Trau keiner Statistik, die du nicht selbst gefälscht hast – Disput um die Armutserfassung

Foto: Karla Nney Medrano, CC BY-NC-SA 2.0
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(Mexiko-Stadt-Berlin, 29. Juli 2016, poonal).- Zwischen dem Nationalen Beirat für die Evaluierung der Sozialpolitik (Coneval) und dem Nationalen Statistikinstitut (Inegi) ist es in Mexiko zu einem handfesten Streit über das Ausmaß der Armut im Land und deren Erfassung gekommen. Hintergrund ist eine geänderte Bewertungsmethode des Inegi, mit der die Jahreseinkommen der Haushalte registriert werden. Demnach haben die Einkommen der ärmeren Bevölkerungsschichten 2015 gegenüber den Vorjahresmessungen deutlich zugenommen. Die Lücke zwischen den Einkommen des ärmsten und des reichsten Zehntel der Bevölkerung hätte sich demnach leicht geschlossen. Kritiker*innen werfen der Regierungsbehörde Schönfärberei vor.

Fehlende Vergleichbarkeit und fragwürdige Rechengymnastik

Zwischen den Zeilen äußert das auch der Coneval. Der Beirat weigert sich, die jüngsten Inegi-Daten zu benutzen und den Armutsbericht des Inegi wie sonst Ende Juli üblich, in der Öffentlichkeit zu präsentieren. Aufgrund der geänderten Methode, über die der Beirat zudem nicht rechtzeitig informiert worden sei, ist laut Coneval-Geschäftsführer Gonzalo Hernández eine Vergleichbarkeit mit den Vorjahren nicht gegeben. Die Statistikbehörde gibt die fehlende Vergleichbarkeit zu, weist aber böse Absichten zurück. Ihr Direktor Julio Santaella versicherte bei einer Anhörung im mexikanischen Senat, es gehe der Behörde darum, Einkommen der Haushalte präziser zu erfassen. Es sei entdeckt worden, dass die vom Inegi Befragten manchmal „keine vollständigen Angaben“ machten.

Selbst der Unternehmerkoordinationsrat CCE machte in einer Stellungnahme deutlich, abseits der Debatte über Messmethoden bleibe das reale Problem in Mexiko „eine Herausforderung riesigen Ausmaßes“. Die relative Minderung der extremen Armut würde von absoluten Zahlen begleitet, die 11 Millionen Mexikaner*innen als absolut arm und insgesamt 55 Millionen als arm einstufen. Mehr Beschäftigung, eine effektivere Sozialpolitik, bessere Bildung und die Prävalenz des Rechtsstaates nannte CCE-Präsident Juan Pablo Castañon als Bedingungen, die Armut in Mexiko entscheidend zu verändern. Höhere Löhne erwähnte die Wortmeldung des CCE allerdings nicht.

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