Chaotische Führung unter Bolsonaro sorgt für Imageverlust im Ausland

Autoritärer Regent bei der Arbeit
Foto: Palácio do Planalto via flickr
CC BY 2.0

(Los Angeles, 08. April 2021, Brasil de Fato).- Brasilien macht von sich reden – nicht nur als Exporteur von Mineralien und landwirtschaftlichen Produkten. Immer häufiger steht das katastrophale Corona-Krisenmanagement des parteilosen Präsidenten Jair Bolsonaro in internationalen Medien unter Beschuss. So veröffentlichte die New York Times im März einen Bericht unter dem Titel: „Die Corona-Krise in Brasilien ist ein Alarmsignal für die ganze Welt“. Die Pandemie habe „eine Schneise aus Tod und Verzweiflung geschlagen“. Insgesamt seien weit über 350.000 Menschen verstorben.

Katastrophale Zustände in Politik und Gesellschaft

Die haarsträubende Planlosigkeit der Regierung unter der Führung Bolsonaros hat das Image des gesamten Landes beschädigt– auch in den Augen der Sozial- und Politikwissenschaft. „Bis zum Regierungsantritt Bolsonaros war mein Brasilien-Bild recht positiv. Für mich war es ein Land im Aufwind, ein Land, das sich seinen Problemen zu stellen wusste“, erklärt Karen Alter, Professorin für Politikwissenschaften und Recht an der Northwestern University im Interview mit Brasil de Fato. Der Führungsstil des Präsidenten sei der eines „Populisten und autoritären Regenten, der sich mehr um seine Macht und seine eigenen Launen sorgt als um das Wohl des Landes und der Bevölkerung“. Patrick Heller, Professor für Politikwissenschaften der renommierten Brown University, kommt zu einem ähnlichen Schluss. „Wie ich schon oft gesagt habe: Die Pandemie ist wie ein Brennglas für den Ist-Zustand der Gesellschaft. Bei genauer Betrachtung erkennt man deutlich: Die brasilianische Gesellschaft, die brasilianische Politik befindet sich in einem absolut katastrophalen Zustand.“

Außenpolitik

Das Versagen der Regierung hat außenpolitische Auswirkungen. So stieg Brasilien aus den Verhandlungen beim Klimagipfel der UNO aus, und der Präsident wurde auch nicht eingeladen, um beim der WHO-Jahrestagung zu sprechen. „Wer erst die Wissenschaft und die Medizin rigoros in Frage stellt, Unwahrheiten über die Impfstoffe, Masken und andere Maßnahmen zum Gesundheitsschutz verbreitet und plötzlich seine Einstellung um 180 Grad ändert, büßt seine Glaubwürdigkeit ein und verliert das Vertrauen der Bevölkerung“, so Heller über die internationalen Reaktionen auf die brasilianische Gesundheitspolitik. Der Schaden für das brasilianische Image könne sogar noch größer werden, so der Professor. „Im Moment bemisst sich der Ruf Brasiliens stark durch das Verhältnis zur globalen Gesundheitsvorsorge, und da zählen vor allem folgende Fakten: Statt grundlegende Maßnahmen zu beschließen, hat Brasilien auf die Pandemie nicht reagiert und hängt zudem bei den Impfungen hinterher. Damit hat sich das Land zu einem fruchtbaren Nährboden für die Pandemie entwickelt. Jede neu entdeckte Virusmutation trifft hier auf ideale Bedingungen, um sich auszubreiten. Daher ist es unvermeidbar, dass sich die zunehmend ansteckenden und gefährlichen Varianten, die sich in Brasilien festsetzen, auch global verbreiten werden“.

Die wichtigste Frage ist: Warum ist „Tropen-Trump“ Bolsonaro weiterhin populär?

Angesichts der negativen Schlagzeilen räumte Karen Alter ein, dass das Ansehen eines Landes immer stark von den Repräsentant*innen der Macht geprägt werde, und das sei auch den Akademiker*innen bewusst. „Wir haben das Gleiche mit Trump erlebt. Er war ein fürchterlicher Regent, und viele rechneten damit, dass er eines Tages die Flucht ergreifen würde. Letztendlich bleiben die USA jedoch militärisch und ökonomisch eine starke Nation. Durch das Zusammenspiel der Macht bleibt alles im Gleichgewicht“, so die Politikwissenschaftlerin. Ob in Brasilien Ähnliches passieren wird? „Naja, es sind immer noch zwei weitere Jahre, und die Frage ist: Wie viel Schaden kann Jair Bolsonaro bis dahin noch anrichten?“ Wichtiger sei jedoch ein anderer Aspekt:  „Wir müssen anfangen zu verstehen, wie solche Menschen an die Macht kommen. Warum will die Bevölkerung diesen Präsidenten? Und warum unterstützen sie Bolsonaro weiterhin?“

Vertrauen lässt sich wiedergewinnen – mit einem neuen Staatsoberhaupt

Laut einer Befragung des Instituto Datafolha im März sind 44% der Bevölkerung gegen die aktuelle Regierung Bolsonaro. Die Bewertung seiner Führung während der Pandemie ist sogar noch schlechter: 54% der Befragten gaben an, unzufrieden mit der Handhabung der Krise zu sein. „Das internationale Vertrauen lässt sich schnell wiedergewinnen. Von Fernando Henrique Cardoso bis Dilma Rousseff war Brasilien 20 Jahre lang bei der internationalen Gemeinschaft sehr gut beleumundet. Das Land entwickelte sich, wurde stärker und förderte ein immer größeres inneres Zusammenwachsen, trotz der eklatanten Unterschiede und der schreienden Dissonanzen. Ich habe keinen Zweifel daran, dass sich an dieses Vertrauen innerhalb und außerhalb des Landes anknüpfen lässt. Dafür wäre die nächste Präsidentschaftswahl ein erster Schritt.“

Das Team der Tageszeitung Brasil de Fato bat die Präsidentschaft der Brasilianischen Republik um einen Kommentar zu den Stimmen aus der Politikforschung, erhielt jedoch keine Antwort.

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