Zur Festnahme von Sebastián Marset

Sebastián Marset
Claudia Aguilera, die Witwe des ermordeten paraguayischen Staatsanwalts Marcelo Pecci, im Mai 2024 mit dem US-Botschafter für Paraguay, Marc Ostfield. Peccis Mord wurde nicht aufgeklärt, als Verdächtige galten Sebastián Marset sowie der ehemalige paraguayische Präsident Horacio Cartes. Foto: US-Botschaft in Paraguay via Wikimedia (Public Domain)

(Washington, 13. März 2026, insight crime).- Am 13. März haben bolivianische Behörden den uruguayischen Drogenhändler Sebastián Marset bei einem Einsatz festgenommen, der von Rauschgiftfahnder*innen der bolivianischen Polizei in Zusammenarbeit mit der US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA durchgeführt wurde.

Jahrelang hatte Marset es geschafft, den Behörden zu entkommen, indem er sich auf ein Netz einflussreicher Kontakte stützte, das sich von Südamerika bis nach Europa und Dubai erstreckte. InSight Crime verfolgt Marsets Profil und seinen kriminellen Werdegang seit Jahren. Im Folgenden stellen wir dar, was man über seine Festnahme wissen sollte.

Wer ist Sebastián Marset?

Marset ist vermutlich eine Schlüsselfigur im Kokainhandel und ein Geldwäscher, der den Transport von mehreren Tonnen Drogen nach Europa koordiniert und Millionen von Dollar aus illegalen Geschäften reingewaschen haben soll. Der Uruguayer verbüßte zwischen 2013 und 2018 eine Haftstrafe wegen Marihuana-Handels in seinem Herkunftsland. Danach bereiste er die halbe Welt, um sein Netzwerk zu knüpfen und anschließend den internationalen Behörden in Bolivien, Paraguay, Europa und Dubai durch die Finger zu schlüpfen. Vor seiner Gefangennahme hatte er ein solches internationales kriminelles Netzwerk geschaffen, dass sich die US-amerikanischen Behörden veranlasst sahen, eine Belohnung von zwei Millionen US-Dollar auf seinen Kopf auszusetzen.

Wo wurde Marset festgenommen?

Marset wurde am 13. März 2026 im Departamento Santa Cruz im Osten Boliviens während eines Polizeieinsatzes verhaftet, an dem auch die US-amerikanische Drogenbekämpfungsbehörde DEA beteiligt war. Man geht davon aus, dass Marset kurz nach seiner Haftentlassung 2018 von Uruguay aus zuerst nach Bolivien reiste, aber sich später in Paraguay niederließ, wo er seine Operationsbasis einrichtete. Als die paraguayischen Behörden eine große Offensive gegen den Drogenhandel starteten, tauchte Marset wieder unter. Sein Aufenthaltsort war lange unbekannt, bis bolivianische Behörden im Juli 2023 eine Razzia durchführten, bei der er nur knapp entkam. Später erklärte er, dass Beamtete der bolivianischen Polizei ihn vor dem bevorstehenden Einsatz gewarnt hätten.

Marsets wichtigste kriminelle Aktivitäten

Marset wird von der US-Regierung gesucht, weil er gemeinsam mit seinem Geschäftspartner, Federico Ezequiel Santoro Vassallo, der 2025 in den USA zu 15 Jahren Haft verurteilt wurde, über sein Bankensystem Geld gewaschen haben soll.

Er fing als kleiner Drogendealer in den Diskotheken von Montevideo an, wie er 2023 in einem Interview erzählte. Danach betrieb er von Paraguay aus Handel mit Marihuana, bevor Uruguay einen legalen Markt für die Droge schuf. Schließlich wurde er 2013 verhaftet und verurteilt, nachdem er bei der Entgegennahme einer Ladung Marihuana überrascht worden war, die vom Onkel des damaligen paraguayischen Präsidenten auf dem Luftweg nach Uruguay gebracht worden war.

Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis soll sich Marset in eine Schlüsselfigur des Drogenhandels von Bolivien nach Europa verwandelt und Geld mit Hilfe von Fußballvereinen, Kryptowährungen, Luxusautohäusern und anderen Tarnfirmen gewaschen haben, vor allem in Paraguay.

Warum ist Marset wichtig?

Marset ist ein gewichtiger Akteur. Ihm wird vorgeworfen, eine Schlüsselfigur im internationalen Kokainhandel zu sein und umfangreiche Rauschgiftgeschäfte zu koordinieren, die drogenproduzierende Menschen in Bolivien in Kontakt mit europäischen Mafiagruppen brachten. Er organisierte die Logistik, kümmerte sich um die Kontakte und wickelte die Zahlungen ab. Er spielte eine andere Rolle als traditionelle Drogenbosse wie Joaquín Guzmán Loera, genannt „El Chapo“, oder Organisationen wie das Sinaloa-Kartell, die sich hauptsächlich auf die Kontrolle von Territorien und Drogenhandelsrouten konzentrieren.

Wie geht es nun mit Marset weiter?

Man nimmt an, dass Marsets mutmaßliches kriminelles Netzwerk nach eine groß angelegten Anti-Drogen-Operation in Paraguay [im Jahr 2022], die als Operación A Ultranza PY („Bis aufs Äußerste“) bekannt ist, einen erheblichen Schlag erlitt. Die Operation führte zur Auflösung mehrere Betriebe, die zur Geldwäsche verwendet worden waren, und zur Verhaftung von wichtigen beteiligten Personen, darunter ein Senator, der wegen Geldwäsche und, aufgrund seiner Verbindung zu Marset, wegen Mitgliedschaft in einer krimineller Vereinigung angeklagt wurde. Die US-Drogenbekämpfungsbehörde DEA war an Marsets Verhaftung beteiligt und setzte ihn in ein Flugzeug Richtung USA, wo ihn eine Anklage wegen Geldwäsche erwartet. Santoro Vassallo, sein wichtigster Geschäftspartner, wurde bereits in den USA wegen Geldwäsche verurteilt. Die paraguayischen Behörden kündigten an, dass sie Marsets Auslieferung beantragen werden.

Übersetzung: Christa Röpstorff

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