
(Genf, 4. August 2025, Desinformémonos).- Es bleiben nur noch wenige Tage: In der UNO-Zentrale in Genf laufen derzeit intensive Verhandlungen über ein globales Abkommen zur Eindämmung der wachsenden Plastikverschmutzung. Ziel ist es, die negativen Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und Wirtschaft zu begrenzen.
Das Umweltprogramm der Vereinten Nationen (UNEP/PNUMA) warnt, dass sich das weltweite Plastikmüllaufkommen ohne ein wirksames Abkommen bis 2060 verdreifachen könnte – mit gravierenden Folgen für Menschen, Tiere und das Klima.
Die Gespräche gehen auf einen Beschluss der UN-Mitgliedstaaten aus dem Jahr 2022 zurück: Innerhalb von zwei Jahren soll ein völkerrechtlich verbindliches Instrument gegen die globale Plastikverschmutzung entwickelt werden – mit besonderem Fokus auf den Schutz der Meeresumwelt.
Plastikprodukte wie Einwegstrohhalme, Becher, Tüten oder Kosmetika mit Mikroplastik gelangen in großen Mengen in Ozeane und auf Deponien. Befürworterinnen und Befürworter des geplanten Vertrags sehen darin ein Abkommen von ähnlicher Tragweite wie das Pariser Klimaabkommen. Gleichzeitig gibt es Widerstand -vor allem aus öl- und gasexportierenden Staaten, deren Rohstoffe die Grundlage für die Plastikproduktion bilden.
„Wir werden die Krise der Plastikverschmutzung nicht durch Recycling lösen. Wir brauchen einen systemischen Wandel, um den Übergang zu einer Kreislaufwirtschaft zu schaffen“, betonte die Exekutivdirektorin des UNEP, Inger Andersen.
Fokus auf den gesamten Lebenszyklus von Plastik
Der geplante Vertrag soll den gesamten Lebenszyklus von Kunststoffen abdecken – vom Design über die Produktion bis zur Entsorgung. Ziel ist es, Kreislauffähigkeit zu fördern und zu verhindern, dass Plastik in die Umwelt gelangt.
Die Verhandlungsgrundlage bildet ein 22-seitiges Dokument mit 32 Artikelentwürfen, das in Genf Zeile für Zeile diskutiert wird. Es dient als Grundlage für den finalen Vertragstext.
Zehn Tage intensive Verhandlungen
Vom 5. bis 14. August analysieren Delegationen aus 179 Ländern den Textvorschlag. Über 1900 Teilnehmer*innen – darunter Vertreter*innen von 618 Beobachterorganisationen, der Wissenschaft, Zivilgesellschaft und Industrie – nehmen an der Sitzung des Zwischenstaatlichen Verhandlungskomitees teil.
Ein zentrales Ziel ist der Austausch über wirksame Strategien zur Reduzierung des Plastikkonsums – etwa durch plastikfreie Alternativen oder schadstoffarme Ersatzprodukte.
Auswirkungen auf Gesundheit, Umwelt und Wirtschaft
Kurz vor Beginn der Verhandlungen veröffentlichte die Fachzeitschrift The Lancet eine Analyse, in der gewarnt wird, dass Kunststoffe entlang ihres gesamten Lebenszyklus gesundheitliche Schäden verursachen und das in allen Lebensphasen des Menschen. Besonders gefährdet seien Kinder und Säuglinge.
„Kunststoffe stellen eine ernste, wachsende und wenig beachtete Gefahr für die menschliche und planetare Gesundheit dar und verursachen gesundheitsbezogene wirtschaftliche Verluste von über 1,5 Billionen US-Dollar jährlich“, hieß es.
Jyoti Mathur-Filipp, Exekutivsekretärin des Zwischenstaatlichen Verhandlungskomitees zur Plastikverschmutzung, leitet die Gespräche in Genf.
„Schätzungen zufolge hat die Menschheit allein im Jahr 2024 mehr als 500 Millionen Tonnen Plastik verbraucht. Davon werden 399 Millionen Tonnen zu Abfall“, erklärte sie.
Neueste Prognosen gehen davon aus, dass die Plastikemissionen in die Umwelt bis 2040 um 50 % steigen werden. „Die Kosten der durch Plastikverschmutzung verursachten Schäden könnten sich zwischen 2016 und 2040 auf insgesamt 281 Billionen US-Dollar belaufen“, so Mathur-Filipp.
Fünf Verhandlungsrunden – der Weg zum Abkommen
Seit 2022 fanden fünf große Verhandlungsrunden statt:
- Erste Runde 2022: Uruguay
- Zwei Treffen 2023: in Frankreich und Kenia
- April 2024: Verhandlungen in Kanada
- Später 2024: Gespräche in Busan, Südkorea – dort wurde beschlossen, die Verhandlungen in Genf fortzusetzen, unter der Leitung des Ausschussvorsitzenden Luis Vayas Valdivieso aus Ecuador.
Plastikmüll könnte sich bis 2060 verdreifachen von Nachrichtenpool Lateinamerika ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international.

Schreibe einen Kommentar