Argentinien

Menem und Cavallo müssen aussagen


(Havanna, 07. Januar 2009, prensa latina-poonal).- Wie letzte Woche bekannt wurde, hat der argentinische Richter Sergio Torres aufgrund von Unregelmäßigkeiten beim Verkauf des größten Messegeländes der Hauptstadt Buenos Aires den Ex-Präsidenten Carlos Menem und dessen ehemaligen Wirtschaftsminister Domingo Cavallo vorgeladen.

Menem (von 1989 bis 1999 argentinischer Präsident) und Cavallo stehen unter Anklage, weil sie im Jahr 1991 ein Dekret unterzeichneten, das den Verkauf des Messegeländes Palermo an den Landwirtschaftsverband Sociedad Rural Argentina zu einem Preis von 30 Millionen US-Dollar ermöglichte. Das Gelände war jedoch 130 Millionen wert.

Zum anberaumten Termin erschien keiner der beiden Beschuldigten. Auch unter der in den Unterlagen als Wohnort angeführten Adresse war der Ex-Präsident nicht anzutreffen. Sein Anwalt Pedro Baldi sprach von „Terminschwierigkeiten“ seines Mandanten, der auch noch bei anderen Behörden vorstellig werden müsse. Die Untersuchung wurde daher auf Ende Februar verlegt.

Der ehemalige Vorsitzende der Sociedad Rural Argentina Eduardo Agustín Carlos Zavalía und sein Sekretär Juan Alberto Ravagnani, die bereits vorgeladen worden waren, hatten erklärt, für das Vorgefallene nicht verantwortlich zu sein. Sie hätten lediglich dafür gesorgt, dass der Landwirtschaftsverband den mit dem Staat vereinbarten Preis zahlte.

Auch Schätzer der Kreditinstitute Banco Ciudad und Banco Hipotecario scheinen in den Fall verwickelt zu sein. Sie hatten den Wert des Grundstücks auf 30 Millionen US-Dollar beziffert, obwohl das Gelände nach Schätzungen des Obersten Gerichtshofs mindestens 131,8 Millionen wert gewesen sei.

Die argentinische Tageszeitung Página/12 erinnerte daran, dass Menem und Cavallo nicht zum ersten Mal gemeinsam vor Gericht stehen. Bereits 1995 mussten sie sich wegen illegaler Waffentransporte nach Ecuador und Kroatien verantworten. Während der Ex-Minister in diesem Fall um eine Befragung herumkam und seine Beteiligung nicht weiter aufgeklärt wurde, musste der ehemalige Präsident sich zu den Vorwürfen äußern, man erlaubte ihm allerdings, per Videokonferenz auszusagen.

CC BY-SA 4.0 Menem und Cavallo müssen aussagen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

Expräsident Menem verurteilt (Venezuela, 13. Juni 2013, telesur).- Der ehemalige Präsident Argentiniens, Carlos Menem, ist am 13. Juni zu sieben Jahren Haft wegen Waffenhandels in den 1990er Jahren verurteilt worden. Außerdem darf er 14 Jahre lang kein öffentliches Amt bekleiden. Das Gericht befand Menem für schuldig, Kriegsgerät an Kroatien verkauft zu haben, obwohl zu der Zeit ein UN-Embargo gegen die ehemalige jugoslawische Teilrepublik galt. Der damalige Staatspräsident bürgte zudem Anfang der 1990e...
Ein Schlaraffenland für die Erdöl- und Bergbauindustrie? von Betiana Manzo / Martín Segura / Birgit Krug(Berlin, 24. Dezember 2009, npl).- Die 90er Jahre waren das Jahrzehnt der weltweiten Ausbreitung des Neoliberalismus, dessen Auswirkungen ebenfalls weltweit nicht nur in Wirtschaft und Politik zu spüren sind – auch in Argentinien. Blicken wir kurz zurück. Unter der Regierung des damaligen argentinischen Präsidenten Carlos Menem wurden staatliche Betriebe an ausländische Firmen verkauft, die staatliche Industrieförderung eingeste...
Poonal Nr. 742 Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen vom 14. November 2006 Inhalt MEXIKO Oaxaca: Amnesty fordert dringend unabhängige Untersuchung NICARAGUA Massive Kritik am Abtreibungsverbot DOMINIKANISCHE REPUBLIK Ärzte legen das Krankenhaussystem lahm VENEZUELA Gute Perspektiven für Milleniumsziele VENEZUELA / KOLUMBIEN Guerilla rekrutiert Minderjährige KOLUMBIEN Aktivisten aus dem Departement Sucre auf Todesliste ...
Poonal Nr. 718 Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen vom 23. Mai 2006 Inhalt MEXIKO - Sexuelle Misshandlung von weiblichen Gefangenen - Wenig Kritik gegenüber US-Plänen zur Militarisierung der Grenze - Pepsi statt Coca - Drogenkonsum wird doch nicht legalisiert GUATEMALA - Indigene: keine Fortschritte NICARAGUA - Polizei unterdrückt Studentenproteste HONDURAS-EL SALVADOR - Neuerliche Proteste gegen Staudamm C...
Poonal Nr. 610 Deutsche Ausgabe des wöchentlichen Pressedienstes lateinamerikanischer Agenturen vom 17. Februar 2004 Inhalt MEXIKO Geldtransfers der Migranten aus den USA steigen GUATEMALA Widerstand gegen US-Truppen Fehlende Basisversorgung an Schulen EL SALVADOR Richter und Präsident streiten ums Bandengesetz NICARAGUA Erdölfirmen drängen in Indígena-Gebiete HAITI Bewaffnete Banden dominieren das Geschehen Immer mehr Diktaturanhänger auf Seiten der Reb...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *