Bürgermeisterkandidat traf Geheimabsprachen mit Drogenring

(Venezuela, 13. Juni 2009, telesur).- Der Kandidat für das Amt des Bürgermeisters der reichsten Gemeinde Mexikos traf geheime Absprachen mit Beltrán Leyva, einem der größten Drogenkartelle des Landes. Es ging um einen Pakt zur Wahrung der öffentlichen Sicherheit. Das entscheidende Gespräch war auf Tonband aufgezeichnet und Anfang Juni in der Online-Zeitung Índigo Media veröffentlicht worden.

„Aber wir möchten nicht, dass ganz offen auf der Straße Drogen verkauft werden, das hab ich ihm klar gesagt “, hört man die Stimme von Mauricio Fernández sagen. Er kandidiert in der Gemeinde San Pedro für die Regierungspartei PAN (Partido de Acción Nacional) im Norden des Landes. San Pedro gehört zu den Gemeinden mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen in ganz Lateinamerika. Es liegt nur wenige Minuten von der Finanzmetropole Monterrey entfernt. Luxushotels reihen sich an prächtige Villen. Verschiedene internationale Konzerne haben sich hier niedergelassen. Fernández’ Familie besitzt den ALFA-Konzern, eines der größten Industriekonglomerate Mexikos. „In San Pedro ist die Welt in Ordnung, aber das verdanken wir nicht etwa der Polizei“, hört man Fernández’ Stimme sagen. Sollte er als Sieger aus der Wahl hervorgehen, brauche man sich auch in Zukunft keine Sorgen machen, denn das von ihm entworfene Sicherheitskonzept sei von dem Drogenkartell abgesegnet worden.

Fernández bezeichnete den Videomitschnitt inzwischen als Fälschung und erklärte, er sei von einem Índigo Media-Mitarbeiter erpresst worden. Dieser habe gedroht, das Band zu veröffentlichen, falls Fernández nicht bereit sei, eine halbe Million mexikanische Pesos (fast 37.300 US-Dollar) zu zahlen. Als der Politiker dies zurückwies, sei der Journalist auf 70.000 Pesos (5.200 US-Dollar) heruntergegangen. Neben finanziellen Interessen seien auch politische im Spiel, so Fernández. Er verdächtige seinen Gegenspieler Juan Carlos Pérez Góngora, den Kandidat der Partido Revolucionario Institucional (PRI) als Drahtzieher der Affäre. Es handle sich bei den Tonbandaufnahmen um Aufzeichnungen öffentlicher Konferenzen, und seine Äußerungen seien absichtlich ohne Zusammenhang wiedergegeben worden, um die Aussage zu verfälschen. „Ich habe vor einigen Monaten meine Ideen zur Sicherheitspolitik dargelegt. Anschließend habe ich die Rückfragen aus dem Publikum beantwortet und in diesem Zusammenhang über die korrupte und von der Drogenmafia unterwanderte Polizei gesprochen und mich zum Einfluss der Drogenkartelle in Nuevo León geäußert.“, so der Bürgermeisterkandidat.

Tatsächlich scheint die brisante Aufzeichnung jedoch beim Essen entstanden zu sein. Während im Hintergrund die Teller klappern, erklärt Fernández, die Ruhe in San Pedro Garza García verdanke man letztlich Beltrán Leyva, einem der sechs größten Drogenkartelle in Mexiko.„Die hängen sich an deine Fersen, und wer als Kandidat auf ein politisches Amt behauptet, bei ihm hätten sie das nicht versucht, der lügt einfach“, so plauderte der Industriellensohn aus dem Nähkästchen. „Wie mir scheint, legen die großen Wert darauf, in Ruhe gelassen zu werden, das muss man also ausnutzen. (…) Wenn wir uns schnell entscheiden, könnten wir ruck-zuck zu einer Einigung kommen“, so Fernández zu seinen Gesprächspartnern. Fernández trat bei den Wahlen am 5. Juli an, bei denen die Abgeordnetenkammer, sechs Gouverneure, Kommunalregierungen und Landesparlamente gewählt wurden. Trotz des Skandals ging Fernández bei der Wahl als Sieger hervor.

Beltrán Leyva hat bereits verschiedene Bundespolitiker korrumpiert, die mit der Drogenbekämpfung betraut gewesen waren. Dabei flossen Bestechungsgelder in Höhe von bis zu 500.000 US-Dollar monatlich. Im Zuge einer so genannten Säuberungswelle (Operación Limpieza) wurden bereits einige Politiker verhaftet. Seit Felipe Calderón 2006 die Präsidentschaftswahl gewonnen hat, wurden 573 Amtsinhaber der Sektoren Justiz und Innere Sicherheit auf lokaler, regionaler und auf Bundesebene der Kollaboration mit Drogenkartellen überführt. Davon gehörten 373 dem lokalen Sicherheitsapparat an, 155 waren bei den verschiedenen Polizeieinheiten beschäftigt, und 45 bekleideten Ämter auf Bundesebene. Diese Angaben gehen auf Auskünfte des mexikanischen Staatsanwalts Medina Mora zurück. Fast ganz Mexiko, insbesondere der Norden des Landes, wird von mächtigen Drogenkartellen beherrscht, die darüber hinaus die lukrativsten Drogenrouten in die USA kontrollieren. Die von den Drogenbanden initiierte Gewaltspirale hat in Mexiko den Begriff der „Narcoviolencia“ geprägt. Neben der Unterwanderung der staatlichen Institutionen steht die erschreckende Zahl der Gewaltverbrechen. Öffentlichen Angaben der Staatsanwaltschaft zufolge wurden allein in diesem Jahr bereits 2.600 Tötungsdelikte im Zusammenhang mit dem Drogenhandel registriert. Für das gesamte Jahr 2008 betrug die Zahl um die 6.000.

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