Wasser in der Hauptstadt wird knapp

Foto: Servindi

(Lima, 13. April 2022, servindi/poonal).- Aufgrund der lang anhaltenden Dürre hat der Gouverneur der chilenischen Hauptstadtregion, Claudio Orrego, einen Notfallplan zur Rationierung des Wassers in Santiago vorgestellt. „Wir haben bereits seit zwölf Jahren eine Dürre“, erklärte der Gouverneur am 11. April. „Es ist also gut möglich, dass wir eine solche Rationierung haben werden.“ Der Notfallplan besteht aus vier Stufen und würde über 1,5 Millionen Menschen betreffen.

Die erste dieser vier Notfallstufen nennt sich „Grüner Alarm“ und wirbt für sparsamen Wasserverbrauch und die Nutzung von Grundwasser. Darauf folgen die Warnstufen „Präventiv“ und „Gelb“, die jeweils die Überprüfung der Wasservorräte und die Reduzierung des Wasserdrucks vorsehen.

Die vierte und höchste Stufe ist demnach der „Rote Alarm“. In diesem Fall können die Behörden den Stadtteilen reihum das Wasser für bis zu 24 Stunden abdrehen. Diese Rationierung würde über 1,5 der knapp acht Millionen Menschen betreffen, die in der Hauptstadtregion leben und mit Wasser aus den Flüssen Mapocho und Maipo versorgt werden.

Lang anhaltende Dürre

Der Notfallplan für Santiago soll dann in Kraft treten, wenn die Regierung eine Rationierung anordnet. Das hängt von der Menge der Niederschläge im kommenden Winter ab. Präsident Gabriel Boric konnte nicht ausschließen, dass dies kurz- oder mittelfristig geschehen könnte, besonders in drei Bezirken im Osten Santiagos, in denen die Situation besonders kritisch ist. Diese Bezirke, Las Condes, Lo Barnechea und Vitacura gehören zu den Wohlhabendsten in Chile und verbrauchen laut einer Studie der chilenischen Universität am meisten Wasser.

Durch eine bereits seit zwölf Jahren anhaltende Dürre wird die Lage in Chile langsam kritisch, da der Pegel der Flüsse, die die Hauptstadt versorgen, erheblich gesunken ist. Nach Schätzungen der Regierung ist die Verfügbarkeit des Wassers in Chile in den letzten 30 Jahren um zehn bis 37 Prozent zurückgegangen. Im Norden und in der Mitte des Landes könnte die Verfügbarkeit bis 2060 um weitere 50 Prozent sinken.

Nach Angaben von Greenpeace ist Chile das Land mit der größten Wasserkrise in der gesamten westlichen Hemisphäre; 76 Prozent des Staatsgebietes sind bereits von der Dürre betroffen. Expert*innen führen die Wasserknappheit jedoch nicht nur auf ausbleibende Niederschläge zurück sondern auch darauf, dass sich 80 Prozent des Wassers in Privatbesitz befindet, vor allem in den Händen großer Unternehmen für Landwirtschaft, Bergbau und Energie. Dieser Umstand geht auf das Wasserrecht zurück, das während der Pinochet-Diktatur 1981 reformiert worden ist.

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