Proteste wegen Feminizids an Achtjähriger

Foto: cimac noticias / César Martínez López

(Guatemala-Stadt, 15. Februar 2021, cimac noticias).- Unter dem Motto „Jungen und Mädchen haben das Recht, in Frieden zu leben, sich frei bewegen und spielen zu können und ohne Angst aufzuwachsen“ fanden am Wochenende des 13. und 14. Februars an verschiedenen Orten in Guatemala Demonstrationen statt. Grund dafür war der Tod der achtjährigen Sharon, die bei einer Fahrt mit dem Fahrrad in dem im Norden Guatemalas gelegenen Departamento Petén zuerst entführt und später zu Tode geprügelt und stranguliert worden war.

Am 15. Februar 2021 startete dann die Kampagne mit dem Titel „#Ich habe Angst, morgen bin ich #verschwunden und übermorgen #in Trauer“. Verschiedene Frauengruppen haben die Kampagne mit dem Ziel ins Leben gerufen, eine Diskussion über die schreckliche Gewalt, die im mittelamerikanischen Land herrscht, auszulösen.

Die Protestierenden machen den Präsidenten der Republik Alejandro Giammattei und den Innenminister Gendri Reyes verantwortlich für die Zunahme der Gewalt gegenüber Frauen. Sie hätten keine Präventionspläne aufgestellt, sondern die Institutionen, die Frauenrechte garantieren sollten, sogar noch geschwächt.

Im Jahr 2020 über 2.000 Haftbefehle wegen Gewalt an Frauen erlassen

Am 13. Februar protestierten Mädchen und Jugendliche im Gedenken an Sharon, indem sie mit ihren Fahrrädern zum zentralen Platz der Hauptstadt fuhren. Die Reaktion der Polizeibehörden war ein Zeugnis der fehlenden Sensibilität auf solch eine dramatische Situation: Sie bildeten einen Zaun aus uniformierten Beamt*innen vor dem Nationalpalast. Unterdessen berichtete Blanca Sandoval, Leiterin der auf Gewalt gegen Frauen spezialisierten Staatsanwaltschaft, dass im Jahr 2020 insgesamt 43.872 Klagen über Gewalt gegen Frauen eingegangen seien und man 2.272 Haftbefehle gegen die vermeintlichen Angreifer erlassen habe. Gleichzeitig brachte sie jedoch ihre Ablehnung gegenüber der Kampagne „#Tengo Miedo“ zum Ausdruck: „Auf diese Art und Weise erreicht man keine Gerechtigkeit in diesem Land.“

In Guatemala – ebenso wie in anderen Ländern – hat die Gewalt gegen Frauen aufgrund der Ausgangsbeschränkungen durch die Covid-19-Pandemie zugenommen. Und obwohl es sich um ein soziales Problem großen Ausmaßes handelt, fehlen den staatlichen Institutionen Pläne zur Prävention und Sicherheitsgarantien. So wird die Würde der Frauen missachtet. Zu dieser Aussage kann man kommen, da das legitime Streben nach sicheren Orten, an denen man studieren und arbeiten kann und Zugang zu Sport und Freizeit hat, nicht unterstützt wird, sondern die Aufforderung vorherrscht, „zuhause zu bleiben“, wo Mädchen und Frauen gleichermaßen misshandelt oder sexuell missbraucht werden.

Täglich 20 Vergewaltigungen zur Anzeige gebracht

In verschiedenen Medien wurden Aussagen verbreitet, die diese Angst erklären: „Aus Furcht, entführt und ermordet zu werden“; weil die Gewalt gegen Frauen aufgrund der Vorurteile der Personen, die mit der Durchsetzung der Gesetze beauftragt sind, zur Normalität wird; weil es im Moment der Anzeige für eine korrekte Behandlung notwendig ist, den genauen Straftatbestand des Angriffes zu kennen; und weil man häufig den Opfern die Schuld gibt oder diese als „lügenhaft“ bezeichnet. Die Referentin für Frauenangelegenheiten der guatemaltekischen Staatsanwaltschaft, Lucrecia de Vásquez, bekräftigte, dass allein im Januar dieses Jahres 60 Frauen auf gewaltsame Art und Weise ums Leben gekommen sind und, dass im Jahr 2020 täglich 20 Vergewaltigungen angezeigt wurden.

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