Mehr Feuer, weniger Interesse

Foto: Servindi

(São Paulo, 10. August 2020, taz).- Wochenlang prangten die Fotos des brennenden Regenwalds auf den Titelseiten der Zeitungen. In sozialen Medien trendete der Hashtag #PrayFor­Amazonas. Prominente überboten sich mit rührseligen Botschaften: Als es 2019 im Amazonas-Regenwald brannte, gab es einen internationalen Aufschrei. Das sieht 2020 anders aus: Die Coronapandemie beherrscht noch immer die Berichterstattung, die Brände im größten Regenwald der Welt interessieren kaum. Dabei werden auch dieses Jahr neue Rekordwerte gemeldet: Mit 3.069 Quadratkilometern wurde im ersten Halbjahr eine Fläche vernichtet, die größer ist als Luxemburg.

Laut der brasilianischen Raumfahrtbehörde INPE gab es allein im Juli 6.803 Brände. Das ist ein Anstieg um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Auf den Territorien von indigenen Gemeinden stieg der Wert nach Angaben von Greenpeace sogar um 77 Prozent. Durch die Dürre der Trockenzeit sind die brasilianischen Wälder zwischen Juni und September besonders anfällig für Brände.

Brandrodungen für Soja und Viehzucht

Die meisten Feuer im Amazonas gehen auf Brandrodungen in abgeholzten Gebieten zurück. Die exportorientierte Landwirtschaft benötigt immer neue Flächen für den Anbau von Soja und für die Viehzucht. Die illegalen Landbesetzungen sind vor allem ein Geschäft mit Blick in die Zukunft. Mit direkten Gewinnen rechnen die wenigsten Besetzer*innen. Spekuliert wird darauf, dass sie das besetzte Land irgendwann behalten können. Dabei setzen viele Landräuber ihre Hoffnungen auf Präsident Bolsonaro.

Dieser verteidigt die wirtschaftliche Ausbeutung des Amazonas, geißelte Daten der Raumfahrtbehörde INPE als „Lüge“, sprach von einer „Umweltpsychose“ und nährte Zweifel am Klimawandel. Zudem kürzte der Rechtsradikale das Budget der Umweltbehörde Ibama und baut systematisch Umweltschutzmaßnahmen ab.

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