Guatemala

Trotz Auflagen des Interamerikanischen Gerichtshofs: Morde an Straßenkindern weiter ungeklärt


(Guatemala-Stadt, 26. Januar 2009, cerigua).- Ungeachtet der angemahnten Ermittlungen im Falle einer außergerichtlichen Hinrichtung von fünf Straßenkindern, im Juni 1990, ist der guatemaltekische Staat seiner Pflicht noch nicht nachgekommen. Dies geht aus einem Bericht des Interamerikanischen Gerichtshofes hervor. Der Gerichtshof hatte den Staat Guatemala vor acht Jahren für die illegale Festnahme, Folterung und anschließende Hinrichtung der fünf Jugendlichen verurteilt und die Aufklärung der Verbrechen angeordnet. Das Zentrum für Gerechtigkeit und Internationales Recht CEJIL (Centro por la Justicia y el Derecho Internacional) äußerte seine Besorgnis wegen der weiterhin ausbleibenden Ermittlungen.

Am 15. Juni 1990 waren der 18–jährige Henry Geovanni Contreras, der 20–jährige Federico Clemente Figueroa, der 15–jährige Julio Roberto Caal Sandoval sowie Jovito Josúe Suárez Cifuentes von Sicherheitskräften verschleppt und anschließend ermordet worden. Man fand ihre Leichen am nächsten Tag in einem Waldstück namens Bosques de San Nicolás. Die Opfer waren von Kugeln durchsiebt und die Körper wiesen Spuren von Folterungen auf. Ein paar Tage später wurde ein Freund der Opfer, der 17–jährige Anstraum Villagrán Morales von drei Polizisten im Beisein mehrerer Zeugen ermordet.

Dem Staat war vom Gerichtshof auferlegt worden, eine Reihe von Maßnahmen zu ergreifen, um die Familien der Opfer zu entschädigen. Einige der Auflagen wurden zwar erfüllt, eine Untersuchung und Aufklärung des Verbrechens sowie die Bestrafung der Verantwortlichen stehen jedoch noch aus.

Der Staat rechtfertigte seine Untätigkeit mit der Erklärung, die guatemaltekische Gesetzgebung erlaube es nicht, die an der Tat beteiligten Personen erneut vor Gericht zu stellen, da sie in einem vorangegangenen Prozess bereits freigesprochen worden waren.

Der Verband CEJIL, der die Familien der Opfer vertritt, hielt dagegen, dass das Rechtsprinzip, das die zweimalige Verurteilung einer Person für dasselbe Verbrechen untersage, nicht greife, wenn das zuständige Gericht keine unabhängige und unvoreingenommene Entscheidung getroffen habe, was in diesem Prozess um die ermordeten Jugendlichen der Fall gewesen sei.

Obwohl seit dem Urteilsspruch des Interamerikanischen Gerichtshofs bereits acht Jahre vergangen seien und 18 Jahre seit den Morden, habe der guatemaltekische Staat keinerlei Untersuchungen eingeleitet, um weitere Täter zu ermitteln oder die Verantwortlichen für die schweren Folterungen zu finden, welche die Opfer zu erleiden hatten, so der Verband.

Der Interamerikanische Gerichtshof erklärte seinerseits, dass die fehlende Gesetzgebung eines Staates über einen erneuten Prozess gegen Tatbeteiligte kein Grund sei, die Auflagen des interamerikanischen Gerichtshofes zu ignorieren.

CEJIL hob hervor, dass die Nichterfüllung der Auflagen seitens des Staates Guatemala ein Problem widerspiegele, dass symptomatisch für das ganze Land sei: die Wirkungslosigkeit der Justiz. Daher hoffe man sehr, dass den internationalen Verpflichtungen nun Folge geleistet, die Untersuchungen wieder aufgenommen und Maßnahmen ergriffen werden, um den Zustand der Straffreiheit zu beenden.

CC BY-SA 4.0 Trotz Auflagen des Interamerikanischen Gerichtshofs: Morde an Straßenkindern weiter ungeklärt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Mit dem Ende der Entwaffnung beginnt die Geschichte der FARC-Partei (Montevideo 16. August 2017, la diaria-poonal).- Der letzte Container mit Waffen der Revolutionären Streitkräfte Kolumbiens (FARC) verließ am 15. August eine der Normalisierungs- und Übergangszonen, in denen bis jetzt etwa 7.000 Guerillakämpfer*innen auf ihre Wiedereingliederung in die Gesellschaft vorbereitet wurden. Damit ist die Entwaffnung der Guerilla beendet. Die Vereinten Nationen, welche die Waffen entgegennahmen, werden diese nun einschmelzen lassen, um daraus drei S...
21.000 ermordete Schüler*innen in sieben Jahren Ermordete Jugendliche in Honduras. Foto: Criterio/Desinformémonos (Tegucigalpa, 24. August 2017, desinformémonos).- In Honduras sind in den letzten sieben Jahren 21.000 Schüler und Schülerinnen sowie Studierende ermordet worden. Das geht aus Statistiken der Beobachtungsstelle für Gewalt der Autonomen Universität von Honduras UNAH hervor. Die meisten der in den Jahren 2010 bis 2016 Ermordeten waren Schüler*innen der Oberstufe. Die Beobachtungsstelle für Gewalt hat im er...
Gegen das Schweigen Von Wolf-Dieter Vogel, Mexiko-Stadt Demonstrieren gegen das Schweigen / Foto: Realidad Expuesta (Mexiko-Stadt, 05. August 2017, npl).- Spähangriffe, Morde, Drohungen - Mexikos Journalist*innen leben gefährlich. Auf die Regierung verlassen sie sich jedoch nicht. Sie wollen ihren eigenen Schutz organisieren. Fünf Tage die Woche, jeden Morgen ab 8 Uhr informiert Carmen Aristegui über die neuesten Ereignisse: über Korruptionsaffären, Bandenkriege und Fußballergebnisse. ...
Aufklärung des Mordes an Berta Cáceres? Sie musste ihren Kampf mit dem Leben bezahlen. Am Grab der Menschenrechtsaktivistin Berta Cáceres. Foto: Erika Harzer Am 2. März 2016 wurde Berta Cáceres in La Esperanza, Intibucá, Honduras, ermordet. Auftragskiller erschossen die weit über ihre Landesgrenzen hinaus bekannte Feministin, Menschenrechts- und Umweltaktivistin und Anführerin des Rates der indigenen Völker von Honduras COPINH. Mehr als 16 Monate sind seitdem vergangen. Acht Verdächtige sitzen in Untersuchungsh...
Verschwundener Journalist ermordet aufgefunden Salvador Adame ist bereits der achte in Mexiko ermordete Journalist in diesem Jahr. Foto: Desinformémonos (Mexiko-Stadt, 26. Juni 2017, desinformémonos).- Die Staatsanwaltschaft von Michoacan hat es am 26. Juni bestätigt: Der von der Staatspolizei gefundene verbrannte Körper gehört zu dem Journalisten Salvador Adame Pardo, der am 18. Mai in der Provinz Nueva Italia entführt worden ist. Damit ist Adame nun der achte ermordete Korrespondent in Mexiko in diesem Jahr. Sein...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.