Präsidentschaftskandidaturen der parteipolitischen Blöcke stehen fest

Yasna Provoste, Präsidentschaftskandidatin der Unidad Constituyente, hier als Senatspräsidentin im Mai 2021 / Foto: Mediabanco Agencia via Flickr (CC BY 2.0)

(Montevideo, 22. August, la diaria/poonal). Vor den allgemeinen und Präsidentschaftswahlen in Chile am 21. November zeichnet sich das politische Panorama immer klarer ab. Am vergangenen Samstag wählte die Unidad Constituyente, ein Wahlbündnis der Parteien der ehemaligen Concertación, ihre*n Kandidat*in. Die Senatorin der Christdemokratischen Partei (DC) Yasna Provoste setzte sich in der Wahl um die Präsidentschaftskandidatur mit deutlicher Mehrheit durch. Die 51-jährige Abgeordnete und derzeitige Senatspräsidentin war unter Ricardo Lagos und in der ersten Amtszeit von Michelle Bachelet Ministerin.

In der Wahl erhielt Provoste nun 60 Prozent der Stimmen und ließ damit die Sozialistin Paula Narváez sowie Carlos Maldonado, den Partido Radical-Kandidaten, hinter sich. Die Wahlbeteiligung des Mitte-Links-Bündnisses hielt sich jedoch in Grenzen: Nur wenig mehr als 140.000 Personen nahmen an der Abstimmung teil. Wie El Mercurio berichtet, sammelte Provoste davon 85.000 Stimmen, Narváez etwa 38.000 (27 Prozent) und Maldonado 17.000 Stimmen (12 Prozent).

„Die Führung nicht von einem Sebastián an den anderen übergeben“

Provoste kommt aus der indigenen Bevölkerungsgruppe der Diaguita im Norden des Landes. Noch am Wahlabend hielt Provoste in ihrer Geburtstadt Vallenar in der Region Atacama ihre erste Rede als Präsidenschaftskandatin. „Heute müssen wir dazu in der Lage sein, vereint für das Gute für unser Land zu arbeiten. Nach allem, was wir jetzt sehen, kann das Land nicht denken, dass die nächste Regierung antritt, um zu experimentieren, um Dinge auszutesten und Fehler zu begehen. Wir dürfen auch nicht denken, dass die Führung von einem Sebastián an einen anderen übergeben wird“, so die Kandidatin. Damit wies sie auf den aktuellen chilenischen Präsidenten Sebastián Piñera sowie seinen möglichen Nachfolger, den Kandidaten der politischen Rechten Sebastián Sichel, hin.

„Das klare Zeichen, das wir setzen wollen, besteht darin, dass wir die Moneda (den Präsidentenpalast in Santiago de Chile, Anm. d. Übers.) für Chile öffnen werden, für das wahre Chile: das Chile der Regionen, der Gemeinschaften; das Chile, das im ländlichen Raum lebt. Das ist unsere Verpflichtung“, fügte Provoste laut La Tercera hinzu.

Provostes Wahl wird auch die Zukunft der politischen Linken und Rechten beeinflussen

Chilenische Medien analysierten Provostes Wahl auch in Hinblick auf die Ergebnisse der Abstimmung im linken politischen Lager Apruebo Dignidad. Hier tritt Gabriel Boric als Präsidentschaftskandidat an. So ist es für die linken Parteien einfacher, sich von Provoste zu distanzieren als von ihrer Gegenkandidatin Narváez. Mit der Sozialistin wäre sich das linke Parteienbündnis schließlich in vielen Punkten und Visionen des zukünftigen Chiles einig gewesen. Andersherum bedeutet Provostes Wahl für das rechte Lager und den Kandidaten Sichel einen Rückschlag: Provoste steht für die politische Mitte und könnte der konservativen Rechten Stimmenverluste einbringen. Sowohl aus der Rechten als auch aus der Linken wurde die geringe Wahlbeteiligung in der Unidad Constituyente jedoch als politische Niederlage gedeutet. Bei den Wahlen um die Präsidentschaftskandidatur beider Lager am 18. Juli hatten jeweils über eine Million Menschen abgestimmt.

So steht das Panorama für die Wahlen im November fest: Provoste, Sichel und Boric werden um den Einzug in die Moneda konkurrieren. Daneben wird es noch weitere, politisch jedoch bisher deutlich weniger relevante, Kandidaturen geben. Dazu gehört auch der Ultrarechte José Antonio Kast, Chef der Republikanischen Partei, der am vergangenen Sonntag seine Kandidatur bekanntgab. Auch der Mapuche Diego Ancalao kündigte seine Kandidatur für das Präsidentenamt an. Er erreichte die nötige Anzahl an Unterschriften für eine unabhängige Kandidatur und tritt als Vertreter der bewegungsnahen Lista del Pueblo, die sich nach den Protesten zu Chile Despertó für die Wahl zum Verfassungskonvent gebildet hatte, an.

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