Die FAO und gentechnisch veränderte Organismen: Ein falsches Spiel

von Silvia Ribeiro

(Quito, 27. Februar 2010, alai).- Gefährlich und unverantwortlich ist der Versuch der Welternährungsorganisation der Vereinten Nationen FAO, gentechnisch veränderte Organismen (GVO) zur Lösung für den Hunger und die Klimakrise in der dritten Welt zu erklären. Letzter Ausdruck dieses Versuchs ist die Konferenz „Landwirtschaftliche Biotechnologien in den Entwicklungsländern“, vom 1. bis 4. März in Guadalajara (Mexiko). Angesichts der zunehmenden Kritik erklärten die Funktionär*innen der FAO, dass Biotechnologie mehr als nur gentechnisch veränderte Lebensmittel darstelle und es sich lediglich um Optionen handele. Doch in den Dokumenten, die von der FAO anlässlich der Konferenz zusammengestellt wurden, sind keine Grundsatzfragen bezüglich der Biotechnologie enthalten, wie etwa die nach der Vormachtstellung transnationaler Unternehmen in diesem Bereich. Die Funktionär*innen ignorieren auch die augenscheinlichen Ergebnisse der Nutzung von landwirtschaftlicher Biotechnologie: die Kontaminierung von bäuerlichen Anbausorten mit GVO, die Zunahme der Verwendung von Pflanzenschutzmitteln bei deren Anbau (was den Klimawandel weiter anheizt) und andere Auswirkungen auf die Umwelt und die Gesundheit der Verbraucher*innen.

Hätte die FAO einen Diskussionsprozess zur Meinungsbildung anstoßen wollen, dann hätte sie eine Konferenz von derartiger Schieflage, ohne die Teilnahme wichtiger Akteure und dabei kritische Positionen abweisend, nicht angesetzt. Was die FAO gerade tut, kommt einem Freispruch der Aneignung des Saatguts und der Nahrungskette des Planeten zugunsten einiger weniger transnationaler Konzerne gleich, durch den sich Hunger und Klima-Chaos noch verschärfen werden.

Die Konferenz entsprang von Beginn an einem fehlgeleiteten Vorgehen: die Bauern und Bäuerinnen und die landwirtschaftlichen Familienbetriebe und deren Organisationen waren – und sind weiterhin – nicht präsent. Dabei handelt es sich bei ihnen um nicht weniger, als um die Produzent*innen der Nahrungsmittel für die Mehrheit der Weltbevölkerung und gleichzeitig sind sie der Schlüssel im Kampf gegen die Klima- und die Nahrungsmittelkrise. Diese grundlegende Rolle von Bauern und Bäuerinnen, Hirt*innen, Fischer*innen und anderen Kleinproduzent*innen ist durch neue Daten in verschiedenen, kürzlich erschienenen Berichten bestätigt worden. (z.B. auf Spanisch: ¿Quien nos alimentará? Preguntas ante la crisis climática y alimentaria, del Grupo ETC www.etcgroup.org/es/node/4952)

Doch die FAO sorgte sich nicht um dieses Defizit und hielt es stattdessen für ausreichend, ein Dutzend Personen von internationalen Nichtregierungsorganisationen (NRO) einzuladen, um dem partizipativen Anspruch gerecht zu genügen. Die Mehrheit dieser durch die FAO ausgewählten Gäste kommt aus den Organisationen von Konzernen der Biotechnologie (wie etwa Croplife und Biotechnology Industry Organization, BIO) oder Organisationen von Großunternehmen der industriellen Landwirtschaft sowie von Einrichtungen und NRO, die zu den GVO eine bejahende oder nur leicht ambivalente Haltung vertreten. Eine Ausnahme hierbei war Pat Mooney, Direktor der Aktionsgruppe zu Erosion, Technologie und Konzentration Grupo ETC (Grupo de Acción sobre Erosión, Tecnología y Concentración), der nach langem Insistieren durch den Sekretär der FAO schließlich einwilligte, Mitglied des Leitungskomitees der Konferenz zu werden, nachdem man Mooney zugesichert hatte, dass es fair und neutral zuginge.

