Kein Fisch

von Federico Zugarramurdi

Fischerboote im Hafen / laurw, CC BY 2.0, flickr(Montevideo, 07. Mai 2014, la diaria).- Die Kleinfischer*innen des Flusses Rio Plata, zusammengeschlossen in der Vereinigten Gewerkschaft der Meeresarbeiter*innen und angeschlossener Gewerbe SUNTMA (Sindicato Único Nacional de Trabajadores del Mar y Afines) zogen gestern in einer Demonstration vors Parlament. Angesichts des Ausbleibens der Fische, mit denen sie ihren Lebensunterhalt verdienen, verschafften sie dort ihren Forderungen Luft.

Von Seelöwen, Baggerschlamm und Tüten

Alejandro Celis, Delegierter der SUNTMA erklärte gegenüber la diaria, dass dann, wenn sie während der drei Herbstmonate* fischen könnten, es Schwierigkeiten mit Seelöwen gebe, die ihnen den Fang wegfressen und die Netze zerstören würden. Es gehe nicht darum, „den Seelöwen den Garaus zu machen“, so Celis. Die Fischer*innen forderten vielmehr eine Lösung, damit sie während dieser schwierigen Monate überleben könnten, indem „ein Gleichgewicht innerhalb des Ökosystems“ erhalten werde.

Doch die Konkurrenz mit den „Perückenträgern“ (Pelucones), wie die Seelöwen auch genannt werden, ist nicht das einzige Problem der Fischer*innen. Celis unterstrich, dass die Kleinfischerei durch unter Wasser vorgenommene Explorationsarbeiten auf der Suche nach Erdgas beeinträchtigt werde, durch Ausbaggerungsarbeiten für das Gasaufbereitungswerk und den Tiefseehafen in Rocha.

Verklappung von Abfällen in der Dreimeilenzone

Einer der Die „von ANCAP mit komprimierter Luft unter Wasser vorgenommenen Explosionen auf der Suche nach Kohlenwasserstoffen, zerstört die Nahrungskette“ und vertreibe die Fische von der Küste, so Celis. Durch die Baggerarbeiten, so stellte der Gewerkschafter heraus, würde man zudem „Schlamm und tausende Tüten fischen“. Er kritisierte zudem, dass „die Plattformen für das Gasaufbereitungswerk in der Flussmündung“ konstruiert werden, die „sehr gut als Rückzugsgebiet und Laichplatz für die in Uruguay zum Fischfang genutzten Arten geeignet ist“.

Dass es mehr als 200 Handelsschiffe vor der Küste zwischen Punta Negra (Maldonado) und Buceo (Montevideo) gibt, ist für die Fischer*innen ein weiterer Grund zur Sorge. Diese „Invasion von Schiffen, die – um die Steuern in den Häfen zu umgehen – in der Dreimeilenzone bleiben“, verschmutzen das Meer in „immensen Ausmaßen“, indem sie kontaminierende Abfallstoffe ins Wasser ablassen, „wie Treibstoffe, Reste von Mitteln zur Motorenreinigung, Altöle und Fette“.

Politiker*innen versprechen Gespräche

Ein Dokument mit den Forderungen der Fischer*innen wurde den Sekretär*innen aller Parteifraktionen des Parlaments sowie dem Sekretär der Kommission für die Arbeitsgesetzgebung des Unterhauses übergeben. Später versammelten sich die Fischer*innen mit Industrieminister Roberto Kreimerman, der versprach, einen multidisziplinären Rahmen zu schaffen, um das Thema zu diskutieren, erklärte Celis.

Zudem gab es auch eine Zusammenkunft mit Vertreter*innen des Arbeitsministeriums und des Ministeriums für Soziale Sicherheit, bei der ein Weg gefunden werden sollte, um für den Sektor der Kleinfischerei einen Weg aus der Krise zu finden, denn „die Kleinfischer haben keine Sozialversicherung“, unterstrich Celis. „Vereinbart wurde ein Ministerrat, um das Thema Fischerei so schnell wie möglich zu besprechen, wenn der Präsident wieder zurück ist“, fügte der Gewerkschafter hinzu.

Foto: PabloMFernandez, CC BY-NC 2.0, flickrFischimporte aus Vietnam

Celis machte außerdem deutlich, dass, selbst „wenn es Fische gäbe, wir sie nicht verkaufen könnten“, wegen des Rückgangs bei Exporten. Die Kleinfischerei verkauft ihren Fang einen Teil des Jahres auf dem Binnenmarkt, doch während der besten Fangzeiten, dann wenn in Uruguay Winter ist, wurde der Fisch nach Nigeria und nach Asien exportiert.

„Nigeria hat seinen Markt jedoch gegenüber unseren Exporten dicht gemacht, um seinen Markt zu schützen“, erklärt Celis weiter und hebt hervor, dass obendrein auch noch Fisch aus Vietnam nach Uruguay importiert und billiger als der einheimische Fang verkauft werde. Dies schaffe eine „verzerrte Wettbewerbssituation“, so der Gewerkschafter. „Wir brauchen in Uruguay eine Kultur des Fischessens und gleichzeitig muss der Staat dafür sorgen, dass Fisch billiger wird, denn er ist sehr teuer“, fordert Celis abschließend.

 

* Anm. der poonal-Redaktion zum Verständnis des Textes: In Uruguay verlaufen die Jahreszeiten entgegengesetzt zu den unsrigen. Im Süden Südamerikas ist jetzt Herbst und es wird bald Winter.

CC BY-SA 4.0 Kein Fisch von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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