
Foto: Aldo Santos via flickr
CC BY 2.0
(Puerto Maldonado, 9. Dezember 2025, Avispa Midia).- Umweltschützer*innen können aufatmen: Der Nationalpark Bahuaja Sonene im peruanischen Amazonasgebiet wurde per Gerichtsentscheid für alle Ölförderaktivitäten gesperrt. Zuvor hatte der peruanische Staat einen Teil des Gebietes für die Öl- und Gasgewinnung freigegeben.
Gasreserven im Urwald
Im Jahr 2024 schuf das staatliche Erdölunternehmen Perupetro das Fördergebiet XCII im Einzugsgebiet des Flusses Madre de Dios. Dort liegt fast die Hälfte der potenziellen Gasreserven Perus. Auch Gebiete des Urwalds Candamo, der für seine hohe Artenvielfalt bekannt ist, waren von der Einteilung betroffen. Von den 48 Fördergebieten, die mit dem Argument der Sicherstellung der nationalen Energiesicherheit ausgewiesen wurden, liegen 39 im Amazonasgebiet. Die staatliche Ölgesellschaft und das Ministerium für Energie und Bergbau behaupteten, es würden keine Bohrungen oder Förderungen in Bahuaja Sonene genehmigt, das als eines der artenreichsten Naturschutzgebiete der Welt gilt, sondern lediglich technische Untersuchungen.
Gericht untersagt geplante Maßnahmen
Am 4. Dezember ordnete das Verfassungsgericht an, alle Maßnahmen zu stoppen, die die Unantastbarkeit des Nationalparks gefährden könnten. Dies zwang Perupetro dazu, das Verfahren zur Unterzeichnung der Vereinbarung über die technische Bewertung des Gebiets XCII zu stoppen. „Allein die Förderung von unvereinbaren Aktivitäten in Schutzgebieten stellt eine konkrete Gefahr dar, ohne dass man auf den tatsächlichen Schaden warten muss”, so das Urteil des Gerichts. „Es ist das erste Mal in der Geschichte der Umweltrechtsstreitigkeiten in der Region, dass die Förderung von Erdöl und Erdgas in einem Nationalpark durch eine Vollstreckungsklage gestoppt wurde”, betonte das Institut für Rechtsschutz der Umwelt und nachhaltige Entwicklung Peru (Idlads Perú), das als Kläger in dem Verfahren auftrat. Seit mehr als zwanzig Jahren gibt es Bestrebungen, in diesem Naturpark Gas zu fördern, da es an Brennstoff für die heimische Versorgung mangelt, nachdem 2006 etwa 50 Prozent der nationalen Vorkommen für den Export bestimmt wurden. Zuvor hatte das US-Unternehmen Mobil Gasvorkommen im Candamo erkundet, sich jedoch zurückgezogen, da es keine nennenswerten Mengen gefunden hatte und unter dem Druck indigener Organisationen stand. Im August hatte das Ministerium für Energie und Bergbau für 2028 den Beginn der Gasgewinnung im Candamo in den Regionen Cusco, Madre de Dios und Puno angekündigt. Es wurde nicht näher erläutert, ob dieses Vorhaben mit dem Urteil ebenfalls ausgesetzt wird. Dieses Gebiet, das an den Madidi-Nationalpark in Bolivien grenzt, verbindet durch den Naturschutzkorridor Vilcabamba Amboró geschützte Gebiete des peruanischen und bolivianischen Amazonasgebiets.
Umweltgericht stoppt illegalen Bergbau am Fluss Madre de Dios
Der Fluss Madre de Dios ist durch Schwermetalle verschmutzt. An seinen Ufern auf der bolivianischen Seite wurden 8.000 Hektar Entwaldung registriert. Im Jahr 2024 wurden in der Trockenzeit 300 Flöße zum Goldabbau entdeckt, deren Zahl laut Beobachtungen des Zentrums für autonome Raumplanung auf etwa 500 anstieg, als der Wasserpegel stieg. Die meisten Boote operieren außerhalb der gesetzlich festgelegten Gebiete. Die Gemeinden beklagen Gesundheitsschäden aufgrund der Quecksilberbelastung und Beeinträchtigungen der Ernährungssicherheit durch die Zerstörung der Böden und die Veränderung ihrer Nutzung. Das bolivianische Agrarumweltgericht ließ die von den indigenen Völkern vorgelegten Beweise für die Schäden an der Umwelt und den Gebieten zu. Es erkannte den Fluss Madre de Dios als Rechtssubjekt an und ordnete umfassenden Schutz und Regenerationsmaßnahmen sowie die Einführung eines Systems zur ständigen Kontrolle und Überwachung in Abstimmung mit den Behörden des multiethnischen Indigenengebiets TIM II an. Ferner wurde die sofortige Einstellung aller illegalen Bergbauaktivitäten veranlasst. Auf Antrag der Behörden des TIM II ordnete das Gericht außerdem an, alle ohne vorherige Konsultation durchgeführten Aktivitäten in der Region Pando einzustellen.
Goldabbau: eine der Hauptursachen der Entwaldung
Nachdem die Bergbaubehörde (AJAM) TIM II über weitere Konsultationsverfahren aufgrund von Anträgen neuer Bergbauunternehmen informiert hatte, geht es in dem Urteil auch um die Versuche, den Abbau von Mineralien auszuweiten. So stoppt das Urteil jeglichen Betrieb außerhalb der von der AJAM genehmigten Gebiete, die laut den indigenen Organisationen den Zugang zu Informationen über ihre Aktivitäten verweigert. „Die Vorab-Konsultation ist kein Zugeständnis des Staates, sondern ein konkreter Ausdruck des Rechts auf Selbstbestimmung der indigenen Völker”, betont das Urteil. Der illegale und legale Goldabbau, eine der Hauptursachen für die Entwaldung im Amazonasgebiet, hat in den letzten Jahren in den südamerikanischen Regenwäldern aufgrund des Anstiegs des Goldpreises auf dem Weltmarkt zugenommen. In Peru konzentriert sich die Zerstörung der Primärwälder auf den Bergbaukorridor in der Region Madre de Dios, wo bis 2024 mehr als 11.500 Hektar abgeholzt wurden. In La Pampa, innerhalb der Pufferzone des Naturschutzgebiets Tambopata, kontrolliert der außer Kontrolle geratene informelle Abbau ein großes Gebiet: Allein dort gibt es mehr als 1.600 Bagger, 21 Prozent mehr als im Jahr 2024. In Bolivien hat die Abholzung des Regenwaldes im letzten Jahr um 200 Prozent zugenommen. Nach Brasilien war es das Land mit der größten Zerstörung von Primärwäldern. Nach Angaben der University of Maryland und Global Forest Watch (GFW) gingen 1,8 Millionen Hektar verloren, mehr als die Hälfte davon durch Waldbrände.
Rohstoffabbau im Amazonasgebiet zwischen Peru und Bolivien gebremst von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Schreibe einen Kommentar