Fünf Karawanen aus Zentralamerika ziehen weiter Richtung Norden

Migrant*innen-Karawane aus Zentralamerika
Foto: Desinformémonos

(Berlin, 12. November 2018, poonal).- Am 12. Oktober startete die erste Karawane aus Honduras Richtung Norden in der Hoffnung auf ein besseres Leben. Mittlerweile sind es fünf Karawanen, die sich aus Zentralamerika auf den Weg gemacht haben. Vor allem aus Ländern in denen überdurchschnittlich viele Einwohner*innen in Armut leben und von Gewalt betroffen sind: Honduras und El Salvador. Aber auch Migrant*innen aus anderen Ländern haben sich angeschlossen, da die gemeinsame Migration einen besseren Schutz vor Gewalt bietet.

Die erste Karawane lässt Mexiko-Stadt hinter sich

Die erste Karawane verlässt Mexiko-Stadt mit den Öffentlichen Verkehrsmitteln.
Foto: Alberto Pradilla, Desinformémonos

Teile der erste Karawane (etwa 800 Personen) haben Mexiko-Stadt bereits am 9. November hinter sich gelassen. Bis Tijuana, der mexikanischen Grenzstadt, sind es noch 2.800 Kilometer. Der Großteil der ersten Karawane ist erst einen Tag später am 10. November Richtung Norden aufgebrochen, am Nachmittag des selben Tages kamen etwa 3.100 Migrant*innen in Querétaro an. Etwa 500 Mitglieder der ersten Karawane entschieden sich in Mexiko-Stadt zu bleiben.

Am Sonntagmorgen, den 11. November ging es weiter Richtung Guanajuato. Auch in diesem Bundesstaat wurden Vorkehrungen getroffen, um die Gruppen zu verpflegen. Neben der Solidarität der Bevölkerung bekennt sich teilweise auch die Politik zur Unterstützung der Migrant*innen: „Egal wo sie entlangkommen, in Guanajuato werden wir sie so empfangen, wie es ihnen gebührt, nämlich genau so, wie wir uns wünschen, dass unsere Migrant*innen aus Guanajuato im Ausland behandelt werden“, sagt der Leiter der bundesstaatlichen Abteilung für Migration und internationale Beziehungen Juan Hernández.

Durch den Westen: Ein längerer aber sichererer Weg

Mögliche Migrationsrouten
Diese Karte und weitere Informationen auf Deutsch findet ihr im Dossier EXODUS #Quer durch Mexiko.

Die klassische Migrationsroute folgt den Eisenbahngleisen, die an der Ostküste am Golf von Mexiko verlegt sind. Diese Route führt durch die Bundesstaaten Veracruz und Tamaulipas, die für ihr Ausmaß an Gewalt bekannt sind. Allein in Veracruz ermittelt die Generalstaatsanwaltschaft im Falle von 270 verschwundenen Migrant*innen. Die Mehrheit hat sich gegen diese Route entschieden. Rosenda Mariño, eine junge Mutter, die sich mit ihren zwei Kindern von Honduras aus auf den Weg gemacht hat, sagte der BBC: „Die Strecke ist länger, aber auch sicherer. Auch wenn es länger dauert, werde ich die Sicherheit meiner Kinder nicht aufs Spiel setzen. Trotz alledem sind wir schon verdammt viel gelaufen.“

Bei der Route entlang der Ostküste reist man gewöhnlich über die Grenzstadt in die USA ein. Sie ist nur etwa tausend Kilometer von Mexiko-Stadt entfernt, bis Tijuana sind es 2.800 Kilometer. Allerdings verzeichnet Reynosa eine der höchsten Entführungsraten des Landes. Auseinandersetzungen zwischen den Drogenkartellen Las Zetas, dem Golf-Kartell und dem Nordost-Kartell stehen hier an der Tagesordnung. Aber auch an der Westküste gibt es konfliktreiche Bundesstaaten wie Jalisco und Sinaloa. Und um Tijuana zu erreichen, müssen die Migrant*innen die Wüste Sonora durchqueren; als blinde Passagiere auf den staubigen und extrem heißen Dächern der Güterzüge. Diese Strecke ist als Ruta del Diablo – die Teufelsstrecke – bekannt. Und trotz allem ist diese Strecke weitaus sicherer als die Golf-Route.

„Willkommen in Mexiko“
Foto: Migración en Tránsito

Vier weitere Karawanen sind auf dem Weg

Eine gute Woche, nachdem sich die erste Karawane auf den Weg gemacht hatte, ist am 21. Oktober eine zweite Karawane aus Honduras losgezogen. Ihr folgten am 28. und 31. Oktober sowie am 5. November drei weitere Karawanen aus El Salvador. Besonders bei der zweiten Karawane kam es zu gewalttätiger Repression an der Grenze zwischen Guatemala und Mexiko. Unter dem Schild „Willkommen in Mexiko“, setzten sie Sicherheitskräfte Tränengas und Gummigeschosse ein. Dabei starb Henry Días Reyes an den Folgen seiner Kopfverletzung, die wahrscheinlich durch ein Gummigeschoss verursacht wurde. Mindestens 30 weitere Personen wurden verletzt.

Der noch amtierende Präsident Enrique Pena Nieto stellt seinen Plan „Estás en tu casa“ – „Du bist zu Hause“ vor, um die Migrant*innen dazu zu bewegen, ihren Weg Richtung USA abzubrechen und in Mexiko zu bleiben. Dieser Plan gilt allerdings nur für die beiden ärmsten Bundesstaaten Oaxaca und Chiapas im Süden Mexikos. Theoretisch hätten die Migrant*innen, sobald sie sich bei der Migrationsbehörde melden, Recht auf Gesundheitsversorgung, Wohnraum und temporäre Arbeit. Theoretisch – denn es ist die gleiche Behörde, die in Tapachula, in einem der größten Auffanglager mehr als 1.700 Migrant*innen festhält.

CC BY-SA 4.0 Fünf Karawanen aus Zentralamerika ziehen weiter Richtung Norden von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Das könnte dich auch interessieren

2 Kommentare zu „Fünf Karawanen aus Zentralamerika ziehen weiter Richtung Norden

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Webseite möchte Cookies für ein optimales Surferlebnis und zur anonymisierten statistischen Auswertung benutzen. Eine eingeschränkte Nutzung der Webseite ist auch ohne Cookies möglich. Siehe auch unsere Datenschutzerklärung.

Die Cookie-Einstellungen auf dieser Website sind auf "Cookies zulassen" eingestellt, um das beste Surferlebnis zu ermöglichen. Wenn du diese Website ohne Änderung der Cookie-Einstellungen verwendest oder auf "Akzeptieren" klickst, erklärst du sich damit einverstanden.

Schließen