Lateinamerika

Freier Rundfunk in Lateinamerika weiterhin beeinträchtigt


Foto: shiftingpixel/Joe Lencioni(Fortaleza, 30. April 2011, adital).- Am 1. April stellte die lateinamerikanische Sektion des weltweiten Verbandes der Basisradios AMARC-ALC (Asociación de Radios Comunitarias para América Latina y el Caribe) ihren jüngsten Jahresbericht unter dem Titel “Diversität und Pluralität im Rundfunk 2010“ vor. Demnach sind die Konzentration der Besitzverhältnisse von Kommunikationsmedien, die Kriminalisierung von kommunalen Trägern, der Machtmissbrauch der Regierungen bei der Zuteilung von Radiofrequenzen und die schleppenden legislativen Verfahren weiterhin problematisch für den lateinamerikanischen Rundfunk.

Der Bericht analysiert vor allem die rechtlichen Rahmenbedingungen des lateinamerikanischen Rundfunks und identifiziert wesentliche Hürden für dessen demokratische Entwicklung in den untersuchten 14 Ländern. In einem Interview mit Adital betont die Koordinatorin und Redakteurin des Berichts, Aleida Calleja, dass „ die Mehrheit der lateinamerikanischen Staaten im Hinblick auf die Meinungsfreiheit und die Freiheit des Rundfunks nicht die Vorgaben des Interamerikanischen Systems zum Schutz der Menschenrechte erfüllt“. Insbesondere die weiterhin herrschenden Gesetze und Praktiken, die im Widerspruch zu einer vielfältigen und pluralistischen Informationspolitik stünden, „stellen ein schwerwiegendes Risiko für den demokratischen Diskurs und damit die Demokratie selbst dar“, so der Bericht.

Verstärkte Partizipation der Zivilgesellschaft angestrebt

„Es gab aber auch Fortschritte“, betont Aleida Calleja. In Argentinien hat der Gerichtshof der Konzession von Radiofrequenzen neue Grenzen gesetzt und bezieht sich damit auf das Ende 2009 verabschiedete Gesetz für Audiovisuelle Kommunikationsdienstleistungen. Inzwischen haben verschiedene Großkonzerne auf juristischem Wege interveniert, so dass einige Paragraphen dieses Gesetzes einem Rechtsstreit unterliegen. Aleida kommt daher zu dem Schluss, dass „es nötig ist, dass die Bevölkerung mehr Rechte erhält, um Fortschritte zu erreichen.“

Der Bericht beleuchtet zudem die Bedeutung der Zivilgesellschaft für den lateinamerikanischen Rundfunk. Aleida resümiert hierzu, dass „ eine starke Bewegung in dieser Debatte wahrgenommen werden kann, da Gruppen in verschiedenen Ländern neue Gesetzesvorlagen erarbeitet haben“. Zudem wird die Umstellung auf den digitalen Rundfunk als eine Herausforderung dargestellt. Der digitale Rundfunk sei dabei Chance und Risiko zugleich. Einerseits könne er zu einer Diversifizierung und Pluralisierung beitragen, andererseits besteht ein Risiko, wenn die Beteiligten nicht ausreichend auf die Digitalisierung vorbereitet sind bzw. nicht genug in diesen Prozess eingebunden werden.

Der vollständige Bericht ist auf der Seite von AMARC abrufbar http://web.archive.org/web/20110720005034/http://legislaciones.amarc.org/Inf_Anual/Informe2010.pdf.

CC BY-SA 4.0 Freier Rundfunk in Lateinamerika weiterhin beeinträchtigt von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.


Das könnte dich auch interessieren

onda-info 373 – Nicaragua-Special Nicaragua ist für viele durch die Revolution von 1979 bekannt. Der Somoza-Clan wurde von der linke Befreiungsbewegung FSLN entmachtet. Dies brachte große Hoffnung für eine Bevölkerung, die 50 Jahre lang unter einer Diktatur gelebt hatte. Doch schon wenige Jahre später gab es einen blutigen Bürgerkrieg, Die USA wollten keine linke Revolution und finanzierten und rekrutierten eine Rebellenarmee, die sogenannten Contras. Diese hatten den Auftrag, die Sandinistische Revolution zu...
Panama: Indígena-Radios veranstalten erstes Treffen von comunicandonos (Lima, 04. Januar 2016, servindi).- Wie auf der Webpräsenz der in El Salvador ansässigen Stiftung Comunicándonos zu lesen ist, war für den 16. und 17. Januar ein erstes Treffen von über 30 Vertreter*innen der selbstverwalteten Indígena-Radios und weiteren Indígena-Organisationen angesetzt. Geplant war der Aufbau eines zentralamerikanischen Netzwerks zur Stärkung und Sichtbarmachung ihrer täglichen Arbeit. Die Initiator*innen schließen sich damit den region...
Gemeinderadios unter Druck von Sandra Herrera Antay (Rio de Janeiro, 18. Dezember 2015, púlsar).- Zwei Gemeinderadios der mexikanischen Stadt Puebla, Zacatepec und Cholollan, werden fusionieren, um gemeinsam bei der Bundesbehörde für Telekommunikation Ifetel eine Sendelizenz zu beantragen. Das erklärten die beiden Radiovertreter Miguel López Vega und Erik Coyotl auf einer Pressekonferenz. Diese Maßnahme sei nötig geworden, um die hohen Kosten und die "übertriebenen" Anforderungen zu bewältigen, die au...
Zentralamerika verwundbar durch den Klimawandel von Sandra Herrera Antay – AMARC (Buenos Aires, 14. Oktober 2015, púlsar).- Wirbelstürme, Überschwemmungen und Dürre sind Teil der Auswirkungen des Klimawandels in der Region Zentralamerika. Zusammen mit dem Umstand, dass mindestens die Hälfte der Bevölkerung von Armut betroffen ist, lässt dies erwarten, dass mindestens fünf Millionen Menschen in der Region im Jahre 2020 an Hunger leiden werden. Nicaragua und Guatemala zählen damit zu den zehn am stärksten vom Klimawandel be...
Kriminalisierung des selbstverwalteten „Radio Manque“ (Montevideo, 02. November 2015, comcosur/poonal).- Am 15. Oktober 2015 wurde das freie und selbstverwaltete Radio Manque in Rancagua, ca. 100 Km südlich der chilenischen Hauptstadt Santiago, durchsucht und die Ausstattung des Senders beschlagnahmt. Vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Radios wurden von den Mitarbeitern der Untersuchungspolizei PDI vorübergehend festgenommen und von Polizeiangehörigen geschlagen. Bei einigen von ihnen wurden daraus entstandene Verletzunge...

Hinterlasse einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.