Guatemala

Colom im Fall Rosenberg entlastet


(Lima, 15. Januar 2010, noticias aliadas).- Acht Monate hat die Internationale Kommission gegen Straflosigkeit in Guatemala CICIG (Comisión Internacional contra la Impunidad en Guatemala) im Fall Rosenberg ermittelt. Nun kam die aus Expert*innen aus elf Ländern bestehende Kommission zu dem Ergebnis, dass das Opfer, der Anwalt Rodrigo Rosenberg, seinen Tod selbst geplant hat. Präsident Álvaro Colom, seine Ehefrau Sandra Torres de Colom, Generalsekretär Gustavo Alejos und der Unternehmer Gregorio Valdez sind damit entlastet.

Der 48 Jahre alte Rosenberg war am 10. Mai 2009 erschossen worden, als er in einem Randbezirk von Guatemala-Stadt Fahrrad fuhr. Am folgenden Tag tauchte ein Video auf, dass Rosenberg selbst wenige Tage vor seinem Tod aufgenommen hatte. Dort sagt er: „Wenn Sie diese Botschaft sehen, dann bin ich einem Mordanschlag von Präsident Álvaro Colom zum Opfer gefallen.“ Der Fall Rosenberg wurde so zur bisher schwersten Belastungsprobe für den als sozialdemokratisch geltenden Präsidenten.

Am 12. Januar gab die CICIG das Ergebnis ihrer Ermittlungen bekannt. Der Vorsitzende der CICIG, der Richter Carlos Castresana erklärte, dass „Rosenberg selbst die Cousins seiner ersten Frau, die enge Freunde von ihm waren, um Hilfe gebeten hat. Er sagte zu ihnen: ‚ich werde von einem Erpresser bedroht und möchte ihn umbringen.‘ Die Cousins wurden beauftragt, einen Killer zu suchen, doch das Ziel war Rosenberg selbst.“

Castresana zufolge litt Rosenberg an psychischen Problemen, nachdem sein Mandant Khalil Musa und dessen Tochter Marjorie ermordet worden waren. Marjorie Musa war Rosenbergs Freundin und ihr Vater ein bekannter Unternehmer. In dem Video erklärt Rosenberg, dass Musa Beweise hätte, dass sich Colom und dessen Partner an der guatemaltekischen Ländlichen Entwicklungsbank bereicherten. Alejos und Valdez bezichtigte er, Teil einer Verschwörung der Regierung mit Drogenbanden zu sein.

Castresana schloß die Existenz einer solchen Verschwörung aus und betonte:“In den Untersuchungen, die wir bis jetzt durchgeführt haben, haben wir kein Anzeichen für eine Beteiligung des Präsidenten gefunden.“ Auch niemand sonst, „kein Politiker, kein Minister, kein Polizeichef und kein Kommissar“ sei an dem Verbrechen beteiligt gewesen, welches eine der schwersten politischen Krisen der letzten Jahrzehnte im Land ausgelöst hatte.

Colom zeigt sich mit dem Ergebnis der Untersuchungen zufrieden. „Es war ein ‚Megaschaden‘, der juristisch aufgearbeitet werden muss“, erklärte der Präsident. „Ich weiß nicht, wer diese Schandtat ausgeheckt hat, aber meine Glaubwürdigkeit hat diese Krise überstanden. Heute schließt sich ein trauriges, aber sehr wichtiges Kapitel in der Geschichte Guatemalas.“

Derzeit befinden sich elf Personen im Zusammenhang mit dem Verbrechen im Gefängnis. Die Brüder Francisco José und José Estuardo Valdés Páiz sind seit Dezember auf der Flucht. Sie sollen die Killer mit dem Mord an Rosenberg beauftragt haben.

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