Kolumbien

Weihnachtlicher Waffenstillstand zwischen ELN und kolumbianischer Regierung


Foto: El Ciudadano

(Bogotá, 17.12.2018, pressenza).- Wegen der Weihnachtstage sollte ab dem 23. Dezember ein zwölftägiger Waffenstillstand zwischen der kolumbianischen Guerilla ELN (Ejército de Liberación Nacional) und der kolumbianischen Regierung in Kraft treten. Dies gab die Aufstandsbewegung bekannt, die zudem forderte, die Friedensverhandlungen auf Kuba wieder aufzunehmen.

Das Zentralkommando der ELN veröffentlichte auf Twitter ein Kommuniqué, in dem sie den Waffenstillstand ankündigte: „Auf Bitten der Gemeinden der Gebiete hin, in denen wir uns befinden, wird die ELN die offensiven Operationen vom 23. Dezember 2018 bis zum 3. Januar 2019 einstellen, um zu einer friedlichen Atmosphäre an Weihnachten und Neujahr beizutragen“.

100 Tage langer Waffenstillstand bereits 2017

Dies ist nicht der einzige Waffenstillstand zwischen den beiden kolumbianischen bewaffneten Kräften. Bereits 2017, als die Friedensverhandlungen in Quito stattfanden, vereinbarten die kolumbianische Regierung und die ELN einen bilateralen Waffenstillstand vom 1. Oktober 2017 bis 9. Januar 2018. In den 101 Tagen sollten günstige Bedingungen geschaffen werden, um ein Friedensabkommen auf den Weg zu bringen, das der kolumbianischen Bevölkerung friedliche Weihnachten ermöglichen sollte.

Einige lokale Medien berichteten, dass die ELN in den letzten Wochen, in denen die Friedensverhandlungen unterbrochen waren, Angriffe gegen die Polizei, sowie gegen die Infrastruktur von Erdöl- und Transportunternehmen in verschiedenen Gebieten des Landes gestartet hatte.

Nach Angaben der spanischen Nachrichtenagentur EFE versicherte die ELN in ihrem Kommuniqué zudem, dass sie die Friedensverhandlungen, die im Februar 2017 begonnen wurden, weiterführen wolle. Die ELN forderte den neuen Präsidenten auf, er müsse „seine Delegierten nach Kuba schicken“, wo die Repräsentant*innen der Guerilla sich weiterhin aufhalten.

Neuer Präsident stellt Bedingungen

Die Friedensverhandlungen, die am 1. August unterbrochen wurden, stecken in einer Krise. Bis August hatten die ELN und die vorherige kolumbianische Regierung auf Kuba verhandelt. Der neue Präsident Duque stellte jedoch bereits noch vor seiner Wahl Bedingungen an eine Wiederaufnahme der Verhandlungen. Die Guerrilla müsse ihre „kriminellen Aktivitäten, vor allem die Geiselnahmen, beenden und alle Gefangenen freilassen“. Die ELN stimmte diesen Bedingungen in ihrem Schreiben nicht zu, sondern betonte:

„Präsident Duque, den Weg und die Bemühungen zu verlassen, die zu einem Dialog und zu Frieden führen, verschärfen die Krise in Kolumbien. Auf diese Weise wird das, was vom Friedensabkommen mit der FARC noch übrig ist, zerstört und der Prozess einer politischen Lösung mit der ELN verleugnet“. Die Guerilla betonte außerdem, weiterhin nach einer politischen Lösung des Konflikts zu streben und den Verhandlungstisch in Havanna nicht zu verlassen.

Des Weiteren bekräftigte die ELN, dass sie nach der vereinbarten Agenda, zusammen mit der Zivilgesellschaft und von der internationalen Gemeinschaft begleitet, an der Fortführung eines Dialogs arbeiten werde, um nach humanitären Abkommen zu streben und um einen neuen bilateralen Waffenstillstand zu vereinbaren, wie jener, der von Oktober 2017 bis Januar 2018 in Kraft war.

Der Originalartikel stammt von El Ciudadano.

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