Kolumbien

Weiterer indigener Anführer im Chocó ermordet


Kolumbien asesinado Choco. Foto: Servindi(Lima, 23. Oktober 2012, servindi/pulsar).- Erneut ist ein indigener Anführer im kolumbianischen Department Chocó ermordet worden. Das teilte die Vereinigung der indigenen Räte der Wounaan, Embera-Dobida, Katío, Chamí und Tule im Chocó, OREWA, mit. In ihrer Erklärung heißt es, der 39-jährige indigene Vorsitzende der Gemeinde La Jagua in Nuquí, Leobigildo Cunanpi Quiro, sei am 20. Oktober “von Unbekannten hinterhältig ermordet worden, als er von einem wichtigen Treffen mit seiner Gemeinde kam.” Von den Tätern fehle jede Spur.

Obwohl ein Tatmotiv fehle, geht die OREWA “ziemlich sicher” davon aus, dass sein Tod mit seiner “Führungsposition, dem Kampf und dem Widerstand gegen die Menschenrechtsverletzungen in jenem Teil des Departments Chocó” in Zusammenhang steht.

Die Organisation beklagte und verurteilte den Mord an Cunanpi, der den Embera-Dobida angehörte. Solche Verbrechen würden mittlerweile systematisch begangen.

Bereits 78 indigene Todesopfer in 2012

Wie die Nationale Vereinigung der Indigenen Kolumbiens ONIC (Organización Nacional Indígena de Colombia) mitteilte, sind in der ersten neun Monaten diesen Jahres bereits 78 Indigene in Kolumbien ermordet worden. Mit 24 Toten sind die Embera im Chocó am zweitstärksten von den Morden betroffen.

Zu den Morden kommen noch 47 Todesdrohungen hinzu. Zudem sei die Zahl der vertriebenen Indigenen auf über 10.000 angestiegen. Grund seinen die fortdauernden Kämpfe zwischen den staatlichen und nicht-staatlichen bewaffneten Gruppen. Das am meisten betroffene Volk sind die Nasa, die im Norden des Departments Cauca leben.

Jahr des Kampfes für Selbstbestimmung

Kolumbien Organizacion indigena. Foto: Pulsar/OnicDie indigenen kolumbianischen Völker haben 2012 zum Jahr des Kampfes für die Selbstbestimmung und die Verteidigung ihres Gebietes erklärt. Deswegen verlangen sie sowohl von der kolumbianischen Armee, als auch von den Guerilla-Organisationen und paramilitärischen Banden, dass diese die angestammten indigenen Gebiete verlassen. Weiterhin fordern sie von den transnationalen Konzernen, die natürlichen Ressourcen der Indigenen nicht auszubeuten. Der kolumbianische Staat wird aufgefordert, für die Einhaltung der individuellen und kollektiven Rechte der indigenen Völker zu garantieren.

CC BY-SA 4.0 Weiterer indigener Anführer im Chocó ermordet von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

Nach dem Friedenschluss: Menschenrechtslage für Aktivist*innen hat sich verschlechtert
24
Seit dem 24. November 2016 herrscht endlich Frieden in Kolumbien! Zumindest wird das der internationalen Öffentlichkeit so dargestellt, denn die kolumbianische Regierung und die größte kolumbianische Rebellenorganisation FARC haben an jenem Tag einen historischen Friedensvertrag unterschrieben. Tatsächlich ist seitdem die Zahl der bewaffneten Konflikte in dem Land zurückgegangen. Allerdings gilt das nicht für soziale Aktivist*innen und Menschenrechtsverteidiger*innen. Seit...
Broschüre: Land, Kultur, Autonomie- Die indigene Bewegung im Cauca
19
„Land, Kultur, Autonomie, die indigene Bewegung im Cauca“ so heisst die im Januar 2019 vom Kollektiv Zwischenzeit herausgegebene Broschüre zu Kolumbien. In 22 Artikeln wird die emanzipatorische Bewegung der indigenen Gemeinschaften im Cauca im Südwesten Kolumbiens so eindringlich dargestellt, dass ich als Leser*in selbst das Gefühl habe vor Ort zu sein. In vielen Interviews kommen Sprecher*innen der indigenen Gemeinden zu Wort, über die Kämpfe gegen die Multis, die Rolle der ...
onda-info 453
67
Hallo und Willkommen zum onda-info 453! Zunächst nach El Salvador: Ihr erhaltet ihr einen kurzen Überblick über die Präsidentschaftswahlen und den zukünftigen, etwas konturlosen Präsidenten Nayib Bukele. „Land, Kultur, Autonomie, die indigene Bewegung im Cauca“ heißt die im Januar 2019 vom Kollektiv Zwischenzeit herausgegebene Broschüre zu Kolumbien. In 22 Artikeln wird die emanzipatorische Bewegung der indigenen Gemeinschaften im Cauca im Südwesten Kolumbiens so eindri...
onda-info 452
73
Hallo und Willkommen zum onda-info 452! Unser knallvolles Infomagazin startet jetzt mit einer Nachricht aus Brasilien von der erneuten, verheerenden Schlammlawine in Minas Gerais. Schon im November 2015 begrub eine gewaltige Schlammlawine in Brasilien mehrere Dörfer unter sich. Damals brach das Klärbecken einer Eisenmine, ebenfalls im Bundesstaat Minas Gerais. Einen ausführlichen Beitrag dazu findet ihr in unserem Archiv Fokus Menschenrechte 2016. Das onda-info geht wei...
Zwischen Waffen und Behutsamkeit: Der Alltag der kolumbianischen Guerilla ELN
242
(Bogotá, 5. Dezember 2018, colombia informa).- Fortsetzung der Chronik aus den Wäldern des Chocó. Journalist*innen von Marcha, Brasil de Fato, Peoples Dispatch und Colombia Informa haben sich in das unwegsame Gelände aufgemacht, um die Frauen und Männer kennenzulernen, die in einer der ältesten Widerstandsgruppen der Welt aktiv sind. “Ich gehöre zur Nationalen Befreiungsarmee ELN (Ejército de Liberación Nacional) und bin Teil des Kommandos Ernesto Guevara”, stellt sich Yes...