Erdölpläne gefährden isolierte Völker im Amazonas

Der Nationalpark Manú ist ein Nationalpark im Amazonasgebiet im Südosten Perus. Hier leben einige der letzten isolierten  indigenen Bevölkerungsgruppen (PIACI). Foto: Corey Spruit via wikimedia commonsCC BY 2.0.

(Lima, 30. August 2025, Avispa Midia).- Die Erdölindustrie will ihre Produktion im Amazonasgebiet steigern und richtet dafür ihren Blick auf die Geschützten Naturgebiete (Áreas Naturales Protegidas, ANP) Perus.

In diesem Zusammenhang legt ein Gesetzentwurf des peruanischen Kongresses nahe, die Exploration und Förderung von Kohlenwasserstoffen auch in unantastbaren Zonen zu erlauben. Das bedroht die Indigenen Völker in Isolation und Erstem Kontakt (PIACI), die in mindestens fünfzehn Naturgebieten des Landes leben.

„Die Ausbeutung von Kohlenwasserstoffen führt bei den PIACI zu plötzlichen Fluchten, dem Verlassen von Siedlungen, der Veränderung von Wanderwegen sowie zu Konflikten und Konfrontationen. Das erhöht die Wahrscheinlichkeit unerwünschter Kontakte und die Gefahr der Übertragung tödlicher Krankheiten auf die PIACI“, warnt die Interethnische Vereinigung zur Entwicklung des peruanischen Regenwaldes (Aidesep).

Der Gesetzesvorschlag wurde im Juli an die Kommission für Andine, Amazonische und Afroperuanische Völker, Umwelt und Ökologie des Parlaments überwiesen. Er sieht vor, auch indirekt genutzte Naturschutzgebiete für extraktive Tätigkeiten freizugeben – ohne dabei die Existenz der isolierten Völker zu erwähnen.

„Die Gesetzesinitiative folgt starken wirtschaftlichen Interessen an diesen angestammten Gebieten der indigenen Völker. Die Zulassung extraktiver Tätigkeiten in diesen traditionellen Territorien könnte zur Auslöschung der PIACI führen. Die Verwundbarkeit verstärkt sich noch angesichts der Menschenrechtsverletzungen, die diese Völker regelmäßig durch Akteure erfahren, die ihre natürlichen Ressourcen ausbeuten wollen – und angesichts der Straffreiheit, die diese Übergriffe auf Menschen und Ökosysteme meist umgibt“, erklären die peruanischen Amazonasorganisationen.

Die Leugnung der Existenz isolierter Völker ist in den vergangenen Jahren zu einer gängigen Erzählung von Exekutive, Kongress und lokalen Regierungen geworden. Regionale Behörden bestreiten ihre Existenz, um ihre Zuständigkeitsbereiche für Bergbau, Erdölförderung und Monokulturen zu öffnen. Unter dem Vorwand der Entwicklung indigener Völker fördern private Verbände in Zusammenarbeit mit staatlichen Institutionen ein Narrativ, das die seit über zwei Jahrzehnten dokumentierten Beweise für die Existenz dieser Gemeinschaften unterdrückt.

Vor diesem Hintergrund warnen die Amazonasvölker, dass die Pläne zur Ölexploration in Naturgebieten ein Risiko des Völkermords für die PIACI darstellen.

Öloffensive in der Region

Das jüngste Abkommen zwischen PetroPerú und PetroEcuador, das eine Erweiterung der Nordperuanischen Ölpipeline vorsieht, bedeutet eine schwere Bedrohung für die indigenen Gemeinschaften und PIACI, die an den Grenzen beider Länder leben.

„Die Staaten Ecuador und Peru sowie ihre Unternehmen haben unseren Völkern gegenüber eine historische Schuld, da sie einseitig und ohne Rücksprache beschlossen haben, Erdöl in den Territorien des Amazonas zu fördern. Außerdem können wir Regierungen nicht vertrauen, die das demokratische Mandat und den Willen missachten, die Ausbeutung des Yasuní in Ecuador zu beenden“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung indigener Organisationen beider Länder.

Das bilaterale Abkommen wurde ohne Konsultation der betroffenen Gemeinschaften beschlossen. Die Nordperuanische Ölpipeline, von den Amazonasvölkern als illegitim angesehen, da sie ohne deren Zustimmung gebaut wurde, weist eine lange Geschichte von Hunderten Lecks und Verschmutzungen auf – meist verursacht durch Korrosion der Infrastruktur und Betriebsfehler.

„Wir lehnen die politischen und wirtschaftlichen Versuche ab, mit dieser Ankündigung die Erdölförderung in beiden Ländern voranzutreiben. Wir erklären den Alarmzustand und kündigen an, ab sofort eine internationale Kampagne zu starten, um jede Erdölfirma, die in dieses Projekt investieren will, sowie Großbanken und andere potenzielle Investoren zu warnen, damit sie sich nicht zu Komplizen solcher Initiativen machen“, so die Erklärung weiter.

Internationale Forderung zum Schutz der Amazonía

Vor diesem Hintergrund forderten die Vertreter*innen der indigenen Völker von acht Ländern, die in diesem angestammten Gebiet leben, auf dem Amazonas-Regionaltreffen, das vom 18. bis 22. August in Bogotá stattfand, den Amazonas zu einer Zone zu erklären, in der der Abbau von Kohlenwasserstoffen und der Bergbau verboten sind. Den Territorien der indigenen Völker und der PIACI müsse Vorrang eingeräumt werden.

Von den Territorien aus wird ein Konsens gesucht, um dem Ökozid im Amazonasgebiet Einhalt zu gebieten. Dies geschieht mit Blick auf die Weltklimakonferenz (COP 30), die im November zum ersten Mal in einer Amazonasstadt – Belém do Pará (Brasilien) – stattfindet.

Im Rahmen einer dringend notwendigen Transformation hin zu einer Wirtschaft frei von fossilen Brennstoffen und Rohstoffabbau schlagen die indigenen Vertreter*innen die Einrichtung einer Arbeitsgruppe für einen gerechten Wandel vor, deren Maßnahmen sich in den nationalen Klimaschutzplänen widerspiegeln sollen, sowie die Festlegung eines Zeitplans für diesen Prozess.

Übersetzung: Annette Brox

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