Nach „Las Tesis“ gründen Frauen erste feministische Partei

Fotos: Medio a Medio

(Santiago de Chile, 29. Januar 2020,  Medio a Medio).- Am 28. 1. wurde die neugegründete PAF (Alternative Feministische Partei) bei der Wahlkommission (Servicio Electoral – Servel) eingeschrieben. Nach dem Erfolg der Choreografie „Un violador en tu camino“ („Ein Vergewaltiger auf deinem Weg“) des Performance-Kollektivs „Las Tesis“ aus Valparaíso entstand in der Öffentlichkeit ein stärkeres Bewusstsein für sexistische Gewalt. Nun versucht eine Gruppe von Frauen, durch die Gründung einer feministischen Partei Einfluss auf die Ausarbeitung einer möglichen neuen Verfassung zu nehmen. „Die Aufbruchstimmung der Menschen in Chile und die Stärke der Choreografie von Las Tesis haben gezeigt, was wir Frauen können. Nun ist es an der Zeit, dass wir den Aufbau eines besseren, gerechteren und gleichberechtigten Landes mitgestalten“, erklärte PAF-Präsidentin Rosa Moreno.

Feministinnen feiern Parteigründung

Die Gruppe der Parteigründerinnen setzt sich aus Frauen unterschiedlichen Alters und verschiedener beruflicher Hintergründe zusammen. In den nächsten Tagen wird sich zeigen, ob sie die notwendigen Voraussetzungen erfüllen, um als offizielle Partei anerkannt zu werden. Rund einhundert Frauen kamen zusammen, um den ersten Schritt der neuen Partei festlich zu begleiten. Um auf sich aufmerksam zu machen, versammelten sie sich mit Töpfen und Transparenten vor dem Büro der Wahlkommission in Santiago. Während Moreno und andere Mitglieder der PAF die erforderlichen Unterlagen bei der Wahlkommission einreichten, warteten andere unter Gesängen und Rufen vor dem Gebäude. Als die Anmelderinnen auf die Straße traten, brach Jubel aus. Jetzt, da dieser Schritt abgeschlossen ist, müssen sie Unterschriften sammeln, um landesweit anerkannt und somit die erste feministische Partei in der jüngeren Geschichte Chiles zu werden.

Geänderte Taktik

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es im Süden des Landes mehrere Parteien, die von Frauen organisiert waren und hauptsächlich für das Frauenwahlrecht kämpften. Bisher gebe es jedoch keine Partei, bei der die Gleichstellung der Geschlechter im Mittelpunkt stehe, sagte die 65-jährige Politikwissenschaftlerin und ehemalige Greenpeace-Direktorin Moreno. „Chilenische Feministinnen waren nicht an der Gründung politischer Parteien interessiert, weil dies den Eintritt in das patriarchale System bedeutete, aber wir haben unsere Meinung geändert und beschlossen, von innen heraus zu kämpfen“, fügte sie hinzu. Zu den Grundsätzen der PAF gehören die Verwirklichung einer „vielfältigen, fairen, gerechten und unterstützenden Gesellschaft, die frei von patriarchaler und neoliberaler Gewalt ist“, sowie die „Freiheit, über den eigenen Körper als erstes Territorium zu entscheiden“. Auch verfolgt die PAF die Vergütung von Hausarbeit, die gerechte Verteilung von Erziehungsaufgaben, Respekt gegenüber der Umwelt und eine „freie, qualitativ hochwertige und sexismusfreie“ Bildung.

Sollte die PAF offiziell als Partei anerkannt werden, werde sie bei den folgenden Wahlen kandidieren und beim Referendum am 26. April für eine Verfassungsänderung eintreten, kündigte Moreno an. Die derzeitige Version stammt noch aus der Zeit der Diktatur unter Augusto Pinochet (1973-1990). Die Idee, den Sprung in die Politik zu wagen, sei am 4. Dezember letzten Jahres entstanden.

„Un violador en tu camino“ mobilisiert Frauen weltweit

Tausende Frauen mittleren oder fortgeschrittenen Alters hatten die Performance „Un violador en tu camino“ vor dem Nationalstadion aufgeführt, das während der Diktatur als Folterzentrum genutzt worden war. Mittlerweile ist „Un violador en tu camino“ als feministische Performance weltweit bekannt.
Mit Sätzen wie „Und es war nicht meine Schuld, wo ich war und was ich trug“ oder „Der Unterdrücker-Staat ist ein Sexist und Vergewaltiger wurde die Choreografie Ende November weltweit bekannt und zeigte innerhalb der chilenischen Proteste eine feministische Perspektive auf. Bisher kamen bei den Protesten mindestens 27 Menschen ums Leben.

 

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