Kubanischer Dichter in Ungnade

(Berlin, 19. Februar 2009, npl).- Eigentlich sollte “Boring Home”, die Sammlung von 17 Erzählungen des kubanischen Schriftstellers Orlando Luis Pardo Lazo, offiziell auf der zur Zeit in Havanna stattfindenden Internationalen Buchmesse vorgestellt werden. Der Autor, der sogar als Jury-Mitglied für einen dort vergebenen Preis hätte an der Messe teilnehmen sollen und bereits vier Bücher und mehrere Artikel in Kuba publiziert hat, ist den kubanischen Behörden jedoch zu kritisch geworden. Der staatliche Verlag Letras Cubanas stoppte den Druck des Werkes.

Nach der Eröffnung der Buchmesse am 12. Februar riefen kubanische Bloggerinnen und Blogger daher zu einer öffentlichen Vorstellung von Boring Home vor den Toren der Festung Cabañas au. Dort, wo die Buchmesse alljährlich stattfindet. Lazo, der selbst einen Blog mit dem Namen Lunes de Postrevolución (Postrevolutionärer Montag) betreibt, schreibt dort über Drohungen per Telefon und E-Mail, die nach der Ankündigung der inoffiziellen Lesung bei ihm zu Hause eingegangen seien. „Wenn dein Sohn am Montag zur Buchmesse geht, dann werden wir ihm den Schwanz abschneiden“, habe ein anonymer Anrufer zu seiner Mutter gesagt. Lazo trägt weiter ein: „Es handelt sich dabei um private E-Mails mit falschen IDs. Prügel, Lust mir das Gesicht zu verunstalten, Tritte in den Hintern, falls ich es wage, am Montag, den 16. Februar, auf der Buchmesse zu erscheinen und dort „Freelance“ eine Edition meiner Erzählungen Boring Home zu präsentieren.” In Interviews hatte Lazo darauf hingewiesen, dass nicht der Inhalt des Buches die Ursache der Zensur sei, sondern seine Aktivitäten in der kubanischen Bloggerszene und das Publizieren seiner Texte in der exilkubanischen Presse. Nach Ansicht des Autors befänden sich alle Kulturschaffenden im selben Raum, der sich nicht in Exil, Nation, offiziell Anerkanntes oder Untergrund aufspalte.

Begleitet von internationaler Presse, Freund*innen und sympathisierenden Schriftsteller*innen konnte Lazos Buch dann am Nachmittag des 16. Februar ohne größere Zwischenfälle von der international bekannt gewordenen Bloggerin Yoani Sánchez vorgestellt werden. Die Teilnehmer*innen erhielten das Buch auf CD. Im Internet kann es von den Blogs von Orlando Luis Pardo Lazo und Yoani Sánchez herunter geladen werden.

Blog von Orlando Luis Pardo Lazo auf Spanisch: http://orlandoluispardolazo.blogspot.com/

Blog von Yoani Sanchez, deutsche Übersetzung: http://www.desdecuba.com/generationy_de/

CC BY-SA 4.0 Kubanischer Dichter in Ungnade von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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