Urlaub trotz Covid

im mexikanischen Bundesstaat Quintana Roo ist die Polizei selbst am Strand präsent. Foto: D. Ossami

(Berlin, 17. März 2021, npla).- Mexiko ist eines der wenigen Länder, das keine strengen Reisebeschränkungen für ausländische Reisende erlassen hat. Dabei ist auch Mexiko von der Corona-Pandemie stark betroffen; bislang sind dort über 190.000 Menschen an oder mit dem Virus gestorben. Die Inzidenzen sind jedoch regional unterschiedlich hoch; in der bei Tourist*innen beliebten Region Quintana Roo mit dem internationalen Drehkreuz Cancún lagen die Zahlen trotzdem deutlich hinter den Hotspots rund um Mexiko-Stadt und in Zentralmexiko. Im Nordosten der Halbinsel Yucatán scheint Tourismus daher noch vertretbar. Nach zahlreichen Urlauber*innenbesuchen vor allem aus Mexiko und den USA im Dezember und Januar sind jedoch auch in Quintana Roo die Zahlen gestiegen, Anfang Februar stand dort die Inzidenzampel auf Orange, dem zweithöchsten Wert.

„Achtung, Achtung! Wir befinden uns in der Alarmstufe Orange!“ Diese Durchsage läuft an der wichtigsten Kreuzung in der touristischen Boomtown Tulum in Dauerschleife. Alerta Naranja bedeutet unter anderem: Schulen sind geschlossen, Läden und Restaurants geöffnet, der Zugang bleibt jedoch beschränkt. Bars und Clubs sind theoretisch geschlossen, doch nicht jeder hält sich daran. In der Öffentlichkeit herrscht Maskenpflicht.

„Es gibt viele Menschen, die sich nicht schützen“

Obwohl die Beschränkungen damit ähnlich sind wie in Deutschland, herrscht auf den Straßen viel mehr Betrieb. Das mag auch am Klima liegen. Es fällt auf, dass auf der Straße fast alle Mexikaner*innen Maske tragen, die meisten Tourist*innen jedoch nicht. „Die meisten von uns tragen einen Mundschutz“, sagt eine Verkäuferin. „Wir haben uns schon daran gewöhnt. Und wenn wir hier bei der Arbeit keinen Mundschutz tragen, wird uns der Laden dichtgemacht.“ Manche Tourist*innen würden sich jedoch weigern, kritisiert sie. Ein Passant bestätigt das: „Es gibt viele Menschen, die sich nicht schützen.“ Das besorgt ihn, denn „die Leute schützen sich nicht und verbreiten das Virus immer weiter.“

Nicht nur der Staat – auch viele Mexikaner*innen sind auf die Einnahmen aus dem Tourismus angewiesen. Im Gegensatz zu vielen anderen mexikanischen Bundesstaaten sind in Quintana Roo, zu dem auch Tulum gehört, noch viele Jobs frei: in der Tourismusbranche, im Service, im Sicherheitsbereich und in der boomenden Baubranche. Der Tourismus ist ein lukratives Geschäft, das nun auch finanzstarke Investor*innen angelockt hat. Überall werden große Schneisen in die eigentlich geschützten Mangrovenwälder geschlagen, neben Bauarbeitersiedlungen entstehen Luxusresorts.

Ein Strandhotel neben dem anderen

Happy Hour mit Corona: Straßenszene in Tulum. Foto: D. Ossami

Der Strand, für den Tulum berühmt ist, ist bereits größtenteils bebaut. Hier reihen sich Restaurants und Hotels aneinander. Die US-geführte internationale Boheme feiert ausgelassen in teuren Locations, es gibt sogar exklusive Parties im „Dschungel“ für 150 Dollar Eintritt. Über den lukrativen Massenindividualismus mit seinen verspielten Öko-Ornamenten wird sorgsam gewacht.

„Sehr gut“ fühlt sich eine feiernde Kolumbianerin; Sorgen um die die Covid-Situation in Mexiko macht sie sich nicht. „Prächtig“, geht es auch einem rotgebrannten jungen Mann aus dem US-amerikanischen Philadelphia. Angst habe er keine. Für seinen bevorstehenden Rückflug muss er einen Antigen-Test vorweisen, an mehreren Orten in der Stadt kann man sich testen lassen.

Seit Ende Januar gehen die Zahlen in Quintana Roo langsam wieder zurück, inzwischen steht die Inzidenzampel nur noch auf Gelb. Damit dürfen die Geschäfte mehr Kund*innen reinlassen, auch fast alle Aktivitäten sind erlaubt. Nur Schulen, Clubs und Kneipen bleiben geschlossen. Theoretisch.

Den dazugehörigen Audiobeitrag könnt ihr hier hören.

CC BY-SA 4.0 Urlaub trotz Covid von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

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