Brasilien Haiti Mexiko USA

Mexiko: Kehrtwende der US-Migrationspolitik – Geflüchtete aus Haiti sitzen an der Grenze fest


Der Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko / Foto: Brooke Binkowski, CC-BY-2.0

Der Grenzzaun zwischen den USA und Mexiko / Foto: Brooke Binkowski, CC-BY-2.0

(Fortaleza, 13. Oktober 2016, adital/ihu-poonal).- Eine Kehrtwende in der Migrationspolitik der Vereinigten Staaten ist Ursache dafür, dass Tausende von Haitianer*innen an der Grenze zwischen Mexiko und den USA festsitzen. Am 22. September 2016 erklärte die Regierung von Barack Obama, dass sie nicht mehr zulassen werde, dass Menschen aus Haiti ohne gültiges Visum in die USA einreisten. Die Haitianer*innen, die über Mittelamerika bis an die Grenze zwischen Mexiko und den USA gereist sind, sitzen seit diesem Zeitpunkt an der Grenze zu den USA fest und haben keine Möglichkeit, in die USA einzureisen. Schätzungsweise 8.000 Haitianer*innen halten sich in Baja California auf, einem Bundesstaat im Nordwesten Mexikos, in dem auch die Grenzstadt Tijuana liegt.

Seit dem verheerenden Erdbeben 2010 in Haiti hatten die Vereinigten Staaten aus humanitären Gründen eine flexible Migrationspolitik gegenüber Menschen aus Haiti angewendet. Sie durften trotz fehlender gültiger Dokumente einreisen. Außerdem wurden diejenigen, die schon in den USA waren, nicht ausgewiesen.

Steigende Flüchtlingszahlen

Das Ansteigen der Flüchtlingszahlen im Jahr 2016 war jedoch der Grund für das Beenden dieser flexiblen Migrationspolitik. Viele Haitianer*innen, die jetzt in Mexiko an der Grenze zu den USA festsitzen, kommen aus Brasilien, das sie aufgrund der Wirtschaftskrise verlassen haben, und sind auf dem Landweg durch Mittelamerika bis nach Baja California im Nordwesten Mexikos gereist.

Dass die verschiedenen Länder in Nord- und Südamerika nicht in der Lage sind, die große Anzahl an Flüchtlingen aufzunehmen, dürfte die ohnehin schon völlig prekäre Lebenssituation vieler Haitianer*innen verschärfen. Anfang Oktober starben mehr als 1.000 Menschen aufgrund des Hurrikans Matthew, der viele Städte im Süden und Südwesten Haitis verwüstete.

Humanitäre Krise in Haiti

Haiti hat sich noch nicht von dem verheerenden Erdbeben im Jahr 2010 erholt, bei dem mehr als 200.000 Menschen ums Leben kamen. Seitdem lebt das Land in einer dauernden humanitären Krise. Der Ausbruch von Cholera, die durch die Blauhelme der Vereinten Nationen nach Haiti eingeschleppt wurde, war Grund für das Sterben Tausender Menschen in Folge des Erdbebens.

Haiti, das ärmste Land im Raum Lateinamerika-Karibik, hat seine Präsidentschaftswahlen aufgrund des Hurrikans verschoben. Diese Wahlen sind bereits zuvor schon zwei Mal verschoben worden, da Wahlmanipulationen befürchtet wurden. Seit Februar dieses Jahres leitet eine provisorische Regierung die Geschäfte des Landes.

 

banner 2016


Das könnte dich auch interessieren

Überfüllte Flüchtlingsunterkünfte in Baja California (Mexiko-Stadt, 13. Oktober 2016, desinformemonos-poonal).- Die Flüchtlingsunterkünfte in Tijuana, im Bundesstaat Baja California im Nordwesten Mexikos sind überfüllt. Es fehlt an Platz für Migrant*innen und Geflüchtete aus Haiti und aus Afrika, so Christopher Gascón, Beauftragter der Internationalen Organisation für Migration (IOM) in Mexiko bei einer Pressekonferenz in den Räumen der mexikanischen Migrationsbehörde INM (Instituto Nacional de Migración). “Wir wissen noch n...
Eine Hölle, die niemals endet von Vicky Pelaez / Contrainjerencia (Fortaleza, 10. August 2015, adital).- Wir sind es gewohnt, von der Wirtschaftskrise zu reden, die in den letzten sieben Jahren den Wohlstand der Nordamerikaner*innen und Europäer*innen angreift, aber wir stellen uns nicht einmal vor, was passieren würde, wenn die aktuelle Krise mehr als 200 Jahre andauern würde. Ein jeder wird sagen, dass dies unmöglich ist. Es gibt jedoch Fälle, bei denen die Wirklichkeit die Vorstellungskraft übertri...
Fall Curuguaty: Hohe Haftstrafen für Bauern (Caracas, 11. Juli 2016, telesur/poonal) - Das Strafgericht, das sich mit dem Massaker von Curuguaty befasst hat, hat am Montag, 11. Juli, elf Angeklagte für schuldig befunden. Vier von ihnen wurden wegen vorsätzlichen schweren Mordes, Landbesetzung und Bildung einer kriminellen Vereinigung verurteilt. Mit 30 Jahren Haft wegen Mordes erhielt Rubén Villalba die schwerste Strafe. Wegen Mittäterschaft wurden Luis Olmedo zu 20 Jahren, Néstor Castro und Arnaldo Quintana zu je 18 J...
onda-info 403 Hallo und willkommen zum onda-info 403! Nach Nachrichten aus Mexiko und Guatemala steht in den Beiträgen vor allem Zentralamerika auf dem Zettel. Zunächst geht’s nach Nicaragua. Die Wirtschaftsentwicklung unter dem neuen Dauerpräsidenten Ortega ist positiv, die Kriminalität gering. Dafür spielen Pressefreiheit und die Achtung der Menschenrechte im System Ortega eine untergeordnete Rolle. Für den zweiten Beitrag haben wir die afro-indigenen Garífuna in Honduras besucht. Sie so...
Honduras: Immer mehr LGBTI-Personen müssen fliehen Bereits im Sommer letzten Jahres interviewte onda die honduranische Transaktivistin Frenesys Sahory Reyes. Als Koordinatorin der Transfrauengruppe Munecas de Arcoiris, zu Deutsch die Puppen des Regenbogens, war sie zu Besuch in Deutschland. Auf ihrer Rundreise berichtete Frenesys über die Situation von LGBTI-Personen in Honduras und insbesondere von Trans*menschen. Während ihres Aufenthalts wurde klar, dass es nach Honduras für sie kein zurück gab. Zu viele ihrer Mitstreiter_...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.