Regierung beschuldigt die USA des Informationsdiebstahls


(Rio de Janeiro, 11. Februar 2009, púlsar).- Die ecuadorianische Regierung hat Bedienstete der US-Botschaft im Land beschuldigt, Informationen aus den Computern der spezialen Untersuchungseinheit UIES (Unidad de Investigaciones Especiales) der nationalen Polizei des Landes gestohlen zu haben. Die Vorwürfe wurden vom Minister für innere und äußere Sicherheit, Miguel Carvajal, geäußert, der die Vorkomnisse als „inakzeptabel“ beschrieb.

Ecuadors Präsident Rafael Correa bestätigte, man werde den ausländischen Funktionär*innen der Botschaft, die „es gewagt haben, das zu tun“, Beweise vorlegen. Die Informationen sollen laut Correa zwischen dem 11. und 12. Februar von Computern des Operationszentrums gegen Schmuggel, das wiederum der UIED untersteht, entwendet worden sein. Ecuador forderte die US-Botschaft auf, das Material sofort zurück zu geben und sprach von einem Vorfall, der die nationale Sicherheit des Landes betreffe.

Die Regierung verlangte in diesem Zusammenhang von der nationalen ecuadorianischen Polizei Aufklärung über Abkommen, die zwischen den USA und Ecuador im Rahmen der Bekämpfung des Drogenhandels oder sonstiger Spezialeinheiten und -operationen bestünden, in deren Rahmen der Datenklau evtl. erleichtert oder ermöglicht wurde.

Laut Adrián Bonilla, Direktor der Lateinamerikanischen Fakultät für Sozialwissenschaften FLASCO, zeigt der Vorfall, dass es einen, mündlichen oder schriftlichen, Vertrag zwischen Ecuador und den USA gebe, der Zeugnis davon ablege, dass Organismen des ecuadorianischen Staates traditionell ausländischen Diensstellen untergeordnet würden. Dieses Vorgehen beziehe sich v.a. auf Themen der inneren und äußeren Sicherheit und bestehe seit rund 30 Jahren.

So soll ein Funktionär der US-Botschaft im Land, Armando Astorga, den Chef der ecuadorianischen Polizei, Jaime Hurtado, vor kurzer Zeit darüber informiert haben, dass die USA ihre finanzielle und logistische Unterstützung des Operationszentrums gegen Schmuggel einzustellen gedenke. Die Zusammenarbeit funktioniere nicht zufriedenstellend, so die Begründung. Die Einflussnahmen der US-Botschaft in diesem Bereich haben die generelle Frage aufgeworfen, in wie weit die USA in der Vergangenheit Einfluss nehmen konnten auf die Ernennung von Polizeibediensteten und in wie weit ihre Ankündigung, die Finanzierung von 340.000 US-Dollar einzufrieren, damit zu tun hat, dass sie mit den jüngsten Personalentwicklungen in der Polizei nicht zufrieden waren.

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