Eine Wüste als neues Zentrum für saubere Energien?

Solar La Joya
Stromleitungen in der Wüste von La Joya, im Süden Perus. Seit Jahren versucht das Land, in dieser Region Solarenergie- und grüne Wasserstoffprojekte zu entwickeln
(Bild: Präsidentschaft von Peru/Flickr, CC BY NC SA 4.0)

(Arequipa, 22. August 2025, dialogue earth).- In der Wüste, die sich entlang der Küste der Region Arequipa im Süden Perus erstreckt, brennt die Sonne anscheinend gnadenlos. Die Strahlung ist hoch und es gibt hier mehr Sonnenstunden pro Tag als im ganzen übrigen Peru. Aus diesem Grund versucht die peruanische Regierung seit einigen Jahren, die Erzeugung von Solarenergie im Distrikt La Joya voranzutreiben, ebenso wie die Errichtung der ersten Anlage für grünen Wasserstoff im Land. Eine Herausforderung, die langsam Gestalt annimmt.

Laut dem Solarenergieatlas Perus, der vom Peruanischen Nationalen Meteorologischen und Hydrologischen Dienst (SENAMHI) herausgegeben wurde, besitzt La Joya die höchsten Werte an Sonneneinstrahlung in ganz Peru. Die Sonnenenergie beträgt pro Tag 7,03 kWh/m². Auch gibt es dort eine relative Sonnenscheindauer von 75 Prozent – eine Größe, welche den Anteil der tatsächlichen an der an einem bestimmten Ort zu einem bestimmten Zeitraum effektiv möglichen Sonnenscheindauer beschreibt.

Der 46-jährige Elías Huamani ist Vorsteher des Centro Poblado Cristo Rey, einer kleinen Siedlung mit 5.000 Einwohner*innen in La Joya (Centro Poblado, dt. besiedeltes Zentrum, ist die kleinste administrative Einheit in Peru, Anm. d. Übers.). Er lebt hier seit seinem 16. Lebensjahr und erklärte gegenüber Dialogue Earth, dass er während seines ganzen Lebens den Himmel „sehr selten bewölkt“ gesehen habe und es „fast nie Regen“ geben würde. Deshalb überrascht es ihn nicht, wenn er von weitem beobachtet, wie sich diese Wüste mit Solarpaneelen füllt, aber er betont, dass weder eines der Unternehmen noch der Staat an sie herangetreten sei, um mit der Gemeinschaft zu reden.

„Es handelt sich um ein Gebiet mit hoher Sonneneinstrahlung, mit mehr als neun Sonnenstunden pro Tag und einem wolkenlosen Himmel fast das ganze Jahr über“, erläuterte José Luis Ticona, Klimatologe beim SENAMHI, gegenüber Dialogue Earth.

In San José, einem anderen Centro Poblado in La Joya, scheint der Gemeindevorsteher Marcos Calcina ein wenig mehr über die Solarprojekte zu wissen. Er und sein Verbund hatten eine öffentliche Anhörung mit Acciona Energía Perú, einem der Unternehmen, die sich in dem Gebiet ansiedeln wollen.

„Sie haben uns die Einzelheiten der Umweltauswirkungen erklärt. Es ist das einzige Unternehmen, das sich mit uns getroffen hat. Man sagt, dass es mehr Unternehmen gibt, aber von den anderen wissen wir nichts“, erzählte Calcina. Er fügte hinzu, dass Acciona den Gemeinschaften mitgeteilt hätte, dass sich das Projekt außerhalb des Dorfzentrums befinden und für die Bevölkerung Arbeitsplätze schaffen werde. Außerdem sollen Arbeiten zur Verbesserung der lokalen Dienstleistungen wie Schulen, Straßen und Gesundheitszentren durchgeführt werden.

Beachtliches Wachstum bei Solarprojekten

Anfang Juni wurde das Solarkraftwerk San Martín Solar in Betrieb genommen, das gegenwärtig größte des Landes. Das weltweit agierende Unternehmen für erneuerbare Energien Zelestra mit Sitz in Spanien hat in La Joya 450.000 Solarpaneele installiert, die pro Jahr 830 Gigawattstunden (GWh) saubere Energie erzeugen sollen. Bei der Einweihung der Anlage am 17. Juli betonte die peruanische Präsidentin Dina Boluarte, dass das Kraftwerk 440.000 Familien versorgen werde.

Die ersten Aktivitäten im Bereich Solarenergie liegen allerdings mehr als ein Jahrzehnt zurück. Im Jahr 2012 wurde Perus erste Photovoltaikanlage errichtet, und zwar ebenfalls in La Joya. Damals installierte das spanische Unternehmen T-Solar unter großem Interesse der Bevölkerung 55.704 Solarmodule, um 22 Megawatt Energie zu erzeugen.

