18 Tote an einem Tag – Trauernde fordern Gerechtigkeit

Foto: Max Nina via servindi

(Puno, 10. Januar 2023, servindi).- Die Proteste in Peru fanden am 9. Januar ihren bisher traurigsten Höhepunkt. An nur einem Tag wurden 17 Zivilist*innen und ein Polizist getötet. Mehr als 70 Menschen wurden verletzt. Journalist*innen, die live über das Massaker berichtet haben, werden bedroht. Die Angehörigen Toten sehen sich mit ihrer Trauer und Beerdigung ihrer Toten alleingelassen. Die Regierung ordnete ihrerseits eine dreitägige Ausgangssperre für die Verwaltungsregion Puno an, die zwischen 20.00 bis 4.00 Uhr morgens gelten soll, und verhängte für den heutigen 11. Januar eine eintägige Staatstrauer „zu Ehren der Gefallenen“.

Puno, 9. Januar, 21:00

Nach Angaben des Gesundheitsnetzes der Provinz San Roman in Puno kam es am Montagabend zu heftigen Zusammenstößen zwischen Demonstrant*innen und Polizist*innen. 17 Menschen kamen dabei ums Leben. In der Stadt Juliaca in Puno wurde am darauffolgenden Morgen die verbrannte Leiche eines Polizisten gefunden. Damit stieg die Zahl der Todesopfer in Puno auf 18. Landesweit verloren bisher 46 Menschen ihr Leben. Nach Auskunft der peruanischen Nationalpolizei handelt es sich bei dem verbrannten Polizisten um José Luis Soncco Quispe, Mitglied der Alarmeinheit der Polizei. Unter den zivilen Opfern waren eine Minderjährige und sechs Jugendliche unter 23 Jahren sowie ein Internist, der als Sanitäter im Einsatz war. Vier weitere Personen wurden bisher nicht identifiziert. Der Gesundheitsdienst von San Roman meldete 73 Verletzte und erklärte, seine 47 Gesundheitseinrichtungen und das Krankenhaus Carlos Monge Medrano in Juliaca seien in „höchste Alarmbereitschaft“ versetzt. Nach Aussagen von Ärzt*innen vor Ort setzt die Polizei Dumdum-Geschosse ein, die im Körper aufpilzen und schwere Verletzungen verursachen, und schoss gezielt auf den Kopf und die Lunge der Demonstrierenden.

Journalist*innen bedroht, Trauernde verzweifelt

Der Radiosender La Decana in Juliaca ließ am Morgen des 10. Januar die Moderator*innen zu Wort kommen, die am Vortag live über das Massaker berichtet hatten. „Der Geheimdienst und die Polizei bedrohen La Decana Radio Juliaca und seine Mitarbeiter*innen. Sie kreiden es uns übel an, dass wir die Bevölkerung über die Geschehnisse zu informieren“, erklärten die Journalist*innen. Guadalupe Apaza und Max Lanza hatten in La Decana zusammen mit Pachamama Radio minutengenau aus der Stadt Juliaca berichtet. Und auch jetzt setzen sie ihre Berichterstattung fort und machen publik, wie die Angehörigen der Verstorbenen außerhalb der Gesundheitszentren um Unterstützung bitten, um sich von ihren Toten verabschieden zu können. Einer, der in ihrer Sendung zu Wort kommt, ist German Leonardo. Er verlor bei den Zusammenstößen seinen Sohn. Mit einem kleinen Pappschild in der Hand bittet er um Gerechtigkeit und Unterstützung für die Beerdigung seines Sohnes. „Brüder und Schwestern von Juliaca. Gerade ist mein Sohn gestorben. Er wurde nur 16 Jahre alt. Bitte helft mir.“

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