Guatemala
Fokus: Frauen und Queer / Mujeres y Queer

Feuer in Jugendheim – Regierung unter Druck


trauernde Mutter

Foto: Telesur

(Caracas, 10. März 2017, telesur/poonal).- Die guatemaltekische Bevölkerung hat gegen den Präsidenten Jimmy Morales protestiert und seinen Rücktritt verlangt, nachdem am frühen Morgen des 8. März 39 Mädchen durch ein Feuer im Jugendheim Hogar Seguro Virgen de la Asunción, in der Gemeinde San José Pinula unweit von Guatemala-Stadt, getötet worden sind.

Die Demonstrant*innen sammelten sich am späten Donnerstagabend gegenüber des Präsidentenpalastes, überzeugt davon, dass die Morales-Regierung verantwortlich sei für die schlimmste Katastrophe seit dem Erdrutsch im Oktober 2015, die in der Gemeinde von Santa Catarina Pinula dreihundert Menschen begrub.

Während des Protestes zeigten die Demonstrant*innen ihre Wut gegenüber dem sexuellen und psychischen Missbrauch und den Folterungen der Mädchen des Heimes. Der konstante Missbrauch hatte die Mädchen am Mittwoch dazu veranlasst, aus Protest die Matratzen anzündeten – das entfachte das große Feuer im Schlafzimmer, in dem die Mädchen trotz der riesigen Flammen eingeschlossen gelassen wurden.

Zahl der Toten steigt auf 39

Die Tragödie, die sich am Mittwochmorgen ereignete, hinterlässt bis jetzt eine Zahl von 39 toten Mädchen und mehr als zwanzig, die aufgrund von schweren Verbrennungen noch immer in Lebensgefahr schweben.

Vor dem Nationalen Kulturpalast fand eine weitere Demonstration statt, bei der der kollektive Ruf „Nicht eine mehr!“ die Grundstimmung derjenigen verdeutlicht, die die Geschehnisse für ein staatliches Verbrechen halten. Die Demonstrant*innen schrieben die Namen der Opfer auf den Boden und riefen Parolen, die immer wieder von Weinen unterbrochen wurden. Ab den frühen Morgenstunden kamen ganze Familien zur Plaza de la Constitución de Guatemala um der Minderjährigen zu gedenken, die zum Opfer von Fahrlässigkeit geworden sind.

Die Protestierenden betonten, keinen Präsidenten zu haben; derjenige, der das Land führe, solle aufgrund seiner Unfähigkeit im Umgang mit den angesammelten Problemen im Land ein für allemal zurücktreten. Zur Demonstration brachte die Bevölkerung Kerzen, Blumen, Poster, Stofftiere und Schriftzüge gegen die Regierung, die den Forderungen des Volkes von Guatemala nicht nachgehe.

Auf die Umstände reagierten Regierungsvertreter mit einem Statement, das aufgrund seiner Gleichgültigkeit erschütternder nicht sein kann: „Ich glaube, es gab keinen Grund zum Widerstand der Mädchen, die wegen der Qualität des Essens protestierten. Es gab auch keine Fahrlässigkeit. (…) Der Präsident nimmt nicht an der Konferenz teil, da er sich gerade um dringende Angelegenheiten der Nation kümmert“, erklärt der Minister des Sozialwesens, Carlos Rodas, vor Presse und Bevölkerung wenige Stunden nach dem Brand (Rodas ist inzwischen zurückgetreten, gegen ihn wird ermittelt, Anm. d. Red.).

Ehemalige Heimbewohnerinnen klagen an

Blanca Lidia Iboy, Ex-Bewohnerin des besagten Jugendheimes, erinnerte sich: „Sechs Jahre lang war ich in verschiedenen Heimen. In den meisten wurden wir geschlagen und schlecht behandelt, aber ich erinnere mich auch an eins, in dem mir Liebe entgegengebracht wurde“. María Marroquín, ebenfalls ehemalige Bewohnerin, erzählte: „Sie spritzten uns etwas, damit wir einschliefen, zogen uns aus und ließen uns nackt im Innenhof liegen. Sie machten Geschäfte mit uns“.

Die Mutter von Kimberly Yajaira, 18 Jahre, auch Ex-Bewohnerin des Heims, erzählte, dass ihre Tochter dort vergewaltigt worden und schwanger geworden sei. Allerdings sei sie bei einem Streit geschlagen worden und habe dabei eines der Zwillinge, das sie erwartete, verloren. Die Mutter der Jugendlichen, die anonym bleiben wollte, sagte aus, dass ihre Tochter nicht mehr im Heim sei, ihr Enkelkind aber noch in der Obhut der Behörden sei. Mutter und Großmutter verlangen die Rückgabe des Kindes, da sie fürchten, es könnte Opfer von Missbrauch werden.

Eine Nachbarin erklärte gegenüber dem Nachrichtenportal „nomada“: „Das Feuer war ein Aufschrei der Mädchen. Jeder, der hier in der Nähe wohnt, weiß, dass dieses Heim die Hölle ist“

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