Honduras

71 Morde an Kindern und Jugendlichen im Januar und Februar


(Fortaleza, 29. April 2009, adital).- In einem Zeitraum von zehn Jahren, zwischen 1998 und Februar 2009, sind in Honduras 4.608 Kinder und Jugendliche unter 23 Jahren ermordet worden. Gut ein Drittel der Opfer waren jünger als 18 Jahre. In ihrem monatlichen Bericht zur Situation von Kindern und Jugendlichen in Honduras veröffentlichte die internationale Kinderhilfsorganisation Casa Alianza neue Zahlen zu gewaltsamen Übergriffen auf diese Bevölkerungsgruppe. Demnach wurden in Honduras im Januar und Februar 2009 71 Morde an Kindern und Jugendlichen registriert.

Der Organisation zufolge zeigt sich die Gewalt gegen Kinder und Jugendliche auch darin, dass schwere Probleme wie Kindesmisshandlung, Kinderhandel zum Zwecke sexueller Ausbeutung und die Zunahme von Hinrichtungen bzw. Morden an Kindern und Jugendlichen alltäglich sind und weiter zunehmen. Viele dieser Verbrechen blieben straffrei. Die Opfer gehörten meist den ärmsten und marginalisierten Bevölkerungsschichten an. Bei 93 Prozent der Morde seien Schusswaffen verwendet worden.

„Am beunruhigendsten ist, dass sich im Laufe der Jahre eine gesellschaftliche Akzeptanz und Toleranz von Gewalt gegen Kinder und Jugendliche herausgebildet hat, besonders gegenüber Morden und außergerichtlichen Hinrichtungen“, heißt es in dem Bericht. Eine Analyse der honduranischen Presse ergab, dass sich 1.613 Mordfälle in den drei Jahren der Amtszeit von Präsident Zelaya Rosales ereigneten, wobei die Umstände in vielen Fällen auf willkürliche Hinrichtungen schließen ließen.

„Casa Alianza stellt fest, dass es trotz der zahlreichen Versprechen und Initiativen der Regierung in den Jahren 2001 und 2002 sowie unter der jetzigen Regierung in der Praxis nicht zu einem Rückgang der Mordfälle gekommen ist. Auch hat es keine wirklich effektiven Ermittlungen gegeben, um die Auftraggeber sowie die Ausführenden dieser Morde festzustellen und letztlich zu bestrafen“.

Die Organisation geht davon aus, dass sich die Verantwortlichen nicht genug für die Wahrung der Menschenrechte einsetzen. Auch der Opferschutz und die sachgemäße Untersuchung aller angezeigten außergerichtlichen Hinrichtungen werde nur ungenügend betrieben.

Wie Casa Alianza berichtet, handelt es sich bei den mutmaßlichen Tätern in 4,3 Prozent der Fälle um Kriminelle. Drei Prozent werden von Einzelpersonen, 4,1 Prozent von Personen in Polizeiuniform und drei Prozent von Angehörigen von Wachdiensten begangen. Bei 86 Prozent der Morde lässt sich kein Täterkreis identifizieren.

„Es liegt in der Verantwortung des Staates, die Identität der Täter dieser Verbrechen zu ermitteln, egal, ob es sich dabei um Behördenmitarbeiter oder Privatpersonen handelt. Das Ziel muss die gesetzliche Verfolgung und Bestrafung der Taten sein. Es ist dringend notwendig, dass die Ermittlungsbehörden und Gerichte die Verfahren in diesen Mordfällen vorantreiben. Die Straflosigkeit muss beendet werden“, fordert Casa Alianza.

CC BY-SA 4.0 71 Morde an Kindern und Jugendlichen im Januar und Februar von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Quo Vadis, Brasil?
5
Hoy vamos a hablar de Jair Bolsonaro, el controversial presidente brasileño. Cómo surge, bajo qué circunstancias? cuáles son las estrategias de las cuales se sirve la extrema derecha actual para conseguir retornar al poder? qué procesos históricos acompañan este fenómeno? Estas son algunas preguntas que nos planteamos. Jair Bolsonaro fue electo presidente de Brasil el 28 de octubre de 2018 con el 56% de los votos. Nostalgia por la dictadura militar, misoginia y homofobia, fue...
Lesbozide unter Bolsonaro: Wir werden nicht schweigen!
56
Ihr hört jetzt eine Zusammenfassung eines Livestreams von Radio Matraca gesendet im Juni 2019. Zu Besuch in Berlin waren zwei Vertreter*innen von CAMTRA, dem Haus der Frauen und Arbeiterinnen in Rio de Janeiro. Sie sprachen im Berliner Veranstaltungsort Aquarium vor etwas 50 Menschen über den feministischen Widerstand und gegen die Gewalt, Feminizide und Hass-Verbrechen an lesbischen Frauen. Die beiden Aktivistinnen berichten von der aktuellen politischen Lage in Brasilien, a...
Protestaktionen zum Schutz von Migrant*innen
68
(Berlin, 23. Juli 2019, npl).- Am 18. Juli fand in der US-Hauptstadt Washington eine Protestaktion von Katholik*innen gegen die Migrationspolitik der Trump-Administration statt. Die Aktion fand während einer Anhörung über den Umgang der Migrationsbehörde mit geflüchteten Kindern statt. Aufgerufen hatte die katholische Menschenrechtsorganisation „Franciscan Action Network“. 70 Aktivist*innen, viele von ihnen Nonnen, wurden im Washingtoner Kapitol verhaftet. Sie hatten mit Bild...
Lesbocidio en el Brasil de Bolsonaro: El reto de no callar
52
En el año 2008, ILGA –Asociación Internacional de Lesbianas y Gays– presentó un informe denunciando que 86 Estados miembros de Naciones Unidas todavía criminalizaban los actos sexuales consensuados entre personas adultas del mismo sexo. El panorama actual no ha cambiado mucho contabilizando, con la reciente incorporación de Brunei, a 8 países en total en los que se contempla la pena de muerte para castigar las relaciones homosexuales (Además del mencionado Brunei, Irán, Arabi...
Lesbocidio en el Brasil de Bolsonaro: El reto de no callar
121
El siguiente programa de Radio Matraca, es una apretada síntesis de la transmisión de Stream que realizamos el pasado 16 de junio de 2019 en Berlín. En el marco de la charla con dos activistas feministas de Brasil, representantes de CAMTRA, Casa da Mulher Trabalhadora de Rio de Janeiro. Ellas son:  Eleuteria Amora da Silva, coordinadora y fundadora de Camtra y,  Suane Felippe Soares, profesora en la Universidad de Rio de Janeiro. Compartiremos información sobre la historia...