Argentinien

Wieder Straßenblockaden gegen Großbergbau


von Darío Aranda

Argentinien Asamblea El Algarrobo. Foto: Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0) (Andalgalá, 26. Januar 2015, Pagina12).- In der argentinischen Provinz Catamarca im Nordwesten des Landes blockierten Gegner*innen des Großbergbaus die Zufahrtsstraße für Lastwagen zu einer neu geplanten Mine mit dem Namen “Bajo el Durazno” (etwa: Unterhalb der Stadt El Durazno). Das Projekt befindet sich in Händen derselben Gesellschaften, die auch die Gold- und Kupfermine “Bajo de la Alumbrera” betreiben. Die Gegner*innen kritisieren technische und behördliche Unregelmäßigkeiten.

In der in der Provinz Catamarca gelegenen Stadt Andalgalá, der Vorreiterin im Großbergbau (dort wurde die Mine “Bajo de la Alumbrera” errichtet; es war der erste, große Abbau unter freiem Himmel), begann das Jahr 2015 mit Kundgebungen und Straßensperren. Angeprangert wurde die “unrechtmäßige Genehmigung” eines neuen Bergwerks mit dem Namen “Bajo el Durazno”. Dieses befindet sich in Händen der gleichen Gesellschaften, die auch schon die Mine “Bajo de la Alumbrera” betreiben. “Das wird den Todesstoß für das Grundwasser des Beckens ‚Campo del Arenal‘ bedeuten (aus dem das Wasser entnommen wird) und damit das endgültige Ende für das Gleichgewicht des Wasserhaushaltes der Region”, warnte die Bürgerbewegung ‚El Algarrobo‘. Die Nutznießer der Minen sind die Firmen Glencore-Xstrata, Yamana Gold und Goldcorp.

Tagebau seit 20 Jahren

Der Westen der Provinz Catamarca mit den Städten Andalgalá, Belén und Santa María machte im Jahr 1994 mit dem Großbergbau Bekanntschaft, als die Bundesregierung von Carlos Menem und die Provinzregierung unter Arnoldo Castillo den Abbau des Vorkommens “Bajo de la Alumbrera” vorantrieb und genehmigte. Betrieben wird das Bergwerk von einem Konsortium multinationaler Gesellschaften sowie der staatlichen argentinischen Gesellschaft YMAD (Yacimiento Mineros de Agua de Dionisio), die unter der Kontrolle der argentinischen Bundesregierung, der Regierung der Provinz Catamarca und der Universität ‚Nacional de Tucumán‘ steht.

Im Jahr 2000 und in dem darauffolgenden Jahrzehnt nahmen Kritik und Diskussionen zu. Der Befürworter des Bergbaus und Bürgermeister von Andalgalá, José Perea, bekannte offen, dass nur 50 Bewohner*innen der Stadt in der Anlage arbeiteten. Außerdem wurden mindestens vier Überflutungen bestätigt und das Unternehmen gab Durchsickerungen in den Absetzteichen zu.

Repression und Heimlichtuerei

Im Jahr 2009 demonstrierte die Bevölkerung gegen ein neues Projekt, genannt Agua Rica – das reiche Wasser. Die Mine sollte an den Quellen der Flüsse errichtet werden, die die Stadt mit Wasser versorgen. (Geplant war, dass das Vorhaben von Yamana Gold realisiert werde, einer der Mitgesellschafter der Mine “Bajo de la Alumbrera”). Die starke Repression im Februar 2010 verstärkte den Widerstand gegen die Mega-Mine noch. Momentan ist die Errichtung von Agua Rica aufgrund eines Gerichtsurteils gestoppt.

Im Dezember 2014 stimmte die Regierung von Catamarca überraschend und ohne vorherige Einberufung einer öffentlichen Anhörung (so wie es die nationale Gesetzgebung vorschreibt) der Umsetzung eines neuen Kupfer- und Goldprojektes mit dem Namen “Bajo el Durazno” zu. Das Vorhaben befindet sich in Händen derselben Unternehmen, die bereits seit zwei Jahrzehnten den Abbau in den Bergen von Catamarca betreiben.

„Der Abbau von Bajo el Durazno beginnt“, wurde in einem Bericht der Gesellschaft Minera Alumbrera am 09. Januar 2015 bekanntgegeben. Dieser stellt im Detail dar, dass zwischen 2015 und Mitte 2016 insgesamt 15.000 Tonnen Kupfer sowie 100.000 Unzen Gold gefördert werden sollen. Außerdem bestätigte man, dass dieselbe Infrastruktur wie von Alumbrera benutzt werden solle und man „45 junge Menschen unter Vertrag nehmen würde und so Gelegenheit zum lokalen Wachstum gäbe“. Es wurde hervorgehoben, dass die Provinzregierung dem Bericht zur Umweltbelastung IIA (Informe de Impacto Ambiental) zugestimmt habe.

Die Bürgerbewegung El Algarrobo war genau der gegenteiligen Ansicht. “Dieses Vorhaben ist durchzogen von technischen und behördlichen Unregelmäßigkeiten. Man will es wie ein ‚Anhängsel‘ der aktuell betriebenen Mine ‚Bajo de la Alumbrera‘ aussehen lassen, aber in Wahrheit ist es eine andere Mine”, so eine Mitteilung der Bürgerbewegung der Provinz Catamarca. Sie erinnerte daran, dass die Mine Alumbrera auf eine lange Geschichte von Unglücksfällen, Überflutungen, Rissen und Einstürzen zurückblicke und erklärte, dass “Bajo el Durazno” denselben Absetzteich benutzen werde, bei dem „wiederholt Mängel in der Konstruktion und im Unterhalt gemeldet wurden und dieser sich auf einer großen Erdspalte befindet“.

Vage Gespräche statt öffentliche Anhörungen

Das Unternehmen teilte mit, dass vor der Zustimmung zu dem Umweltbericht IIA “während der Ausarbeitung der Studie Gespräche in den Gemeinden” geführt worden seien. Die Bürgerbewegung El Algarrobo erinnerte jedoch daran, dass keine „Gespräche“ durchgeführt werden sollten, sondern „öffentliche Anhörungen“, in denen alle Beteiligten mitwirken müssten und – was besonders wesentlich wäre – dass diese im Vorfeld über die Informationen und Studien verfügten, um diese prüfen und ihre Einwände in der Anhörung vorbringen zu können. Nichts von alledem sei bei “Bajo el Durazno” geschehen.

Unternehmen und Regierungen sollten hauptsächlich mit einer „soziale Erlaubnis“ agieren – die Unterstützung der Bevölkerung für eine Weiterführung des Mega-Bergbaus. Dieses wurde aber nach den Kämpfen in den Gemeinden von Esquel, Loncopué und Famatina nicht mehr als Aushängeschild verwendet. In Catamarca gelang es den Unternehmen nach der Niederschlagung der Proteste gegen Agua Rica im Jahr 2010 nicht mehr, ihr negatives Image abzustreifen. In Adalgalá wird der Widerstand von mindestens drei Gruppen geführt: Die Bürgerbewegung El Algarrobo, die Organisation der leisen Frauen (Organización de las Mujeres del silencio) und der selbstorganisierten Bürgerversammlung „Vecinos Autoconvocados“.

„Es gibt eine Unterwerfung des öffentlichen Willens, den man jeden Tag beobachten kann. Wir fordern, dass sowohl die kommunale als auch die provinzielle und die nationale Gesetzgebung respektiert wird“, so die Bürgerbewegung.

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