Späte Hilfe für Indigene

Bei dem bekannten brasilianischen Indigenenführer Paulinho Paiakan wurde am 8. Juni eine Atemwegserkrankung diagnostiziert. Neun Tage später verstarb er mit 66 Jahren am Coronavirus. Foto: Desinformémonos

(Lima, 19. Juni 2020, Servindi/poonal).- Die brasilianische Regierung hat ein Team von 23 Ärzt*innen in ein Schutzgebiet an der Grenze nach Peru entsandt, in dem indigene Gruppen in freiwilliger Isolation leben. Die Mediziner*innen sollen sich um etwa 7.000 Menschen kümmern. Die Zeit drängt: Am 17. Juni ist der bekannte indigene Anführer Paulinho Paiakan an Covid-19 gestorben.

Während Brasilien zu den Ländern gehört, die am Meisten von der Covid-19-Pandemie betroffen sind, scheint sich die Regierung von Jair Bolsonaro an die Indigenen des Amazonasgebiets erinnert zu haben. Über drei Monate nach dem Auftauchen des Virus in Brasilien hat das Gesundheitsministerium ein Team von 23 mit Schutzmaterialien ausgerüstete Ärzt*innen in das indigene Schutzgebiet Vale do Javarí geschickt, wo sich die meisten unkontaktierten indigenen Volksgruppen befinden.

Die Behörden selbst haben zugegeben, dass die Gegend nur über ein sehr rudimentäres Netz von Gesundheitsstationen verfügt, was die Versorgung der Bevölkerung erschwert. Zur Zeit ist das Ärzt*innenteam im städtischen Krankenhaus in Atalaia del Norte, am Ufer des Río Javarì stationiert. Von dort sollen sie aufbrechen, um die verschiedenen Gemeinden in dem Gebiet medizinisch zu versorgen.

Obwohl in Vale do Javarí bislang nicht systematisch getestet wurde, sind bisher 32 positive Fälle von Covid-19 registriert worden. Allerdings ist Brasilien das Land mit der am Schlimmsten betroffenen indigenen Bevölkerung, mit bisher 3.345 Fällen von Ansteckungen und über 100 bestätigten Todesfällen. Das teilte die Behörde für Indigene Gesundheit SESAI mit, die dem Gesundheitsministerium untersteht. Der Dachverband der Indigenen Völker Brasiliens APIB (Articulação dos Povos Indígenas do Brasil) hat hingegen bereits über 300 an Covid-19 verstorbene Indigene gezählt.

Anerkannter Indigenenführer gestorben

Vielleicht kommt die Initiative der Regierung bereits zu spät. Denn am 18. Juni verstarb der langjährige Anführer der indigenen Kayapó, Paulinho Paiakan mit 66 Jahren am Coronavirus. Paiakan wurde am 8. Juni positiv auf Covid-19 getestet, als er bereits an Atemwegserkrankungen litt. Da es in seiner Gegend keine Gesundheitszentren gibt, musste er in ein Krankenhaus im nordbrasilianischen Bundesstaat Pará eingeliefert werden.

Die Kayapó sind besonders von den mafiösen Strukturen betroffen, die im Amazonasgebiet illegalen Bergbau und Abholzung betreiben – beides Aktivitäten, denen sich Paulinho Paiakan zeit seines Lebens entgegen gestellt hat. Er ist ebenfalls bekannt durch seine Teilnahme an der indigenen Bewegung, die es erreicht hat, dass die Anerkennung der indigenen Ländereien 1988 in der brasilianischen Verfassung festgeschrieben wurde.

CC BY-SA 4.0 Späte Hilfe für Indigene von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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