Am 23. Februar 2010 trat Pat Mooney, Träger des alternativen Nobelpreises und einer der sachkundigsten Kenner der Arbeit der FAO seit 40 Jahren, öffentlich aus dem Komitee aus. Zuvor hatte er erklärt, die FAO habe während der Vorbereitung zwar nie auch nur eine einzige Empfehlung oder einen Hinweis von seiner Seite aufgegriffen, benutze allerdings seinen Namen, um gegenüber mexikanischen Organisationen zu rechtfertigen, dass diese nicht an der Konferenz teilnehmen dürften, da Mooney deren Bedenken vorbringen würde.

Neben vielen anderen, schwerwiegenden Mängeln in den Unterlagen ist es ein besonderer Affront, dass, obwohl die Konferenz in Mexiko, dem Ursprungsland des Mais abgehalten wird, sich die FAO weder hat dazu durchringen können, in den Bericht Zahlen einzubringen noch von der mexikanischen Regierung Zahlen zu fordern, die Auskunft über die Kontaminierung der einheimischen Sorten mit GVO geben. Weder die schon erfolgte Kontaminierung, noch das, was die Regierung nun bei der Genehmigung des experimentellen Anbaus von 24 genveränderten Maissorten zugunsten von Monsanto, DuPont-Pioneer und Dow verspricht, findet Erwähnung.

Einer der Hauptorganisator*innen der Konferenz, Shivaji Pandey, seit Jahrzehnten für das im mexikanischen Texcoco angesiedelte Internationale Landwirtschaftliche Forschungszentrum zu Mais und Weizen CIMMYT (Centro Internacional del Investigación Agrícola sobre Maíz y Trigo) tätig und derzeit Präsident der Arbeitsgruppe für Biotechnologie der FAO, reagierte mit einer kurzen und nichtssagenden Erklärung auf die von mehr als 1.500 Organisationen aus 70 Ländern gegenüber der FAO vorgebrachten Bedenken. Die Organisationen forderten die FAO angesichts der Zunahme der Kontaminierung dazu auf, sie solle die mexikanische Regierung zur Wiedereinsetzung des Moratoriums aufrufen, weil Mexiko das Ursprungsland des Mais ist. Pandey reagierte darauf mit seinem Mantra, dass die Biotechnologie für viele sehr unterschiedliche Technologien stehe, dass es sicher einige Risiken gebe, es sich dabei aber schließlich um ein nationales Problem handele. Wie kann ein Funktionär der FAO das Ursprungsland des Mais auf der Welt – wobei Mais eine der vier wichtigsten Getreidesorten für die Lebensmittelversorgung der Menschen weltweit darstellt – als nationale Frage abtun?

In den Unterlagen für die Konferenz findet die schwerwiegende Kontaminierung von einheimischen Sorten durch genverändertem Mais in den Ursprungsgebieten mit großer Artenvielfalt, wie in Mexiko, überhaupt keine Erwähnung. Die gleichen Beamt*innen der Kommission für Biosicherheit und Gentechnik CIBIOGEM (Comisón Intersecretarial de Bioseguridad de los Organismos Genéticamente Modificados), die unverantwortlicher Weise der Kontaminierung aus der Vergangenheit einen Freispruch erteilten und das weitere Zunehmen der Kontaminierung absegneten um den transnationalen Konzernen Gewinne zu ermöglichen, werden jedoch auf der Konferenz der FAO Vorträge halten. Zum Thema Biosicherheit! Sicherlich werden sie die Einwände, die ihnen von mehr als 700 Wissenschaftler*innen zugingen die sich gegen die Aussaat von genverändertem Mais aussprechen(www.uccsnet.org,), nicht vortragen.

Unterdessen wird es draußen, auf den Straßen, Plätzen und Zentren von Guadalajara und in anderen Teilen der Welt eine große Vielzahl von Aktionen der Zivilgesellschaft und von kleinbäuerlichen Organisationen geben, um diese Täuschung der FAO anzuprangern und die kleinbäuerlichen Alternativen in der Landwirtschaft zu verteidigen, die wir auch wirklich nötig haben, um der Krise zu begegnen. Genveränderte Organismen sind auf diesem Weg definitiv nicht vorgesehen.

– Silvia Ribeiro ist Forscherin der ETC-Group

CC BY-SA 4.0 Die FAO und gentechnisch veränderte Organismen: Ein falsches Spiel von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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