Gerechtigkeit für Opfer von Feminiziden gefordert

Frauen in Mexiko-Stadt fordern Gerechtigkeit für die Opfer von Feminiziden. Foto: Berenice Chavarría Tenorio/Cimac

(Mexiko-Stadt, 4. November 2022, cimacnoticias).- Die Gewalt gegen Frauen in Mexiko-Stadt nimmt kein Ende. Dies zeigen die jüngsten Mordfälle an Lidia Gabriela und Ariadna, zwei jungen Frauen, denen das in Mexiko vorherrschende machistische System das Leben nahm, nachdem sie in ein Taxi gestiegen waren. Die Vorfälle verdeutlichen, dass es für Frauen keine sicheren öffentlichen Verkehrsmittel in der Hauptstadt Mexikos gibt, wo in diesem Jahr bereits mehr als 90 Frauen ermordet worden sind.

Nach Angaben des im Zeitraum von Januar bis September wurden in Mexiko-Stadt 92 Gewaltmorde an Frauen gemeldet, von denen lediglich 52 als Feminizide ermittelt werden. Das geht aus Zahlen des Exekutivsekretariats des Nationalrates für Öffentliche Sicherheit (SESNSP) hervor. Zu dieser Zahl kommen Lidias und Ariadnas Fälle hinzu, die Anfang November Opfer dieser Art von Gewalt wurden.

Im Taxi entführt

Am 1. November fuhr Lidia Gabriela in einem Taxi im Stadtteil Iztapalapa. Der Taxifahrer soll sich geweigert haben, an der U-Bahn-Station Constitución zu halten, wohin Lidia fahren wollte. Dies soll die junge Frau dazu veranlasst haben, sich aus dem fahrenden Auto zu werfen, teilte die Generalstaatsanwaltschaft von Mexiko-Stadt (FGJCDMX) mit, weshalb der Fall bereits als möglicher Feminizid untersucht wird. Der mutmaßliche Täter wurde mittlerweile festgenommen.

Die 22-jährige Ariadna Fernanda wurde zuletzt lebend Ende Oktober im Stadtteil Condesa gesichtet, bevor sie offenbar in ein Taxi stieg. Stunden später wurde sie jedoch tot an der Autobahn nach Cuautla aufgefunden. „Wir möchten Sie darüber informieren, dass wir im Fall der jungen Frau Ariadna, die bedauerlicherweise tot auf der Autobahn aufgefunden wurde, eine strafrechtliche Untersuchung eingeleitet haben, um den Sachverhalt zu klären“, teilte die FGJCDMX dazu mit. Man stehe dazu in Kontakt mit der Generalstaatsanwaltschaft des Bundesstaates Morelos. Die Staatsanwaltschaft von Mexiko-Stadt erklärte außerdem, dass Opferbetreuer*innen sowie Ermittelnde der Kriminalpolizei in Kontakt mit den Angehörigen der jungen Frau stehen würden.

Dies wären nicht die ersten Fälle von Feminiziden, die nach einer Entführung in einem Taxi verübt wurden. So erging es 2019 auch Daniela, einer jungen Frau, die auf dem Weg von ihrer Arbeit zu einer Party im Stadtteil Xochimilco war; dort kam sie jedoch nie an. „Hilfe, ich glaube, der Taxifahrer will mich entführen. Bitte hilf mir“, war die letzte Nachricht der jungen Frau. Sie wurde erst Tage später tot in Tlalpan aufgefunden – nach einer Suchaktion, die laut Danielas Familie von Beginn an von Versäumnissen seitens der FGJCDMX geprägt war.

Mara Fernanda Castilla Miranda, eine junge Frau aus Puebla, wurde Opfer derselben Methode. Sie verschwand am 8. September 2017 in der Gemeinde Cholula, nachdem sie ein Taxi bestiegen hatte. Sieben Tage später wurde sie schließlich tot in einer Schlucht in San Miguel Xonacatepec an der Grenze zu Tlaxcala gefunden. Mitzi, eine 24-jährige Grundschullehrerin, bestieg im August 2019 ebenfalls ein Taxi in San Luis Potosí. Stunden später wurde sie mit Verletzungen im Gesicht ermordet aufgefunden.

Frauen fühlen sich in öffentlichen Verkehrsmitteln unsicher

Sieben von zehn Frauen fühlen sich in öffentlichen Verkehrsmitteln unsicher. Das ergab die landesweite Umfrage über Viktimisierung und Wahrnehmung der öffentlichen Sicherheit 2021 (Encuesta Nacional de Victimización y Percepción sobre Seguridad Pública, ENVIPE). Nach Angaben von UN Women wurden 96 Prozent der Frauen in Mexiko-Stadt mindestens einmal Opfer irgendeiner Form von Gewalt in öffentlichen Verkehrsmitteln.

Es lässt sich also feststellen: Die Straffreiheit angesichts der wiederholten Fälle von Feminiziden und verschiedenen Formen von Gewalt gegen Frauen in öffentlichen Verkehrsmitteln hat für ein Gefühl von Nachgiebigkeit gegenüber den Tätern gesorgt. Das führt dazu, dass Frauen sich überhaupt nicht mehr sicher fühlen können.

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