproduktion sondern auch für den Prozess der Bestäubung. Expert*innen sprechen von einer „apokalyptischen“ Situation. Die wichtigsten Bestäuber des Ökosystems befinden sich in einer Krise. Zwar seien Bienen nicht die einzige bedrohte Art, allerdings sind sie eine der wichtigsten für das Ökosy...