Peru

Mutmaßlicher Massenmörder weist Beschuldigungen von sich


Telmo Hurtado. Foto: pucp (Venezuela, 16. August 2011, telesur).- Telmo Hurtado, Ex-Leutnant des peruanischen Militärs und Hauptangeklagter des Mordes an 69 Landarbeiter*innen im Jahr 1985, wies die Beschuldigungen zurück, die man ihm während des Prozesses in Lima zuschrieb. Der Prozess richtet sich gegen einen Massenmord, die während der ersten Amtszeit Álan Garcías (1985-1990) im Zuge des Einsatzes zur Bekämpfung der aufständischen Gruppierung Sendero Luminoso (Leuchtender Pfad) begangen wurde.

Die Staatsanwältin Karim Ninaquispe erklärte, Hurtado „zeigte sich weder einvernehmlich mit dem Begriff der Mordanschuldigung noch mit der geforderten Strafe von 25 Jahren oder der Summe an zivilrechtlicher Widergutmachung. Er willigte daher ein, vor Gericht zu ziehen.“ Ninaquispe fügte hinzu, man müsse erst die Vernehmung Hurtados abwarten, um zu wissen, in wie weit er für das Massaker an den Landarbeiter*innen die Verantwortung übernimmt.

Das Verfahren gegen Hurtado begann am 15. August in der Strafanstalt Castro Castro des Stadtbezirks San Juan de Lurigancho im Osten Limas. Die Anhörung dauerte eine halbe Stunde. Die nächste Anhörung des “Schlächters aus den Anden“, wie er in lokalen Medien genannt wird, wurde um eine weitere Woche verschoben, da Hurtado bei den Aussagen der anderen Angeklagten und Zeugen nicht dabei sein wollte.

Angeklagter war zunächst geflohen

Nachdem die Verbrechen bekannt geworden waren, floh Hurtado in den 90er Jahren in die USA, wo er später von den US-amerikanischen Behörden auf ein Gesuch der peruanischen Regierung hin verhaftet wurde. Zehn Jahre lang saß Hurtado in den USA im Gefängnis, bis er diesen Juli nach Peru ausgeliefert wurde.

Am 14. August 1985 wurden in Accomarca 69 Landarbeiter*innen von drei Patrouillen des peruanischen Militärs hingerichtet. Nach bisherigen Erkenntnissen trieben die Soldaten die Landarbeiter*innen in kleinen Häusern zusammen und warfen ihnen vor, Anhänger*innen des Sendero Luminoso zu sein. Nachdem sie die Menschen in den Häusern eingeschlossen hatten, begannen die Soldaten zu schießen und Sprengstoff in die Häuser zu werfen. Es hat 25 Jahre gedauert, bis der bereits zu den Akten gelegte Fall erneut aufgerollt wurde. Seit 4. November 2010 bis heute wurde 29 Ex-Militärs der Prozess gemacht.

Nach Angaben der Kommission für Wahrheit und Versöhnung (Comisión de la Verdad y Reconciliación) aus dem Jahr 2003 hat der interne Konflikt, der Peru zwischen 1980 und 2000 überschattete, 70.000 Menschen das Leben gekostet.

CC BY-SA 4.0 Mutmaßlicher Massenmörder weist Beschuldigungen von sich von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Das könnte dich auch interessieren

onda-info 444
64
Hallo und Willkommen zum onda-info 444! Trotz der Schnapszahl gibt es wenig zu feiern, denn auch wir verfolgen mit Sorge die aktuellen Entwicklungen in Brasilien. Der rechtsextreme Bolsonaro geht als Favorit in die Stichwahl. Droht Brasilien eine faschistische Regierung oder gar eine neue Militärdiktatur? Eine aktuelle Einschätzung könnt ihr unter https://mais1cafe.org/2018/10/09/de-brasilien-unter-schock/ unter anderem von unserem Mitarbeiter Nils Brock hören. Doch im ...
Fotograf des Massakers an Student*innen von 1971 gestorben
61
(Mexiko-Stadt, 17. April 2018, desinformémonos/poonal).-Armando Lenin, Fotograf und Journalist aus dem mexikanischen Bundesstaat Guerrero, ist am 14. April im Alter von 80 Jahren gestorben. Er lebte in Cuernavaca und war an Prostatakrebs erkrankt. Armando Lenin war berühmt geworden durch die Fotos, die er 1971 von dem als "Halconazo" (etwa: "Jagd der Falken", Anm. d. Ü.) bekannt gewordenen Massaker an Student*innen gemacht hatte. Das Massaker, das auch als "Massaker vo...
Auftraggeber von Massaker an Landlosen-Aktivisten im Gefängnis
20
Von Benjamin Bunk, Belo Horizonte (19. Dezember 2017, amerika 21).- Der Großgrundbesitzer Adriano Chafik Luedy, in Brasilien rechtskräftig wegen Mordes verurteilt, ist am 14. Dezember in Salvador de Bahia verhaftet worden. Die Nachricht über die Festsetzung von Chafik in Brasilien platzte direkt in das Jahrestreffen der Landlosenbewegung MST. Am 20. November 2004 waren in der Nähe von Felisburgo in der Grenzregion zwischen den Bundesstaaten Minas Gerais und Bahia fünf ...
Demonstration gegen das Vergessen
16
(Mexiko-Stadt, 3. Oktober 2017, desinformémonos).- Überlebende, Organisationen und Studierende haben am Montag den 2. Oktober in verschiedenen Teilen Mexikos demonstriert und an das Massaker vom 2. Oktober 1968 erinnert, bei dem die Regierung dem Militär den Befehl gegeben hatte, auf die fast fünfzigtausend jungen Menschen zu schießen, die sich auf dem Platz der drei Kulturen in der Großwohnsiedlung Tlatelolco in Mexiko-Stadt versammelt hatten. In Mexiko-Stadt nahmen mehre...
Bundesstaat Coahuila: Morde, Verschwindenlassen und Folter sollen vor den Internationalen Strafgerichtshof
98
(Mexiko-Stadt/Berlin, 23. Juli 2017, poonal).- Am 6. Juli übergab die Internationale Föderation für Menschenrechte FIDH (International Federation for Human Rights) gemeinsam mit mehr als 100 mexikanischen Organisationen dem Internationalen Strafgerichtshof in den Haag (IStGH) einen detaillierten Bericht* über die schwerwiegenden Verbrechen, die zwischen 2009 und 2016 im mexikanischen Bundesstaat Coahuila (im Nordosten des Landes an der Grenze zu Texas) begangen wurden. FIDH u...