Höchster Anstieg der Kindersterblichkeit seit 24 Jahren

Argentinien Kindersterblichkeit
Das war einmal: Der damalige Bürgermeister von Buenos Aires, Mauricio Macri, verkündete 2011 eine historisch niedrige Kindersterblichkeit in der argentinischen Hauptstadt. Foto: Guillermo Viana-gv/GCBA via Flickr (CC BY 2.0)

(Buenos Aires, 2. Februar 2026, prensa latina).- Die Säuglingssterblichkeitsrate in Argentinien stieg im ersten Jahr der Regierung Javier Milei auf 8,5 von tausend Lebendgeborenen. Dies ist höher als im Krisenjahr 2002, zeigen Statistiken des Gesundheitsministeriums.

„Diese Zunahme stellt einen Bruch der historischen Tendenz des Rückgangs dar und zeigt die Auswirkungen der Armut und des Mangels an Vorsorgeuntersuchungen für Schwangere in den Provinzen des Nordostens und Nordwestens des Landes als eine der Ursachen“, warnte auch das UN-Kinderhilfswerk UNICEF, berichtet das digitale Medium Urgente24.

Im Jahr 2024, dem ersten vollen Jahr der Amtszeit Javier Mileis und seines rechtskonservativen Parteienbündnisses La Libertad Avanza, wurden 3.513 Todesfälle von Kindern unter einem Jahr gezählt. Die Provinzen Corrientes, Chaco und La Rioja verzeichnen die kritischsten Zahlen, die weit über dem nationalen Durchschnitt liegen.

Auswirkungen der Armut

Laut dem Bericht über die Lebenserwartungsstatistiken, der vom Gesundheitsministerium veröffentlicht wurde, nahm die Sterblichkeitsrate im ersten Lebensjahr zwischen 2023 und 2024 von 8,0 auf 8,5 von je tausend Lebendgeborenen zu. Der letzte relevante Anstieg wurde im Jahr 2022 registriert, er war jedoch niedriger (0,4 Punkte).

Die Hauptgründe für Sterbefälle kurz nach der Geburt sind Erkrankungen vor, während oder kurz nach der Geburt (56 Prozent) sowie angeborene Organveränderungen (28 Prozent).

Urgente24 weist darauf hin, dass der Anstieg Beunruhigung in medizinischen und akademischen Kreisen verursacht, und zitiert den ehemalige Gesundheitsminister Adolfo Rubinstein. Laut Rubunstein verzeichnen die meisten Länder in den letzten Jahrzehnten einen Rückgang der Säuglingssterblichkeit, so auch Argentinien – bis vor wenigen Jahren. „Deshalb ist dieser Anstieg sehr besorgniserregend, nicht nur wegen seines Ausmaßes, sondern weil er diesen langfristigen Trend bricht“, bemerkt der konservative Exminister und Epidemiologe.

Rubinstein bringt das Problem direkt mit den sozialen Rahmenbedingungen in Verbindung: „Diese Zahlen des Jahres 2024 sind vor allem auf den Zuwachs der Armut und ihrer sozialen und gesundheitlichen Folgen zurückzuführen, die ihren Ausgang in der Pandemie nahmen, in der Amtszeit von Alberto Fernández spürbar wurden und sich mit der Administration Javier Mileis verschlimmert haben.“

Weniger Beschäftigte im Gesundheitswesen

Fernando Zingman, der ebenfalls von Urgente24 zitierte ehemalige Leiter des Gesundheitsbereichs von UNICEF Argentinien warnte vor einer Fragmentierung der politischen Verantwortlichkeiten: „Die führende Rolle des Gesundheitsministeriums…ist zurückgegangen und die Zahl der Beschäftigten, die sich um dieses Thema kümmern, hat sich verringert…jede Provinzen löst das für sich.“

Die höchsten Anstiege wurden in der Provinz Corrientes registriert, mit einer Rekordzunahme der Säuglingssterblichkeitsrate von 7,5 auf 14, gefolgt von Chaco auf 11,8, in La Rioja auf 11,7 und in Misiones von 5,8 auf 9,5, während die Stadt Buenos Aires mit 4,9 die niedrigste Rate verzeichnete.

Strukturelle Herausforderungen

Die Gesundheitsversorgung rund um Schwangerschaft und Geburt sieht sich mit strukturellen Herausforderungen konfrontiert, die sich auf die Säuglingssterblichkeit auswirken. Darauf weisen UNICEF und das Gesundheitsministerium hin und mahnen, dass 65,2 Prozent der Schwangeren in Argentinien nicht die empfohlenen acht Vorsorgeuntersuchungen durchlaufen. In der Provinz Chaco beträgt deren Anteil 83,6 Prozent.

Außerdem hat das Land eine Rate an Kaiserschnitten von 43,3 Prozent, was die von internationalen Organisationen empfohlene Spanne von 15 bis 20 Prozent übersteigt.

Zwar stillen 96,9 Prozent der Mütter zu Beginn ihre Babys, doch nur 53 Prozent behalten es wie empfohlen bei, bis das Baby sechs Monate alt ist. Dies sei dem Mangel an Unterstützung im Erwerbsleben und dem Einfluss der Industrie für künstliche Säuglingsnahrung geschuldet, so die von Urgente24 zitierten Experten.

Übersetzung: Constanze Schwärzer

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