Volkszählung: Überprüfung der Ergebnisse gefordert

Schlechter Start: Dass die Volkszählung um zwei Jahre vorverlegt wurde, hat nicht zum Gelingen des Pozesses beigetragen.
Foto: Presidencia de Perú via wikimedia
CC BY-SA 4.0

(Lima, 26. November 2025, Servindi).- Kurz vor Abschluss der Volkszählung 2025 am 30. November kritisierten nationale indigene Organisationen scharf den mit zahlreichen Unregelmäßigkeiten verbundenen Ablauf der Erhebung. Auf einer Pressekonferenz bekräftigten sie ihre Vermutung, die Politik wolle vorsätzlich die statistische Sichtbarkeit der indigenen Völker gefährden. So erfasse die Volkszählung im Ergebnis die indigene Bevölkerung nur unzureichend. Dies habe Auswirkungen auf die Anerkennung und Gestaltung interkultureller Politik und verletze somit ihre Rechte. Die indigenen Organisationen wiesen auf ihren Ausschluss von den Vorbereitungen und der Durchführung der Volkszählung hin und forderten unabhängige Überprüfungsmechanismen für die vom Nationalen Institut für Statistik und Informatik (INEI) vorgelegten Ergebnisse.

„Es hat schon schlecht angefangen”

Bereits die Vorverlegung der Volkszählung um zwei Jahre sei schon ein schlechter Start gewesen, erklärte Aurora Coronado von der Nationalen Vereinigung der Bäuerinnen, Handwerkerinnen, Indigenen und Lohnarbeiterinnen Perus (Fenmucarinap). Die Volkszählungen werden auf fachliche Empfehlung alle zehn Jahre durchgeführt und hätten 2027 stattfinden sollen, zehn Jahre nach der Volkszählung von 2017. Die unbegründete Vorverlegung habe sich negativ auf die Beteiligung der indigenen Völker an der Vorbereitung ausgewirkt, betonte Aurora Coronado. „Die Volkszählung wurde vorverlegt, obwohl weder die Voraussetzungen hierfür noch die Garantien gegeben waren”, erklärte Danitza Quispe von der Nationalen Organisation indigener Frauen aus den Anden und dem Amazonasgebiet Perus (ONAMIAP). Außerdem wurde die Reichweite der Volkszählung in Frage gestellt und kritisiert, dass die Volkszählungsbeauftragten nicht wirklich in die ländlichen und entlegensten Gebiete jedes Territoriums vorgedrungen seien. „Die Volkszähler*innen sind ihrer Verantwortung nicht gerecht geworden”, erklärte Rosalía Clemente, Präsidentin der Nationalen Agrarvereinigung (CNA). Die Vorsitzende äußerte sich besorgt über die mangelnde oder gar fehlende interkulturelle Schulung der Mitarbeiter*innen der Volkszählung sowie über deren Unkenntnis der indigenen Sprachen. Sie kritisierte auch die Diskriminierung und Einmischung von Kongressabgeordneten und Vertreter*innen von Wirtschaftsverbänden, die darauf abzielten, die indigene Bevölkerung unsichtbar zu machen.

„Sie haben uns dazu gedrängt, ‚Mestize’ anzugeben”

Teresita Antazú López, nationale Vorsitzende der Interethnischen Vereinigung für die Entwicklung des peruanischen Regenwaldes (AIDESEP), betonte, die Frage nach der ethnischen Selbstbezeichnung habe in den Amazonasgemeinden gefehlt. Diese Auslassung sei auch in Andenregionen und sogar in Städten häufig vorgekommen. Dort seien die Zähler*innen voreingenommen gewesen und hätten die befragte Bevölkerung als „Mestiz*innen“ angesehen. Die Yanesha-Vertreterin wies auf Fälle hin, in denen die Zähler*innen die ethnische Zugehörigkeit nicht erfassten oder Druck ausübten, um die indigene Bevölkerung dazu zu bewegen, sich als „Mestiz*innen“ zu bezeichnen.

Mangelnde Information

Weiter wurde der Mangel an ausreichender Information über die Volkszählung kritisiert. Wilder Sánchez, Präsident des Kleinbauernverbands Confederación Campesina del Perú (CCP), bezeichnete die Kommunikations- und Informationsstrategie der Volkszählung als mangelhaft. Außerdem habe die offizielle Berichterstattung weder die indigenen Sprachen noch angemessene Zeiträume berücksichtigt, was zu Verwirrung, Fehlinformationen und einer begrenzten Beteiligung führte. Sánchez ergänzte: „Bei einer Volkszählung geht es nicht nur darum, festzustellen, wie viele wir sind, sondern es geht auch um Anerkennung, denn diese benötigen wir, um Staatsbürgerschaft und Rechte einzufordern.“

Indigene Selbstzählungen: ein Ausweg aus dem Misstrauen

Während der Veranstaltung wurde die Initiative des Rates der Harakbut-Nation vorgestellt, der die erste indigene Selbstzählung in Peru durchgeführt hat. Mit audiovisuellen Zeugnissen von Antonio Iviche Quique und Jaime Corisepa Neri wurden die Beweggründe erläutert, die das Volk der Harakbut dazu veranlasst haben, eine Selbstzählung zu organisieren. Einer der Gründe ist das Misstrauen gegenüber der Art und Weise, wie ihr Volk gezählt und charakterisiert werde. Sie legten Wert darauf, dass ihre Bevölkerung nicht nur quantitativ erfasst wird, sondern auch ihre Weltanschauung und ihre besondere Beziehung zum Territorium berücksichtigt werden. Die Erfahrung des Volkes der Harakbut wurde als möglicher Weg für andere indigene Völker angesehen, und es wurde sogar erwägt, dass der peruanische Staat solche Prozesse unterstützen und finanzieren sollte. Die indigene Aktivistin Teresita Antazú López hob die Initiative des Volkes der Harakbut als Alternative hervor. „Ein Beispiel ist die Selbstzählung des Volkes der Harakbut, die auch eine Möglichkeit ist, Forderungen zu stellen”, betonte sie.

Die Hälfte der Peruaner*innen identifiziert sich als indigen

César Flores, Vertreter der Arbeitsgruppe für indigene Völker der Nationalen Koordinierungsstelle für Menschenrechte (CNDDHH), erklärte, dass sich 50 Prozent der peruanischen Bevölkerung als Angehörige oder Nachkommen eines indigenen Volkes identifizieren. Er stützte diese Aussage auf eine nationale Umfrage des Instituts für Peruanische Studien (IEP), die in 24 Departements, 158 Provinzen und 461 Bezirken Perus durchgeführt wurde. Die Umfrage wurde von der Arbeitsgruppe für indigene Völker der CNDDHH in Auftrag gegeben, um die Wahrnehmung der ethnischen Selbstidentifikation, die Bewertung des Beitrags der indigenen Bevölkerung und die Diskriminierung zu ermitteln. Im Süden Perus liegt die Selbstidentifikation als indigen bei 59 Prozent, während sie in der Metropolregion Lima bei 45 Prozent liegt. „Diese Ergebnisse können mit den offiziellen Zahlen der Volkszählung verglichen werden“, sobald diese bekannt sind, erklärte er. Javier Jahncke von der Bischöflichen Sozialkommission (CEAS) sagte, die Unsichtbarkeit der indigenen Völker führe dazu, dass sie nicht vor den Risiken der illegalen Wirtschaft geschützt würden, die in ihre Territorien eindringen

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