Im Augenblick ist ein weiteres Solarkraftwerk im Bau, die Central Solar Fotovoltaica Illa in Arequipa, das die Anlage von San Martín übertreffen und somit dann die größte Photovoltaikanlage Perus sein wird. Der Sprecher der Grupo Enhol, Ernesto Oliver, sagte gegenüber Dialogue Earth, dass die spanische Firma mehr als 742.000 Solarpaneele verbauen werde, mit einer Leistungskapazität von insgesamt 472 Megawatt Peak (MWp). Ein Megawatt Peak ist eine Maßeinheit im Bereich der Photovoltaik für die elektrische Leistung von Solarzellen.

„Wir befinden uns mitten in der Bauphase. Wir hoffen, dass bis Ende 2026 die gesamte Anlage in Betrieb sein wird. In Arequipa gibt es eine große Nachfrage nach Energie, insbesondere von Seiten der Bergbauindustrie“, erklärte Oliver gegenüber Dialogue Earth.

Energiebedarf der Bergbauindustrie

Solar La Joya
Das Solarkraftwerk San Martín wurde im Juni in Betrieb genommen und ist das größte seiner Art in Peru. San Martín wird von dem spanischen Unternehmen Zelestra betrieben und verfügt über 450.000 Solarmodule, die 830 Gigawattstunden Energie pro Jahr erzeugen sollen. Foto: Präsidentschaft von Peru/Flickr (CC BY NC SA 4.0)

Gleichzeitig gibt es weitere verschiedene Projekte, die bereits über eine Baugenehmigung verfügen: das Projekt Central Solar Fotovoltaica Misti Continúa (507.690 Paneele), die Central Solar Fotovoltaica Sunny (612.000 Paneele) und das Proyecto Fotovoltaico San José (312.648 Paneele). Nach Angaben der Aufsichtsbehörde für Energie- und Bergbauinvestitionen (OSINERGMIN) verfügen in Arequipa 29 Photovoltaik-Solarprojekte über vorbetriebliche Bescheinigungen (EPO), die ihnen vom privaten Ausschuss für den wirtschaftlichen Betrieb des Nationalen Verbundnetzes für Elektrizität (COES) erteilt wurden. Weitere acht verfügen bereits über eine endgültige Konzession zur Energieerzeugung.

Um diese hohe Nachfrage zu bewältigen, bemüht sich das chinesische Unternehmen JA Solar, weltweit eine der führenden Firmen bei der Produktion von Solarmodulen, strategischer Partner bei der Entwicklung mehrerer dieser Projekte zu werden. Wie der Sales Manager von JA Solar, Cristian Romero, gegenüber Dialogue Earth bestätigte, seien zwei Verträge im Wert von über 60 Millionen Dollar unterzeichnet worden (mit den Unternehmen Inver Management und Acciona); bis Ende 2026 wird das chinesische Unternehmen über 900.000 Solarmodule mit einer Gesamtleistung von über 650 Megawatt liefern.

„Diese Investition stellt für das Unternehmen einen Meilenstein in Lateinamerika dar. Der peruanische Markt befindet sich in einer entscheidenden Etappe zur Beschleunigung der Energiewende und wir möchten aktiv an diesem Prozess teilnehmen. Arequipa ist eine zentrale Säule innerhalb unserer Strategie“, betonte Romero.

Weitere Möglichkeiten

„In den letzten fünf Jahren ist der Wohnungsmarkt in La Joya um 30 Prozent gewachsen. 70 Prozent der Bevölkerung leben von der Landwirtschaft, 20 Prozent arbeiten in verschiedenen Firmen und der Rest ist selbständig“, erklärte Christian Cuadros, Bürgermeister von La Joya, gegenüber Dialogue Earth. Auch wenn die Volkszählung von 2017 im Distrikt eine Bevölkerungszahl von 35.943 ergab, schätzt Cuadros, dass dort inzwischen rund 66.000 Menschen leben.

Nach Ansicht des Bürgermeisters wird das Interesse der ausländischen Unternehmen, Photovoltaikanlagen in seinem Distrikt zu bauen, einen positiven Effekt haben. Die Stadtverwaltung arbeitet mit der Architektenkammer von Arequipa zusammen, um einen Plan zur Stadtentwicklung auszuarbeiten sowie eine Aufteilung in Zonen vorzunehmen. Damit sollen Gebiete für unterschiedliche Bereiche definiert werden: städtisches Wachstum, Landwirtschaft, Industrie und wo die erneuerbaren Energiequellen entwickelt werden sollen.

„In zehn Jahren wird La Joya der am besten entwickelte Distrikt im Süden Perus sein“, so Cuadros.

Patricio Lewis, Ökonom beim Netzwerk für Entwicklungsstudien (REDES), merkt an, dass man mit den Photovoltaikprojekten in der Lage sein wird, den Energiebedarf von in der Entwicklung befindlichen Bergbauprojekten wie Tía María ( Kupfermine im Wert von 1,8 Milliarden US-Dollar) und Zafranal ( Kupfer- und Goldmine im Wert von 1,9 Milliarden US-Dollar) zu decken.

