Libertäre Partei LLA weiht Sitz in Montevideo ein

La Libertad Avanza Nicolás Quintana Milei Bukele Suiza de América
Sitz der Partei LLA Uruguay ist Montevideo. –
Hier: Montevideo Landmark Near the Beach. Foto: Fabricio Rivera, pexels, Legal Simplicity

(Montevideo, 25.11.2025, LaDiaria).- Zwischen lilafarbenen Fahnen und unter wiederholten Rufen der Parole „Viva la Libertad, carajo!“ („Es lebe die Freiheit, verdammt!“) kamen etwa hundert Personen zur Eröffnung des Hauptsitzes der neuen Partei La Libertad Avanza (LLA) in Uruguay zusammen. Diese politische Gruppierung entstand im Schatten ihres argentinischen Pendants, der Partei La Libertad Avanza des argentinischen Präsidenten Javier Milei. Anfang August erreichte die uruguayische LLA die erforderliche Mindestanzahl an Unterschriften, um vom Wahlgericht anerkannt zu werden.

Das Lokal an der Strassenecke Cerro Largo und Arenal Grande im Zentrum von Montevideo, in dem die Veranstaltung stattfand, war früher eine Diskothek und nennt sich inzwischen „Suiza de América“ (Schweiz Amerikas). Nun ist es vollgespickt mit Anspielungen auf den Libertarismus. An den Wänden hängen Bilder der internationalen Vorbilder der Gruppierung: die Präsidenten von Argentinien, Javier Milei, El Salvador, Nayib Bukele, und der Vereinigten Staaten, Donald Trump.

Eine Gruppe von Männern in Anzügen bewegte sich durch das Lokal, ihre blau-rot-weißen Schleifen am Revers [Farben der chilenischen Flagge] kündigten die Ankunft des Hauptredners des Abends an: den Chilenen Axel Kaiser. Am Eingang des Lokals kontrollierte ein anderer Mann, der eine Anstecknadel mit dem offiziellen Wappen der argentinischen Regierung trug, wer den Ort betrat. Sowohl das Erdgeschoss als auch der erste Stock, wo die Hauptveranstaltung stattfand, waren voller überwiegend junger Menschen, die ab und an libertäre Parolen anstimmten. Sie wurden nur von einem LLA-Mitglied unterbrochen, der eine Mütze mit der Aufschrift „Las fuerzas del cielo” (die Kräfte des Himmels, als Erkennungsmerkmal libertärer Gruppen) trug, und der sich um die Anwesenden kümmerte.

La Libertad avanza: DIE Partei für ganz Lateinamerika

Kaiser ist ein chilenischer Anwalt und Kolumnist, der für seine Verteidigung des von der Österreichischen Schule inspirierten Wirtschaftsliberalismus bekannt ist. Er stammt aus einer Familie von Verfechtern libertärer Ideen, die für ihre Verbindungen zu anderen Vertretern der iberoamerikanischen extremen Rechten und der mit Trump verbundenen MAGA-Bewegung (Make America Great Again) bekannt sind. Sein Bruder Johannes Kaiser trat bei den Wahlen in Chile als Präsidentschaftskandidat für die National-Libertäre Partei PNL (Partido Nacional Libertario) an. Mit 14 Prozent der Stimmen erreichte er den vierten Platz und überholte damit die Kandidatin der traditionellen chilenischen Rechten, Evelyn Matthei. Einige Meinungsforschungsinstitute hatten vor der Wahl sogar über die Möglichkeit spekuliert, dass Johannes Kaiser mehr Stimmen als der andere extrem rechte Kandidat, José Antonio Kast, erhalten und damit in die Stichwahl einziehen könnte.

Vor Beginn von Axel Kaisers Rede wurde ein Videobeitrag mit vielen Bildern von Personen gezeigt, die als Vorbilder der Partei gelten: Friedrich Hayek, Milton Friedman, Ayn Rand, Giorgia Meloni, Donald Trump, Javier Milei und schließlich auch der ehemalige uruguayische Präsident Jorge Batlle. Kaiser wurde von einem Mann gefilmt, der einen Hut trug, der auf die Fundación Faro [Stiftung der argentinischen Partei La Libertad Avanza] anspielte. Der Chilene Axel Kaiser hält zusammen mit dem Argentinier Agustín Laje den Vorsitz dieser Stiftung. Laje war im Februar 2025 in einen Betrugsfall um die Kryptowährung $Libra verwickelt. Die Kontroverse entstand, nachdem Milei diese Währung als Methode zur Anlage von Kapital empfohlen hatte, was zu millionenschweren Verlusten bei Tausenden von Nutzer:innen führte, die der Empfehlung des argentinischen Präsidenten gefolgt waren. Laut Berichten argentinischer Medien stellte die Stiftung ihre Auslandskonten zur Verfügung, um die mit der Kryptowährung erzielten Gewinne abzuwickeln.