Wasserstoff im Aufwind

Die Elektrizität kommt in Peru aus verschiedenen Quellen. Im Jahr 2024 setzte sich die Stromerzeugung nach Daten des peruanischen Ausschusses der Energieversorger COES aus 51 Prozent Wasserkraft, 40 Prozent aus Erdgas gewonnener thermischer Energie und nur neun Prozent erneuerbare Energien (Sonnenkraft, Windkraft und Biomasse) zusammen.

César Butrón Fernández, Präsident von COES, sagte im Gespräch mit Dialogue Earth, er erwarte, dass Peru innerhalb der nächsten zehn Jahre einen Anteil von 34 Prozent erneuerbarer Energien an der Stromerzeugung erreichen werde. Um dieses Ziel zu erreichen, könnte seiner Meinung nach grüner Wasserstoff, produziert mit erneuerbaren Energien wie Wind- und Wasserkraft, eine wichtige Rolle in Arequipa und dem ganzen Land spielen.

Was ist grüner Wasserstoff?

Die Nachfrage nach Wasserstoff steigt, weil er bei der Verbrennung keine Treibhausgase erzeugt.

Normalerweise werden jedoch fossile Treibstoffe verwendet, um Wasserstoff erst einmal herzustellen. Das wird als „grauer“ Wasserstoff bezeichnet.

Der „blaue“ Wasserstoff wird ebenfalls unter Verwendung fossiler Brennstoffe hergestellt, jedoch mit dem Einsatz von Verfahren, die den Kohlenstoff auffangen und speichern, so dass die entstehenden Treibhausgase nicht in die Atmosphäre gelangen.

Wasserstoff gilt nur dann als „grün“, wenn er ausschließlich mit erneuerbaren Energien erzeugt wurde.

In diesem Sinne gibt es in Arequipa zwei Angebote, die erhebliche Hoffnungen geweckt haben: Das Projekt „Horizonte de Verano“ ist eine Anlage der US-amerikanischen Firma Verano Energy zur Erzeugung von grünem Wasserstoff. Für dieses Projekt liegt eine vom Produktionsministerium (PRODUCE) genehmigte Umweltverträglichkeitsstudie vor. Demnach soll noch dieses Jahr mit dem Bau des Projekts, das bis zu 85.000 Tonnen grünen Wasserstoff pro Jahr erzeugen soll, begonnen werden; 2028 soll es in Betrieb gehen.

Das zweite Projekt ist das des südafrikanischen Unternehmens Phelan Green Energy, das der regionalen Regierung von Arequipa einen Vorschlag unterbreitet hat, das Projekt gemeinsam voranzutreiben. Der Generaldirektor von Phelan in Peru, Jean Louis Gelot, erklärte, dass die Regionalregierung dem Projekt für das Solarkraftwerk 5.000 Hektar in Santa Rita de Siguas zur Verfügung gestellt habe sowie 50 Hektar in Matarani für die Wasserstoffanlage.

Milliardeninvestitionen privater Unternehmen

„Wir werden eine öffentlich-private Partnerschaft eingehen, als laufendes Projekt. Der Staat stellt das Land zur Verfügung und erhält dafür eine Entschädigung. Die Regionalregierung investiert nicht einen einzigen Cent und haftet nicht, falls das Projekt scheitert. Wir haben bereits das Finanzmodell vorgestellt, das von der Regionalregierung und anschließend vom Regionalrat einer technischen und wirtschaftlichen Bewertung unterzogen wird“, erklärte Gelot gegenüber Dialogue Earth, und bestätigte, dass die Investition seiner Firma rund zwei Milliarden US-Dollar betragen wird, um 75.000 Tonnen Wasserstoff pro Jahr zu produzieren.

Angesichts all dieser Investitionen erklärte Daniel Cámac, Präsident der Peruanischen Wasserstoffvereinigung (H2 Perú), dass „man Arequipa mit den neuen Projekten vorbereiten muss, um es in ein Industriezentrum für die Produktion und den Verbrauch von Wasserstoff zu verwandeln“. Anderenfalls, schloss er, könnten alle Ambitionen, die Region in einen internationalen Standort für die Erzeugung von sauberer Energie zu verwandeln – wie wichtige Investor*innen regelmäßig wiederholt haben – bloße Träume bleiben.

Zenaida Condori ist eine peruanische Journalistin aus der Region Arequipa. Sie hat für verschiedene Zeitungen und als Korrespondentin für nationale Medien gearbeitet und war zweimal Finalistin bei den nationalen Journalistenpreisen des peruanischen Instituts für Presse und Gesellschaft.

Übersetzung: Christa Röpstorff

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