Kaiser wies darauf hin, dass es wichtig sei, dass sich die LLA „in ganz Lateinamerika etabliert”, denn ab dem Tag, an dem „es keine Möglichkeiten mehr gibt, um durch zivilisierte Ergebnisse zu gewinnen, wird es zu einem Bürgerkrieg oder zu einer Diktatur kommen”. Als Beispiele führte er Venezuela, Nicaragua und Kuba an. „Kein Land ist frei von totalitärer Versuchung, sie existiert überall”, erklärte Kaiser, „diese Leute sind böse und teuflisch”. In Bezug auf die soziale Protestbewegung ab Oktober 2019 vertrat der Anwalt die Ansicht, dass linke Gruppen, die er als „Terroristen” bezeichnete, Chile fast zerstört hätten.

Außerdem rief Kaiser die Anwesenden auf, „auf allen Ebenen zu kämpfen“, etwa in sozialen Netzwerken, Medien, Universitäten, Schulen und auf öffentlichen Plätzen. „Der erste Kampf findet auf intellektueller und spiritueller Ebene statt, der zweite auf der kommunikativen, medialen und politischen. Wenn die beiden vorherigen scheitern, wird der dritte Kampf mit dem Schwert ausgetragen“, so Kaiser. „Diese elenden Menschen zögern nicht, das Schwert zu benutzen, um uns zu massakrieren, wie sie es überall tun, wo sie an die Macht kommen. Wir müssen uns bewusst sein, womit wir es zu tun haben“, erklärte der Chilene und wies darauf hin, dass die Gründung der LLA ein „Bemühen um die Aufrechterhaltung eines zivilisierten Zusammenlebens“ sei.

Der Goldstandard der Schweiz Amerikas

Anschließend ergriff Gonzalo Nova, der Gründer der LLA, das Wort und erklärte, die Idee, das Lokal als „Schweiz Amerikas“ zu bezeichnen, solle an „die glorreiche Vergangenheit Uruguays“  und „den Kurs und das Ziel, das wir erreichen wollen, markieren“ erinnern. „Von 1831 bis zum Ende des 19. Jahrhunderts waren wir die Schweiz Amerikas. Mit unseren ersten Vorfahren, mit Arbeit, freiem Handel und einer gesunden Währung haben wir einen der wichtigsten Orte der Welt geschaffen”, erklärte Nova. „Was die Nationen außerdem reich machte, war eine starke Währung, unser uruguayischer Goldstandard, den wir damals hatten. Es gab nicht nur freien Handel, sondern auch eine gesunde Währung, die unser indirektes Tauschmittel war. Diese Währung basierte auf Gold”, erklärte der Ingenieur, der vorschlug, dass Uruguay zu diesem Modell zurückkehren sollte. Der Peso habe nach der Gründung der Banco República im Jahr 1907 immer mehr an Wert verloren. „So ging es mit all unseren Freiheiten weiter, mit den aufeinanderfolgenden Verfassungen, mit deren Änderungen uns unsere Freiheiten genommen wurden“, so Nova weiter.

Die Bukele-Methode

Zum Schluss stellte der Vorsitzende der LLA, Nicolás Quintana, das Team vor, das die Gruppierung leitet. Darunter ist auch sein eigener Vater, den er als „internationalen Sicherheitsexperten“ und als einen der Autoren der Vorschläge, die seine Partei voranbringen wird, bezeichnete. Quintana kündigte die Vorstellung der sogenannten „Bukele-Methode“ an. Diese ist von der Politik des Präsidenten El Salvadors zur Bekämpfung von Kriminalität inspiriert und steht im Zentrum der Vorwürfe bezüglich etlicher Menschenrechtsverletzungen in Gefängnissen. Der Vorsitzende der LLA wies jedoch darauf hin, dass dies nicht bedeute, dieselben Methoden anzuwenden wie in dem mittelamerikanischen Land, sondern das zu übernehmen, was sich an die uruguayische Realität anpassen lasse.

Übersetzung: Ute Löhning – Diese Übersetzung entstand im Rahmen des Projekts „Linea B – Researching authoritarian politics between Latin America and Europe“ und wird zitiert im ReGA-Newsletter, zu abonnieren unter: http://tinyurl.com/3c6h83ny

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